Erstellt am 13. Januar 2016, 13:14

Mögliche Baby-Verwechslung vor 25 Jahren. Am LKH Graz sind vor 25 Jahren möglicherweise zwei Babys verwechselt worden. Eine junge Frau erkannte im Zuge einer Blutspende, dass ihre Mutter aufgrund der Blutgruppe nicht die leibliche Mutter sein kann.

 |  NOEN, APA (Archiv/Symbolbild)

Die Staatsanwaltschaft Graz war seit April 2015 mit dem Fall befasst, hat das Verfahren aber "aus Beweiserwägung" eingestellt. Verunsicherten Frauen wird nun ein kostenloser DNA-Test angeboten.

"Wir sind seit einigen Monaten gemeinsam mit der betroffenen Familie bemüht, den Verdachtsfall aufzuklären", bestätigte Gebhard Falzberger, Betriebsdirektor des LKH-Universitätsklinikums Graz gegenüber der APA. Die erst jetzt bekannt gewordene Vertauschung von zwei weiblichen Neugeborenen hat sich bereits zwischen Oktober und November 1990 ereignet.

Laut Staatsanwaltschaft Graz wurde wegen Kindesentziehung und Unterschiebung eines Kindes ermittelt, doch der Fall ist eindeutig verjährt. Außerdem müsste ein Vorsatz vorliegen, um strafrechtliche Konsequenzen ziehen zu können, erklärte Sprecher Hansjörg Bacher.

Das zum Tatzeitpunkt minderjährige Opfer hatte nach alter Rechtsprechung ab dem 16. Lebensjahr fünf Jahre Zeit für eine Anzeige. Mittlerweile wurde das Gesetz novelliert. Nun beginne die Frist erst mit dem 28. Lebensjahr zu laufen. Das ändere aber nichts mehr im aktuellen Fall, so die Anklagenbehörde.

Selbst wenn durch DNA-Untersuchungen nun die andere verwechselte Frau gefunden wird, werde der Akt mit Sicherheit nicht neu aufgerollt: "Wir sind strafrechtlich fertig", so Bacher. Den Opfern stehe aber noch der zivilrechtliche Weg offen. Da die Verwechslung als "keine verfolgbare Straftat mehr" gilt, können DNA-Untersuchungen nicht angeordnet werden. Die Tests müssen auf freiwilliger Basis passieren.

Eine der beiden heute jungen Frauen habe im Frühjahr 2014 zufällig im Rahmen einer privaten Blutspende erfahren, dass es Abweichungen zwischen ihrer tatsächlichen und jener in den ursprünglichen Mutter-Kind-Pass eingetragenen Blutgruppe gibt. Ein zusätzlicher DNA-Test habe dann bestätigt, dass es zu einer Verwechslung gekommen sein musste.

Vonseiten der betroffenen Familie werde vermutet, dass die Vertauschung an der Klinik stattgefunden hat. Aus der Sicht von Falzberger sei das nicht bewiesen. "Sollte die Verwechslung tatsächlich bei uns passiert sein, möchte ich mich bei allen Betroffenen im Namen der Klinik entschuldigen", so Falzberger.

Laut dem Betriebsdirektor habe man den Fall im April 2015 der Staatsanwaltschaft Graz gemeldet, "da für die Kindesverwechslung mehrere Fehlerquellen auch außerhalb der Klinik infrage kommen". Die Behörde habe das Ermittlungsverfahren jedoch im Dezember 2015 "aus Beweisgründen" eingestellt, schilderte Falzberger im Gespräch mit der APA.

"Tatsache ist, dass das Kind bei uns zur Welt gekommen ist", so Falzberger. Die bisherigen umfangreichen Recherchen durch mehrere Experten hätten auch noch kein Ergebnis gebracht, das die wahren Verwandtschaftsverhältnisse aufgeklärt hätte.

Im LKH gibt es ab sofort für alle Frauen, die am Uniklinikum Graz im Zeitraum zwischen 15. Oktober und 20. November 1990 geboren sind (wie auch ihre Mütter), die Möglichkeit, kostenlose DNA-Tests durchführen zu lassen. Laut Anstaltsleitung wurden in dieser Zeit rund 200 Mädchen geboren. "Die Entscheidung für den Test muss jede Person für sich alleine treffen. Wir können niemanden zwingen", betonte Falzberger.

Der Vorstand der Uniklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Uwe Lang, betonte, dass die Wahrscheinlichkeit einer neuerlichen Kindesvertauschung an seiner Klinik in der Zwischenzeit sehr gering geworden sei. Durch ein zusätzliches, zweites Identifikationsband beim Baby würde es eine höhere Sicherheit geben.

Lang betonte gegenüber der APA, dass bei den bisherigen Recherchen und Untersuchungen zu einer möglichen Verwechslung von Babys "nirgendwo ein Hinweis auf ein Fehlverhalten der Mitarbeiter" gefunden worden sei. In den 1990er-Jahren seien Babys und Mütter mit je einem Identifikationsarmband versehen worden. Laut den vorhandenen Aufzeichnungen wurde "mit großer Sorgfalt" gearbeitet.

"Schon seit Jahren", sagte Lang, würde es an seiner Klinik nunmehr das System der doppelten Identifikation geben. Dabei bekommt das Baby zwei Identifikationsbänder: Falls eines herunterrutscht und verloren geht, dient das zweite als Sicherheit. Die Daten auf den beiden Bändern müssen mit den Daten eines weiteren Armbandes der Mutter übereinstimmen. Diese Bänder werden mehrmals am Tag kontrolliert und der Vorgang anschließend in der Pflegedokumentation vermerkt, schilderte der Klinik-Chef.

Weiters würden Gebärende heute ihre Kinder in abgetrennten "Geburtsräumen" zur Welt bringen und durch "Rooming-in" (Eltern bleiben im selben Zimmer mit dem Kind, Anm.) auch weitestgehend im Beisein der Eltern versorgt. In den vergangenen 25 Jahren gab es laut Lang - abgesehen vom aktuellen Fall - keine Hinweise für eine Verwechslung von Kindern am LKH Graz.