Erstellt am 17. August 2016, 05:00

von APA Red

Grenzmanagement und Scanmobil nach A4-Flüchtlingsdrama. Das Flüchtlingsdrama mit 71 Toten auf der Ostautobahn (A4) am 27. August 2015 hat für die burgenländische Polizei Änderungen im Dienst zur Folge gehabt.

Nach dem Flüchtlingsdrama wurden mehrere Männer verhaftet  |  NOEN, APA (Oczeret)

Im April wurde mit dem Grenzmanagement eine Hauptmaßnahme als Folge des Dramas umgesetzt. Seit etwa sechs Wochen wird außerdem ein spezielles Kontrollfahrzeug, ein sogenanntes Scanmobil, in Nickelsdorf (Bezirk Neusiedl am See) eingesetzt.

"Das war glaube ich für alle ein Schockerlebnis"

Noch heute, ein Jahr nach dem Fund der 71 toten Flüchtlinge in dem Kühl-Laster, beschäftigt die Exekutive das Geschehene. Um einen 27. August 2015 nicht noch einmal zu erleben, hat man mehrere Maßnahmen ergriffen.

"Ab diesem Tag wurden besonders im Bereich Neusiedl am See Verkehrsschwerpunkte durchgeführt. Das war die erste Auswirkung, die wir hatten", erinnerte sich Polizeisprecherin Daniela Landauer im Gespräch mit der APA. Wenige Tage später begann der große Flüchtlingszustrom, der abermals Änderungen mit sich brachte.

"Man hat zwar gewusst, dass Schleppungen durchgeführt werden, sonst hätten wir ja nicht kontrolliert, und man hat gewusst, dass Schlepper skrupellos sind und damit Geld verdienen. Aber auf so eine Art und Weise und mit dieser hohen Anzahl von toten Flüchtlingen - das war glaube ich für alle ein Schockerlebnis", sagte Landauer.

Massive Kontrollen wirken auch jetzt noch nach

Im heurigen Jahr folgte am 25. April, nachdem sich die Polizei die Flüchtlingsaufgriffe der ersten Monate im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres angesehen und verglichen hatte, eine der Hauptmaßnahmen - die Grenzkontrollen. Im Vergleich haben sich die Zahlen "ziemlich linear bewegt", schilderte Werner Fasching, stv. Polizeidirektor. "Das war für uns der Anlass, um zu sagen: Voriges Jahr haben wir das in dem Bereich noch nicht erkannt, was auf uns zukommt. Heuer geht das nicht mehr. Wir wissen, was voriges Jahr passiert ist. Wir müssen darauf reagieren - und zwar rechtzeitig reagieren - um eben zu verhindern, dass man Tote aus Fahrzeugen rausholen muss."

Was folgte, waren das Grenzmanagement mit den damit verbundenen Grenzkontrollen und der Assistenzeinsatz des Bundesheeres. Diese massiven Kontrollen wirken auch jetzt noch nach, sagte Fasching. Aus anderen Bundesländern habe man 170 Leute zugeteilt bekommen und auch das eigene Personal werde ganz massiv bei den Kontrollen und der Grenzüberwachung eingesetzt.

Zusätzlich zu den Grenzkontrollen der Intensivstufe 2, der sogenannten Sichtkontrolle, wird seit etwa sechs Wochen das Scanmobil in Nickelsdorf eingesetzt. Dabei handelt es sich laut Exekutive um ein spezielles Kontrollfahrzeug, das von besonders geschulten Bediensteten des Finanzministeriums bei der Einreisekontrolle für Lkw eingesetzt wird. Das Scanmobil ist regelmäßig, allerdings nicht ständig im Einsatz.

Konkret handelt es sich dabei um einen Lkw mit einem kompakten Aufbau, aus dem eine Art Röntgenarm ragt. Ein zu kontrollierender Laster kann im Schritttempo darunter durchfahren und den Bediensteten ist es so möglich, zu sehen, ob sich eventuell Personen in dem Fahrzeug befinden. Die Strahlung sei minimal - vor allem "schädigt man mit diesen Strahlen niemandem, sondern hilft ihm in Wirklichkeit, wenn da wirklich jemand drin ist", meinte der stv. Polizeichef gegenüber der APA.

Das Scanmobil habe eine "sehr hohe präventive Maßnahme" und sei vor allem ideal, da man Konturen gut sehe. Eingesetzt wurde das Fahrzeug seinerzeit von der Zollwache, um Beladungen festzustellen, erläuterte Polizeisprecher Helmut Greiner.

Nun soll es dazu dienen, Menschen zu erkennen und zu retten. Denn bei den "normalen" Kontrollen sei dies nicht möglich. "Wenn ich einen Lkw aufmache, ist der Aufwand zu groß. Wenn da eine Palette über der anderen steht, ist nicht zu erkennen, ob dahinter oder dazwischen Personen sind. Auch Hohlräume, die vielleicht extra dafür gemacht wurden, sind nicht zu erkennen", erklärte Fasching. Ein weiteres Problem, das sich darstellen könne, sei die Unterbrechung der Kühlkette bei Kühltransportern. Das Scanmobil sei daher ideal, um auch verplombte - also mit Zollverschlüssen versehene Lkw - einfach und problemlos zu kontrollieren. Außerdem erspare man sich einen großen administrativen Aufwand.