Erstellt am 28. September 2015, 13:13

von APA/Red

VW-Skandal: Vorstände suspendiert. Im Skandal um manipulierte Abgaswerte bei Volkswagen sind Konzernkreisen zufolge drei Vorstände beurlaubt worden.

Bei VW hängt der Haussegen massiv schief  |  NOEN, APA (epa)

Die Entwicklungschefs von Audi, VW Pkw und Porsche - Ulrich Hackenberg, Heinz-Jacob Neußer und Wolfgang Hatz - seien von ihren Aufgaben entbunden worden, hieß es. Unterdessen wurde bekannt, dass weltweit 2,1 Mio. Autos der Marke Audi von der Abgasaffäre betroffen sind.

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Winterkorn

Am vergangenen Mittwoch war Konzernchef Martin Winterkorn zurückgetreten. Er hatte damit die politische Verantwortung für den Skandal übernommen, der den Ruf des weltweit größten Autobauers ramponiert hat. Als seinen Nachfolger bestimmte der Aufsichtsrat den bisherigen Porsche-Chef Matthias Müller.

Er soll die Aufklärung vorantreiben und verlorenes Vertrauen für Volkswagen zurückgewinnen. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig leitete ein Ermittlungsverfahren gegen Winterkorn ein. Der Schwerpunkt der Ermittlungen liegt auf dem Vorwurf des Betrugs durch den Verkauf von Autos mit manipulierten Abgaswerten.

Einem Insider zufolge wehrt sich Hackenberg gegen seine Suspendierung. Der Manager war 2007 zusammen mit Winterkorn von Audi nach Wolfsburg gewechselt. Er gilt als Erfinder des Baukastensystems, das Volkswagen derzeit bei immer mehr Marken einführt. Später kehrte Hackenberg nach Ingolstadt zurück, um Audi mit neuen Elektroautos auf die Sprünge zu helfen. Weder Audi noch VW und Porsche wollten sich zu der Beurlaubung der drei Entwicklungschefs äußern.

2,1 Millionen Fahrzeuge der Marke Audi betroffen

Von der Abgasaffäre bei Volkswagen sind weltweit 2,1 Millionen Fahrzeuge der Marke Audi betroffen. Das sagte ein Audi-Sprecher am Montag. In der Region Westeuropa gehe es um 1,42 Millionen Autos, in Deutschland um 577.000.

In Österreich sind 62.000 Audi-Fahrzeuge vom Skandal erfasst. Rund 10.000 Autos betreffen den 1,6-Liter-Motor der Typbezeichnung EA189, 52.000 Audis die größere 2-Liter-Variante, sagte ein Audi-Sprecher am Montag auf APA-Anfrage. In den USA betrifft die Manipulation der Abgastechnik rund 13.000 Audi-Wagen.

Volkswagen hatte zugegeben, Abgaswerte in den USA mit einer verbotenen Software manipuliert zu haben. Weltweit sollen bis zu elf Millionen Fahrzeuge mit dieser Software ausgestattet sein. Die VW-Aktie hatte daraufhin massiv an Wert verloren. Zeitweise büßte der Wolfsburger Konzern fast ein Viertel seines Börsenwerts ein. Auch am Montag setzte sich der Kursverlust fort.

Zahlreiche Schadensersatzklagen drohen

Volkswagen drohen zahlreiche Schadensersatzklagen. In den USA sei eine erste Klage von Aktionären anhängig, berichtete das "Handelsblatt". Ein Pensionsfonds aus Michigan habe diese wohl erste Aktionärsklage auf den Weg gebracht. ADR-Investoren hätten durch die Abgas-Affäre Hunderte Millionen Dollar verloren, so der Klagevorwurf.

Seit Bekanntwerden des Skandals vor eineinhalb Wochen hätten die ADR, ähnlich wie die Aktie, fast ein Drittel an Wert verloren. Der Fonds wolle auch andere Aktionäre vertreten und suche nach Unterstützern, berichtete die Zeitung.

VW drohen in den USA zudem milliardenschwere Strafzahlungen. Außerdem gibt es bereits zahlreiche Schadensersatzklagen. Die Anwälte argumentieren damit, dass VW die Kunden getäuscht habe. Diese hätten mehr gezahlt, um vermeintlich umweltfreundliche Autos zu fahren.

Der VW-Dieselskandal beschäftigt auch den EU-Wettbewerbsrat Donnerstag und Freitag dieser Woche in Luxemburg. In EU-Ratskreisen in Brüssel hieß es am Montag, Entscheidungen gebe es aber keine. Die Debatte über die in aller Munde befindlichen "realen Abgaswerte" sei schwierig und komplex. Die luxemburgische EU-Ratspräsidentschaft werde nichts vorwegnehmen, weder in die eine noch in die andere Richtung.