Erstellt am 23. November 2015, 09:35

von APA/Red

Kraft in Klingenthal Sechster - Sieg an Norweger Tande. Der Salzburger Stefan Kraft hat am Sonntag beim Weltcup-Auftakt der Skispringer in Klingenthal als bester Österreicher Platz sechs belegt.

Die erste von 21 Weltcup-Stationen des Skisprung-Winters ist Geschichte. Mit Rang drei im Teambewerb und einem sechsten Rang durch Stefan Kraft im ersten Einzelbewerb der Saison im Gepäck reisten die ÖSV-Adler am Sonntag aus Klingenthal ab. Noch gilt es für Kraft und Co., den Feinschliff zu finden. Schon am Freitag und Samstag gibt es in Kuusamo die nächsten Bewerbe.

Mit einem 142,5-m-Flug holte sich Stefan Kraft noch den sechsten Platz und war letztlich nur 3,1 Punkte von Rang drei entfernt. Der 22-jährige Schwarzacher fliegt deshalb am Mittwoch "mit einem sehr guten" Gefühl nach Finnland. "Ich habe gesehen, wenn ich einfach drauflos springe, so wie ich es in Oberstdorf (im Training, Anm.) gemacht habe, kann ich ganz vorne mitmischen", analysierte Kraft. Er habe in der Vogtland-Arena fünf bis sechs Sprünge gebraucht, bis zum richtig guten Versuch. "Aber jetzt weiß ich wieder, wo ich ansetzen muss."

Starke Konkurrenz

Von den schon sehr starken Konkurrenten zeigte sich der Vierschanzen-Tourneesieger und österreichische "Aufsteiger des Jahres" beeindruckt. "Ja, schon ein bisserl. Die Norweger sind geschlossen sehr gut und die Deutschen haben richtig gut gearbeitet. Ich glaube schon, dass wir noch ein paar Pfeile im Köcher haben. Wir haben sicher wieder einiges gelernt", ist Kraft überzeugt.

Das Rezept liegt wohl auch in etwas mehr Risiko, und natürlich braucht man auch gute Bedingungen, gerade wenn es noch nicht perfekt läuft. "Jeder wollte es richtig machen. Und man hat gesehen, wenn du nicht frei bist und du nicht richtig Gas gibst, hast auch bei den schwierigen Verhältnissen null Chance", konstatierte Heinz Kuttin, der österreichische Cheftrainer, nach dem ersten Saison-Wochenende.

Analyse mit der Mannschaft

In den kommenden Tagen will er mit der Mannschaft das Geschehene gut analysieren. "Der Kopf muss frei sein", sagte Kuttin und ergänzte: "Wir haben uns hier letztes Jahr schwergetan, wir haben uns heuer ähnlich schwergetan. Nur sind wir deutlich besser gestartet." Nach Rang acht im Team 2014 wurde es diesmal immerhin Platz drei.

Klingenthal war vorerst ja zum letzten Mal Auftakt-Gastgeber im Weltcup. Nach drei Saisonen en suite macht kommendes Jahr Titisee-Neustadt den Anfang.

Was sich Kuttin nun für Kuusamo erwartet? "Ich erwarte mir, dass die Jungs richtig Gas geben. Dass die Emotion wieder kommt. Skispringen ist ein irrsinnig geiler Sport und das Gefühl habe ich nicht gehabt, dass sich da jeder wohlgefühlt hat, in Klingenthal. Ich glaube, dass jetzt der Sprung vom Stefan die ganze Mannschaft mitreißen wird."

Neues Reglement

Nachdenken will seine aktuelle Nummer eins auch noch über das neue Reglement. Denn man darf nach der Vermessung am Turm an der Ausrüstung nichts mehr verändern. Wenn man wegen Windböen aber länger warten muss, kann es doch unangenehm werden, schilderte Kraft. Die Keile bei der Bindung können aktuell noch zu leicht verrutschen. "Man muss sich noch so gut bewegen können, dass man trotzdem noch Kniebeugen machen oder sich ein bisserl ausschütteln kann, ohne dass etwas verrutscht."

Sein Zimmerkollege, immerhin zwei Ränge hinter Kraft Gesamt-Weltcup-Fünfter in der Vorsaison und Zweiter der Vierschanzen-Tournee, sucht noch nach ein paar Feinheiten auf dem Weg zur Form des Vorjahrs. "Ich merke, dass nicht viel fehlt. Ich muss den Schalter noch finden. Ich weiß ganz sicher, wenn ich einmal gespürt habe, wie es richtig funktioniert, dann wird es mir immer leichter fallen", glaubt Michael Hayböck, der sich auf Kuusamo freut.

"Eine ganz andere Schanze, da springe ich ganz gerne dort. Auf alle Fälle wird es mal richtig winterlich", meinte er lachend und ist überzeugt, dass er dort wieder einen Schritt vorwärts machen kann. Bis dahin will er an einem technischen Problem in der Hocke arbeiten. "Ich merke, dass mein Absprung irgendwo vorbei geht, aber nicht in den Sprung hinein. Das ist das, was fehlt", meint der 24-jährige Oberösterreicher.

Gregor Schlierenzauer fehlt Balance

Der wohl intensivste Grübler im Team ist, nicht nur aufgrund der aktuellen Situation, Gregor Schlierenzauer. "Mir fehlt einfach die Balance, dass ich weiß, was ich zu tun habe, und da ist es schwer, einen draufzusetzen", erklärte der 53-fache Weltcup-Sieger. "Man muss jetzt einfach jeden Sprung nützen, um sich hinzuarbeiten. Dann kann man die Sprünge wieder so durchziehen, dass es wieder funktioniert."

Das ÖSV-Team bleibt mit Kraft, Hayböck, Schlierenzauer, Manuel Poppinger, Manuel Fettner und Andreas Kofler für Kuusamo unverändert.