Erstellt am 20. Mai 2016, 19:26

von APA Red

Kandidaten beenden Wahlkampf in Wien. Die Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten beenden heute endgültig ihren Wahlkampf.

 |  NOEN, APA

Alexander Van der Bellen beging am Freitagnachmittag im Votivpark in Wien vor einigen Hundert Unterstützern seinen Wahlkampfabschluss. Den von der FPÖ ins Rennen geschickten Norbert Hofer zog es in blaues Kerngebiet, den Viktor Adler-Markt in Wien-Favoriten.

Van der Bellen zeigte sich am Freitag zuversichtlich, die Stichwahl am Sonntag für sich entscheiden zu können. Der Schwung der vergangenen Wochen gebe ihm das Gefühl, dass er "knapp aber doch" vorne liegen werde, sagte er in seiner Wahlkampfabschluss-Pressekonferenz. Empfangen wurde der Ex-Grünen-Chef im Votivpark mit einem A-Capella-Gesang. Nicht irritieren ließ er sich von den Sturmböen im Park, die er als Rückenwind für die Stichwahl am Sonntag wertete.

In seiner kurzen Ansprache auf einem kleinen Podium gab sich Van der Bellen vorsichtig optimistisch. Beim ersten Wahlgang im April habe man die erste Hürde genommen, sagte er. "Seither habe ich so ein Gefühl, dass wir nach oben gehen, dass sich etwas bewegt." Seine Unterstützer bat er, Freunde und Verwandte anzurufen, "dass sie am Sonntag das Richtige machen".

Erneut sprach er von einer Richtungsentscheidung. "Seien wir uns bewusst, dass das historische Momente sind." Den Unterstützern dankte er, "dass sie mich getragen haben durch diese fünf Monate". Fehler aus dem Wahlkampf nehme er auf sich, "aber der Gewinn ist ein Gewinn von uns allen".

Begrüßt wurde Van der Bellen von der Gesangsgruppe Hermann, die ihm ein mehrstimmig vorgetragenen Lied entgegenträllerte. "Entscheide gut, Frau oder Mann, kreuz für den Alexander an", hieß es darin. Hinter "Hofers Listen" stünden "korrupte Chauvinisten", wogegen "was immer du auch bist" der Van-der-Bellen-Wähler "doch kein Extremist" sei.

Neben reihenweise Grüner hatten sich auch Unterstützer aus anderen ideologischen Zirkeln zum Wahlkampfabschluss eingefunden. Blicken ließen sich etwa Ex-EU-Kommissar Franz Fischler (ÖVP), der frühere SPÖ-Finanzminister Ferdinand Lacina, Ex-ÖVP-Abgeordneter Ferry Maier oder auch Kleinkünstler Dirk Stermann.

Die FPÖ beging einigermaßen siegessicher den Wahlkampfabschluss für ihren Präsidentschaftskandidaten Norbert Hofer. "Wir haben einen großen Tag vor uns", rief Stadtrat Johann Gudenus den Fans und Funktionären am prall gefüllten Viktor-Adler-Platz entgegen: "Norbert Hofer wird mit Eurer Hilfe der nächste Bundespräsident für Österreich."

Dem neuen Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) warf er vor, lediglich "alter Wein in neuen Schläuchen" zu sein. Inhaltlich spulte er die aktuellen FP-Themen in Wien herunter (Zuwanderung, U6, Praterstern). Die Regierung bezeichnete Gudenus als abgehobene Elite. "Wer die Massenarbeitslosigkeit bekämpfen will, wählt Norbert Hofer." Denn sein Gegenkandidat Alexander van der Bellen würde lediglich ein "Steigbügelhalter für eine rot-schwarze oder rot-grüne Koalition" sein, während sich Hofer für den Willen des Volkes stark machen werde.

Unterdessen hat die Hofburg-Stichwahl einen neuen Briefwahl-Rekord gebracht: Die Wahlbehörden haben fast 900.000 - genau 885.437 - Wahlkarten ausgestellt. Das bedeutet, dass beinahe 14 Prozent der 6,382.507 Wahlberechtigten ihre Stimme nicht im Weg der "klassischen" Urnenwahl am Sonntag abgeben wollen. So viele Wahlkarten-Anträge gab es noch nie - und es sind noch einmal deutlich mehr als am 24. April.

Deutlich gestiegenes Interesse

Damit ist die Wahrscheinlichkeit gestiegen, dass erst mit Auszählung der Briefwahl am Montag feststeht, ob Norbert Hofer (FPÖ) oder Alexander Van der Bellen (Grüne) der nächste Bundespräsident wird. Das deutlich gestiegene Interesse an Wahlkarten - für den zweiten Wahlgang wurden um 38 Prozent mehr Anträge gestellt als für den ersten (641.975) - lässt auch erwarten, dass die Wahlbeteiligung zumindest gleich hoch ausfällt; in der ersten Runde lag sie bei 68,50 Prozent.

38.931 Wahlkarten wurden an Auslandsösterreicher übermittelt, teilte das Innenministerium Freitagabend mit. Die meisten Wahlkarten wurden wie üblich in Wien verlangt - nämlich 222.283. Am stärksten gestiegen ist das Interesse an der Briefwahl allerdings im Westen des Landes - in Tirol gab es um mehr als 50 Prozent, in Vorarlberg um fast 50 Prozent mehr Anträge als für den ersten Wahlgang.

Mit dem großen Wahlkarten-Interesse für den zweiten Wahlgang hat die Bundespräsidentenwahl auch die Nationalratswahl überholt. 2013 wurde dafür 668.658 ausgestellt, beim ersten BP-Wahlgang blieb man mit 641.975 Stück noch knapp darunter.