Erstellt am 15. Dezember 2015, 21:25

von NÖN Redaktion

Mit handwerklichem Geschick zum Bundessieg. Innenministerin Johanna Mikl-Leitner ehrte am 15. Dezember 2015 in Wien die Zivildiener des Jahres. Neben dem Bundessieger Julian Penz aus Oberösterreich wurden die Landessieger für ihr Engagement während ihres Zivildienstes ausgezeichnet.

 |  NOEN, Alexander TUMA
Einige Pinselstriche und ein bisschen Farbe – so wird die braune Sitzgruppe farbenfroh umgestaltet. Aus einem alten Tisch wird eine "Indoor-Sandkiste". Der Oberösterreicher Julian Penz verbrachte seinen Zivildienst im Kindergarten und Hort Wels. Im Garten baute er aus Holz-Palletten eine Wasserbaustelle und einen Kaufmannsladen. Mit seinen Ideen gewann er schnell das Herz der Kinder und des Betreuungsteams. In alle seine Projekte bezog er die Kinder mit ein und zeigte ihnen, wie man mit Werkzeugen umgeht. So konnten sie technische Abläufe lernen, die Feinmotorik und Tiefenwahrnehmung schulen und wichtige Erfahrungen sammeln.

Julian lebte den Kindern auch den respektvollen Umgang mit der Natur vor. Bei der Aktion "Rettet die Bäume" setzte er gemeinsam mit den Kindern aussortierte Obstbäume im Garten des Horts ein. Gemeinsam mit einer Hortpädagogin rief der Oberösterreicher den "Science-Day" ins Leben. Dabei führte er als "Professor Penz" im weißen Labormantel mit den Schülern wissenschaftliche Experimente durch. Er regte die Kinder zum Experimentieren und Forschen an und begeisterte sie für die Naturwissenschaften. Mit seiner Fotoausrüstung setzte der Hobbyfotograf die Kinder gekonnt in Szene.

Zusammenarbeit für die Gesellschaft wichtig 

Innenministerin Mag.a Johanna Mikl-Leitner zeichnete Julian Penz am 15. Dezember 2015 zum "Zivildiener des Jahres" aus. Neben Bundessieger Penz, der auch Landessieger von Oberösterreicher ist, wurden neun weitere Landessieger sowie ein Sonderpreisträger geehrt. "Die Zivildiener des Jahres wurden ausgewählt, weil sie mit Menschlichkeit und Einsatz maßgeblich zum Miteinander in der Gesellschaft beigetragen haben", sagte die Innenministerin bei der Überreichung des "Zivildiener-Awards".

"Die aktuelle Flüchtlingssituation hat gezeigt, wie wichtig die Zusammenarbeit für die Gesellschaft ist. Ohne die Zusammenarbeit der öffentlichen Bediensteten, der engagierten Zivilgesellschaft und zahlreichen Hilfsorganisationen wäre die Flüchtlingshilfe in diesem Ausmaß keinesfalls möglich. Auch rund 500 Zivildiener sind derzeit im Bereich der Flüchtlingsbetreuung tätig." Das Bundesministerium für Inneres stellt 2016 ein Sonderbudget für 2.000 zusätzliche Zivildiener in der Flüchtlingsbetreuung zur Verfügung.

Die Landessieger

Burgenland: Michael Schantl verrichtete seinen Zivildienst im SOS-Kinderdorf Pinkafeld, wo er Kinder mit schweren Schicksalen und Traumata betreut und ganz besonders in schwierigen Situationen unterstützte. Er begeisterte die Kinder mit Beachvolleyballspielen, Radtouren, Zelten und weiteren gemeinsamen Ferienunternehmungen. Michael spornte die Kinder zu Höchstleistungen an und vermittelte ihnen Selbstvertrauen.

Niederösterreich: Martin Gruber war im Landespflegeheim Scheiblingkirchen in der psychosozialen Betreuung tätig. Ihm gelang es, psychisch kranke Menschen für Projekte zu motivieren. Er baute mit den Klienten ein Schildkröten-Freigehege und ein Insektenhotel auf der Station. Ein anderes Projekt war das "Zugtraining". Es ermöglicht, dass Klienten selbstständig mit dem Zug unterwegs sein können.

Kärnten: Für das Bundesland Kärnten gibt es zwei Sieger. Moritz Klampferer und Bernd Somitsch absolvierten ihren Zivildienst gemeinsam in der Beschäftigungswerkstätte Spittal an der Drau, die von der Lebenshilfe Kärnten betrieben wird. Dort initiierten die jungen Männer mehrere Projekte, darunter regelmäßige Trommeleinheiten, bei denen jeder dabei sein konnte – unabhängig von den motorischen Fähigkeiten. Die Trommeleinheiten sind nach wie vor wöchentliche Fixpunkte.
 
Salzburg: Jakob Langthaler verrichtete seinen Zivildienst beim Bahnhofssozialdienst der Caritas Salzburg, wo er Klientinnen und Klienten bei der Haushaltsführung, bei Wohnungsbesichtigungen, beim Bezug einer neuen Wohnung und bei Amtswegen unterstützt hat. Er engagierte sich überall dort, wo es gerade notwendig war, zum Beispiel beim Projekt "Ohne Alkohol Leben" und in den Notschlafstellen für Armutsmigranten.

Steiermark: Dominik Vukadin war während seines Zivildienstes beim Verein "Mosaik" in Graz tätig, wo Menschen mit Beeinträchtigungen bei der Teilnahme am gesellschaftlichen Leben unterstützt werden. Mit seiner Offenheit, Freundlichkeit und Selbstständigkeit wurde er rasch zu einer großen Bereicherung für alle. Dominik war maßgeblich an der Organisation des "Winterspaßprojekts" beteiligt. Zehn Klientinnen und Klienten, die sonst in der Weihnachtszeit alleine gewesen wären, verbrachten mit Dominik und den Betreuern einige Tage in einer Herberge – mit Basteln, Schlittenfahren, Kochen und Spielen.

Tirol: Simon Flatscher absolvierte seinen Zivildienst in der Werkstätte Wörgl, die von der Lebenshilfe Tirol betrieben wird. Er konnte psychisch-kranke Klientinnen und Klienten motivieren, körperlich aktiv zu werden, beim Sport mitzumachen und bewusster auf ihre Ernährung zu achten. Im Mai 2015 rettete er auf dem Weg zur Zivildiensteinrichtung einem Mann mit Herz-Kreislaufstillstand durch Erste-Hilfe-Maßnahmen das Leben.

Voralberg: Clemens Fink war in der Werkstätte Kleinwalsertal eingesetzt, die von der Lebenshilfe Vorarlberg betrieben wird. Hier arbeiten Menschen mit Beeinträchtigungen, denen der Zivildiener stets mit Respekt und Wertschätzung begegnete. Clemens konnte die Beschäftigten zum täglichen Training motivieren. Zum Beispiel unterstützte er einen Klienten beim Sprachtraining und machte mit ihm die Bewegungseinheiten.

Wien: Benjamin Spindelberger leistete seinen Zivildienst im Flüchtlingsdienst der Diakonie Österreich. Er unterstützte das Team im Grundversorgungsquartier. Er begleitete Flüchtlinge zu Terminen und beriet sie bei Problemen. Er organisierte einen Anfänger-Deutschkurs, stellte die Unterlagen zusammen und bereitete für jede Stunde ein Thema vor. Durch Benjamin Spindelberger hatten bis zu zehn Flüchtlinge die Möglichkeit, die Grundlagen der deutschen Sprache zu lernen.

Sonderpreis: Maximilian Handl leistete seinen Zivildienst im Bundesministerium für Inneres, wo er unter anderem die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krisenstabs "Akute Migrationslage" bei der Erfassung von Quartieren für Flüchtlinge unterstützte.