Erstellt am 14. Oktober 2015, 10:28

Lanka und Winter Anwärter auf "Brett vorm Kopf". Masernviren-, AIDS- und Ebola-Leugner Stefan Lanka, FPÖ-Umweltsprecherin Susanne Winter sowie der Wundermittel-Verkäufer Jim Humble gehen heuer ins Rennen um das "Goldene Brett vorm Kopf".

 |  NOEN, APA

 Mit dieser "Auszeichnung" macht die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) auf den "größten antiwissenschaftlichen Unfug des Jahres" aufmerksam.

Die drei Finalisten wurden aus Hunderten Online-Vorschlägen von einer Jury ausgewählt. Prominenteste Nominierte ist Winter: Sie verdiente sich ihre Preis-Anwartschaft mit der Bezeichnung des Klimawandels als "Lügengebäude" und "ideologische Pseudowissenschaft". Gerade weil sie dabei behaupte, sich auf "Vernunft" und "wissenschaftliche Untersuchungen" berufen zu können, müsse ihr heftig widersprochen werde, so die GWUP.

Außerdem zeige Winter auch "Sympathie für andere esoterische Behauptungen": Über Facebook verbreite sie "wissenschaftlich unhaltbare Theorien - von Raumenergie-Technologie, Perpetuum-Mobile-Geräten und angeblich mit Wasser betriebenen Autos bis hin zu außersinnlichem Kontakt mit multidimensionalen Wesen".

Gegen Winter geht der deutsche Biologe, Impfgegner und Autor ("Der Masern-Betrug", "Impfen und AIDS: Der Neue Holocaust") Stefan Lanka ins Rennen: Er leugne die Existenz von Infektionskrankheiten wie AIDS oder Ebola und bestreite, dass Viren Krankheiten auslösen. Außerdem stehe er der "Neuen Germanischen Medizin" nahe - einem esoterischen Gedankengebäude, in dem unter anderem auch die wissenschaftlich-medizinische Behandlung von Krebs abgelehnt wird, begründete die GWUP die Nominierung.

Bekannt wurde Lanka durch die Auslobung eines Preises von 100.000 Euro für den Beleg von Existenz und Größe von Masernviren mit wissenschaftlichen Methoden. Nach der Vorlage von wissenschaftlichen Publikationen durch einen Mediziner verweigerte Lanka die Zahlung und wurde schließlich von einem Gericht dazu verurteilt.

Letzter Kandidat ist der US-Amerikaner Jim Humble: Er verkauft online ein "Miracle Mineral Supplement", das gegen Autismus bei Kindern, AIDS, Krebs, Grippe, Herpes etc. wirken soll. Dieses sei allerdings weder wissenschaftlich getestet noch als Heilmittel medizinisch zugelassen. Außerdem enthielten seine Präparate chemische Verbindungen wie das auch zur Schwimmbaddesinfektion verwendete giftige und ätzende Natriumchlorit, so die GWUP. Nebenbei kann man sich von Humble, der auch als Bischof einer selbstgegründeten Kirche amtiert, zum "Reverend Doctor" ausbilden lassen.

Gekürt wird der Preisträger am 21. Oktober in der Wiener Urania. In den Vorjahren wurden etwa die Organisation "Homöopathen ohne Grenzen" für den Einsatz von Homöopathie in Krisengebieten oder der Sänger Xavier Naidoo für sein Engagement für die "Reichsbürgerbewegung""ausgezeichnet". Außerdem wird noch ein Lebenswerk-"Preis" verliehen.

Bei der Preisvergabe spielen unter anderem der "Grad der Abwegigkeit" der vertretenen Theorien, die Kritikresistenz der Personen bzw. Organisationen und deren kommerzielles Interesse eine Rolle. Außerdem wird bewertet, inwieweit para- oder pseudowissenschaftliche Theorien ausdrücklich als Wissenschaft ausgegeben und inwieweit Gesundheit oder das politisch-gesellschaftliche Gefüge gefährdet werden.