Erstellt am 29. Juli 2016, 12:14

von APA Red

Caritas: Europa tut zu wenig gegen Menschenhandel. Die Caritas Europa kritisiert mangelhaftes Engagement zahlreicher europäischer Länder im Kampf gegen den Menschenhandel. Jedes Jahr würden viele von jenen, die in Europa auf der Flucht vor Kriegen oder anderen Gefahren seien, im Netz skrupelloser Krimineller landen, warnte die katholische Hilfsorganisation am Donnerstag in Brüssel.

 |  APA (AFP)

Untersucht wurden für den Bericht die Länder Albanien, Armenien, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Frankreich, Kosovo, Libanon, Rumänien, Türkei und Ukraine. Im Fall von Albanien und im Libanon beispielsweise wurde bemängelt, dass die Mitarbeiter der für die Flüchtlingsaufnahme zuständigen Behörden nicht qualifiziert seien, Gefahrensituationen und gefährdete Menschen frühzeitig zu erkennen. Die Caritas in Albanien habe als Reaktion entsprechende Trainings für insgesamt 205 zuständigen Beamten angeboten, während sie im Libanon Schulungen besonders für die in der Aufnahme tätigen Polizisten organisierte, berichtete die Nachrichtenagentur Kathpress.

Kinderarbeit und Kinderheirat seien spezielle Probleme in der Türkei, heißt es in dem Bericht. Die Caritas kooperiere deshalb mit Schulen, in denen syrische Flüchtlingskinder aufgenommen werden, wobei die Lehrer darauf trainiert werden, gefährdete Schüler früh zu erkennen. In Armenien sei hingegen die Arbeitsausbeutung der Hauptgrund für Menschenhandel. Als Reaktion darauf habe das katholische Hilfswerk Mikrofinanz-Programme für Migranten und Flüchtlinge initiiert.

Teil des Berichts sind auch eine Reihe von Empfehlungen für die nationalen Regierungen, aber auch für die UNO und die EU. Vor allem geht es darum, dem Menschenhandel und der Ausbeutung von Kindern effektiv vorzubeugen und die Strafverfolgung zu verbessern. Konkrete Maßnahmen dazu seien mehr Opferschutz, bessere Identifizierung von Personen und ein Kampf gegen sexuelle Ausbeutung und Organhandel.

In Italien werden nach Darstellung der Hilfsorganisation "Save the children" Kinderflüchtlinge zu Prostitution und Drogenhandel gezwungen. Die steigende Anzahl der Kinderflüchtlinge verschärfe das Problem und erhöhe die Gefährdung massiv, heißt es laut Kathpress in einem am Freitag in Berlin veröffentlichten Bericht, der sich auf Augenzeugen beruft. Nach Angaben der Hilfsorganisation sind 2016 bereits mehr als 10.500 unbegleitete Kinderflüchtlinge in Italien angekommen. Das seien mehr als doppelt so viele wie im entsprechenden Zeitraum des vergangenen Jahres.

Nach Darstellung von "Save the Children" werden besonders Mädchen aus Nigeria oder Rumänien - oft erst 13 Jahre alt - durch die falschen Versprechungen nach Italien gelockt, als Babysitter, Kellnerin oder Friseurin arbeiten zu können. Die Menschenhändler bedienten sich dabei mitunter der Hilfe von Lehrern oder anderen Vertrauenspersonen. Die Mädchen und jungen Frauen würden dann zu Prostitution gezwungen und Opfer von körperlicher, sexueller und emotionaler Gewalt. Viele Buben würden zu Kinderarbeit und kriminellen Geschäften wie Drogenhandel und Diebstahl genötigt. Auch sie würden sexuell missbraucht.

An Menschenhandel-Opfer in Südostasien erinnerte die Gesellschaft für bedrohte Völker. 3.000 Rohingya-Flüchtlinge aus Burma sowie etliche Migranten aus Bangladesch würden seit ihrer spektakulären Rettung aus Seenot im Mai 2015 noch immer auf dauerhafte Aufnahme in einem Drittland warten. Hunderte von ihnen würden unter katastrophalen Bedingungen in Thailand und Malaysia in Internierungszentren festgehalten. Menschenhändler hatten die Rohingya mit falschen Versprechungen an Bord gelockt, um sie in Thailand als billige Arbeitskräfte anzubieten.