Erstellt am 07. Juli 2016, 16:19

von APA Red

ÖLV gingen bei EM Trümpfe aus. Absagen und Ausfälle haben Österreichs Leichtathletikteam bei der EM in Amsterdam dezimiert. Größte Hoffnungsträgerin ist nun Siebenkämpferin Ivona Dadic, die ab Freitag die Olympianorm von 6.200 Punkten angreift.

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Dazu müsste sie ihren im Mai in Götzis aufgestellten ÖLV-Rekord von 6.196 Punkten weiter verbessern. Nicht nur deshalb ist noch völlig unklar, wie die Rio-Mannschaft aussehen wird.

Mit Verena Preiner ist im Siebenkampf eine weitere ÖLV-Athletin in Amsterdam am Start, am Sonntag sind noch Brenton Rowe über 5.000 m, Andrea Mayr und Anita Baierl sowie Valentin Pfeil, Lemawork Ketema Weldearegaye und Edwin Kemboi im Halbmarathon im Einsatz, auch ihnen traut Gruber einiges zu.

Im Tagesrhythmus musste der ÖLV zuletzt Absagen für die EM hinnehmen. Am schmerzvollsten waren bereits vor der Nominierung der Startverzicht des starken Diskuswerfers Lukas Weißhaidinger wegen eines verstauchten Fußes sowie der Wettkampf-Abbruch von Zehnkämpfer Dominik Distelberger am Mittwoch nach vier Disziplinen wegen einer Blessur im Oberschenkel. Beide hätten Potenzial für Topresultate gehabt.

Weil Hürdensprinterin Beate Schrott (Oberschenkelverhärtung), Diskuswerfer Gerhard Mayer (geschwollenes Knie) und 5.000-m-Läuferin Jennifer Wenth (Adduktorenzerrung) ebenfalls absagten, werden von möglichen 19 - vorbehaltlich eines von nun an ungetrübten Ablaufes - nur 14 ÖLV-Athleten in Amsterdam in den Ergebnislisten aufscheinen.

"Bei keinem der Ausfälle ist es etwas Dramatisches. Für die Topathleten ist Rio der absolute Saisonhöhepunkt, dem wird alles untergeordnet. Und für den Höhepunkt wird kein Risiko eingegangen", meinte Gruber zur Absagenflut, die alle Athleten inhaltlich gleich begründeten; man wolle einen Rio-Start nicht gefährden.

"Ich will damit nicht sagen, dass die EM keine Bedeutung hätte, aber wenn irgendwo etwas nicht hundertprozentig läuft oder funktioniert, ist einfach die Notbremse zu ziehen und der Blick Richtung Rio zu richten", äußerte er Verständnis.

Mit wie vielen Athleten der ÖLV in Rio vertreten sein wird, erscheint derzeit völlig offen. Die Entscheidungsträger im Verband wollen sich unmittelbar nach der EM zusammensetzen und beraten, welche Athleten sie dem Österreichischen Olympischen Komitee zur Nominierung vorschlagen werden. Das ÖOC will das gesamte Rio-Aufgebot am 15. Juli verkünden.

Die Situation ist wie folgt: Mayr am 25. April (Marathon), sowie Distelberger und Weißhaidinger am 23. Juni wurden vom ÖOC in den bisherigen zwei Nominierungswellen bereits für die Sommerspiele bestätigt. Ein Trio hat die Norm des Leichtathletik-Verbandes noch aus dem Vorjahr stehen, die heuer vom ÖOC verlangte Leistungsbestätigung verfehlte Schrott aber um 4/100 Sekunden, Wenth um 1,24 Sekunden und Mayer um 1,57 m.

Eine IAAF-Norm im Qualifikationszeitraum und damit die Startberechtigung laut Weltverbandsvorgabe erreichten auch die Marathonläufer Kemboi, Weldearegaye, Pfeil, Karin Freitag, Baierl und Cornelia Köpper, jedoch hatte das ÖOC die Normen in diesen Fällen weit strenger angesetzt. 2:14 statt 2:19 Stunden bei den Männern, für das Empfinden im ÖLV etwas zu niedrig, und 2:34 statt 2:45 bei den Frauen.

Kemboi kam auf 2:14:05, 2:15:07 und 2:15:47, Weldearegaye auf 2:14:23 und 2:16:19 sowie Pfeil auf 2:16:37. Alle drei Athleten hatte der ÖLV bereits am 15. Mai dem ÖOC zur Nominierung vorgeschlagen, dem Antrag wurde - vorerst? - nicht entsprochen. Die Frauen sind kein Thema, sie lagen alle über 2:42.

Die zweite Qualifikationsschiene läuft über das Auffüllen der Starterfelder, so schrammte Dadic wie erwähnt an der IAAF-Norm von 6.200 nur um vier Punkte vorbei, Hürdensprinterin Stephanie Bendrat um 11/100 Sekunden, sie hatte am (heutigen) Donnerstagabend im Amsterdam-Halbfinale noch die Möglichkeit auf eine weitere Verbesserung.

Dadic hat gute Chancen, in den Kreis der 32 Rio-Teilnehmerinnen aufgenommen zu werden, über 100 m Hürden wird auf 40 aufgestockt, da sind mit der Zeit von 13,11 die Chancen gering.

"In diesen Fällen muss man auf eine Einladung der IAAF an die nationalen Verbände und das Nationale Olympische Komitee warten. Haben im Siebenkampf beispielsweise 28 die Norm erbracht, gibt es Einladungen an die vier nächstbesten Athletinnen", erläuterte Gruber. Es gelte also den E-Mail-Account nach dem 11. Juli genau zu verfolgen.