Erstellt am 07. Juli 2016, 07:40

von APA Red

Innenminister Sobotka macht Druck. Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) macht Druck, was die Reform der Mindestsicherung angeht. Im Interview mit der APA fordert der Chef des mächtigen niederösterreichischen ÖAAB eine jahrelange Wartezeit auf die Leistung, einen Deckel sowie eine Regelung, die zur Annahme gemeinnütziger Leistungen verpflichtet.

 |  APA (Archiv)

Wohl auch als Abschreckung für Flüchtlinge gedacht ist Sobotkas Forderung, eine Anwartschaft für die Leistung einzuziehen. Ihm schweben etwa fünf Jahre ordentlicher Wohnsitz vor, ehe es einen Bezug der Leistung geben könnte. Schließlich will er sich am deutschen Hartz-IV-System orientieren und eine Verpflichtung einführen, gemeinnützige Arbeit im Ausmaß von 20 Stunden anzunehmen, sofern diese vorhanden und der Person zumutbar ist.

Als Stundenlohn sind in Deutschland 1,50 Euro vorgesehen. Zumindest hier zeigt Sobotka Beweglichkeit: "Man kann diskutieren, ob das ein bisschen mehr sein kann." Der Innenminister sähe in der Verpflichtung eine wichtige Maßnahme zur Stärkung der Arbeitsfähigkeit bis zur gewünschten Rückkehr in den Arbeitsmarkt.

Auch bei Asylwerbern steht Sobotka dazu, diesen den Zugang zum zweiten Arbeitsmarkt offen zu halten. Die entsprechenden Tätigkeitsfelder sollen ja bis zum Herbst definiert sein. Eine generelle Öffnung des Arbeitsmarkts für Asylsuchende ist für ihn dagegen nicht denkbar, da diese als Einladung nach Österreich interpretiert würde.

Ganz im Gegenteil drängt der Innenminister einmal mehr darauf, die Notverordnung umzusetzen, die Österreich eine leichtere Zurückweisung von Flüchtlingen ermöglichen würde. Sobotka hofft, dass die SPÖ hier nicht auf Zeit setzt, sondern dass der Sozialminister die notwendigen Zahlen demnächst wie von Kanzleramtsminister Thomas Drozda (SPÖ) zugesagt liefert.

Wenn Ressortchef Alois Stöger (SPÖ) jedenfalls trotz der derzeitigen Arbeitslosen-Zahlen keine Probleme am Arbeitsmarkt sehe, frage er sich, ob der Sozialminister auch einmal raus zu den Menschen gehe. Zudem dürfe man nicht Kriminalität importieren: "Bei Suchtmittel-Delikten werden 99 Prozent durch Nicht-Österreicher begangen."

Für die Notverordnung wichtig wäre, dass die Flüchtlinge z.B. von Ungarn auch zurückgenommen würden. Hier bemängelt Sobotka den Status quo und schließt daher auch nicht die Errichtung von Grenzzäunen zum Nachbarland aus: "Wenn hier mit Ungarn keine substanziellen Schritte erreicht werden, ist es notwendig."

In ein rechtes Eck will sich der Minister wegen seiner Politik nicht drängen lassen: "Wir können schon aufnehmen Jahr für Jahr, aber nicht in diesen Mengen und nicht nur in den Ballungsräumen." Aber nur weil es keine europäische Lösung gebe und man daher vorerst auf nationale Lösungen setzen müsse, lasse er die ÖVP nicht in ein Eck stellen.

Im Gegensatz zu Überlegungen seiner Vorgängerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) und von Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SPÖ) plant Sobotka derzeit keine Reise nach Marokko, um angesichts der stockenden Verhandlungen der EU für Österreich direkt ein Rücknahme-Abkommen mit dem Maghreb-Land auszuhandeln. Derzeit versuche er bilateral mit Botschaftern aus der Region, etwa Algeriens, zu erreichen, dass diese Staaten zumindest jene Flüchtlinge zurücknehmen, die deren Staatsbürger sind.

Insgesamt unterstützt der Minister auf Perspektive die Pläne der EU-Kommission, wie die Flüchtlingskrise gelöst werden könnte, etwa über verstärkte Wirtschaftsförderung in den Herkunftsregionen, um die Fluchtgründe drastisch zu reduzieren. Aufgenommen wird von Sobotka dabei auch eine Idee, Menschen, die eigentlich abgeschoben werden könnten, in Österreich etwa in Sachen Energie-Effizienz auszubilden und sie erst dann in ihre Heimat zurückzuschicken, wo sie mit ihrem Know-how einen wichtigen Beitrag zum Aufbau der Herkunftsstaaten leisten könnten.

Was Sobotkas persönliche Zukunft angeht, legt sich der 60-Jährige, der über Jahre die niederösterreichische Landespolitik mit geprägt hat und auch lange als Landeshauptmann gehandelt wurde, nicht fest, ob das Innenministerium seine letzte politische Station ist: "Schauen wir mal, was kommt."