Erstellt am 22. März 2016, 08:54

von APA/Red

Explosionen am Flughafen Brüssel. Am Brüsseler Flughafen Zaventem ist es Dienstag früh zu zwei Explosionen gekommen. Sie haben sich gegen 8.00 Uhr früh in der Abflughalle ereignet, wie der Flughafen der Nachrichtenagentur Belga bestätigte.

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Mindestens 34 Menschen kamen ums Leben, davon 14 am Airport und 20 an der Metrostation Maelbeek mitten im EU-Viertel. Fast 200 Personen wurden verletzt. Allein in der U-Bahn seien 106 Menschen verletzt worden, sagte Brüssels Bürgermeister Yvan Mayeur.

Der belgische Premierminister Charles Michel sprach von "blinden, gewalttätigen und feigen Anschlägen". Ob es sich bei den Terroristen um Unterstützer des erst am Freitag festgenommenen Hauptverdächtigen der Pariser Anschläge vom November 2015, Salah Abdeslam, handelte, war zunächst unklar.

Michel sagte, die Sicherheitskräfte wappneten sich gegen weitere Bluttaten. Auch in vielen anderen europäischen Städten ging die Terrorangst um: Schwer bewaffnete Sicherheitskräfte patrouillierten an Flughäfen und an anderen Verkehrsknotenpunkten.

Selbstmordattentäter am Flughafen

Am Brüsseler Flughafen habe sich wahrscheinlich ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt, sagte Staatsanwalt Frederic Van Leeuw. Die Terrorwarnung in Belgien wurde auf die höchste Stufe angehoben.

Nach Angaben von Augenzeugen ereigneten sich Dienstagfrüh gegen 8.00 Uhr zunächst am Flughafen kurz nacheinander zwei Explosionen. Zeugen wollen zuvor Schüsse und Rufe in arabischer Sprache gehört haben. Neben dem toten Attentäter fand die Polizei nach einem Bericht des Senders VRT ein Kalaschnikow-Sturmgewehr.

Gegen 9.00 Uhr kam es an der Metrostation Maelbeek mitten im EU-Viertel von Brüssel zu einer Detonation. Die Explosion wurde in einer gerade eingefahrenen U-Bahn ausgelöst. Bilder vom Tatort zeigten einen völlig zerstörten Metro-Wagen. Nur wenige hundert Meter entfernt liegen die Gebäude der EU-Kommission und des EU-Rates. Beide Institutionen wiesen ihre Mitarbeiter an, zu Hause zu bleiben oder EU-Gebäude nicht zu verlassen. Der gesamte öffentliche Nahverkehr in der belgischen Hauptstadt wurde eingestellt, ebenso der Zugverkehr von und nach Brüssel. Der Flughafen soll bis mindestens Mittwochmorgen geschlossen bleiben.

Schutz der AKW verstärkt

Auch der Schutz der belgischen Atomkraftwerke wurde verstärkt. Polizei sei vor Ort, ebenso Militär, hieß es vom Betreiber Engie.

Der mutmaßliche Topterrorist Abdeslam war bei einem Polizei-Großeinsatz in der als Islamistenhochburg bekannten Brüsseler Gemeinde Molenbeek festgenommen worden. Bei den Anschlägen am 13. November 2015 in Paris gab es 130 Todesopfer.

Seit Abdeslams Festnahme suchte Belgien noch mutmaßliche Komplizen. In belgischen Medien wird nun über die möglichen Täter und Drahtzieher der Anschläge vom Dienstag spekuliert. Immer wieder taucht vor allem der Name Najim Laachraoui auf. Er war erst vor kurzem identifiziert und zur Fahndung ausgeschrieben worden.

Nach den Anschlägen gab es am Dienstag in Brüssel erneut mehrere Razzien. Ermittler seien auf der Suche nach Verdächtigen, die mit den Attentaten zu tun haben könnten, berichtete der Sender RTBF mit Hinweis auf Justizquellen. "Wir fürchten, dass Personen noch auf freiem Fuß sind", sagte Außenminister Didier Reynders. Das belgische Krisenzentrum rief die Bürger wegen der Anschlagsgefahr auf, in ihren Häusern oder an ihren Arbeitsstellen zu bleiben.