Erstellt am 14. November 2015, 13:53

Nach Anschlägen: Wackelt Fußball-EM in Frankreich?. Nach den Terroranschlägen von Paris ist jede Vorfreude auf die Europameisterschaft in sieben Monaten in Frankreich dahin.

 |  NOEN, ROBERT JAEGER (APA)

Anzeichen von Zweifeln an einem derzeit nicht vorstellbaren friedlichen Fußball-Fest gab es von den Organisatoren der UEFA am Samstag aber trotz der gezielten Attacken mit Toten im unmittelbaren Umfeld des wichtigsten Turnierstadions in Saint-Denis (noch) nicht.

Dem EM-Gastgeber wurde vom Kontinentalverband jede Hilfe zugesagt. "Die UEFA ist tief geschockt und traurig über die tragischen Ereignisse und möchte Frankreich und denjenigen, die von diesen schrecklichen Akten betroffen sind, ihre Unterstützung und Solidarität ausdrücken", teilte der Verband am Samstagvormittag in einer schriftlichen Stellungnahme mit. Für alle anstehenden Länderspiele - darunter auch jenes der EM-Teilnehmer Österreich und Schweiz am Dienstag in Wien - wurde eine Schweigeminute und Trauerflor für alle Spieler angeordnet.

"Terroristen können jederzeit zuschlagen"

Für die französischen EM-Macher und die UEFA ist die Anschlagsserie vom Freitagabend an der Seine mit deutlich mehr als 100 Toten nur vier Wochen vor dem Groß-Event der EM-Gruppenauslosung ein wahr gewordener Alptraum. "Es wurden viele Vorsichtsmaßnahmen getroffen, aber wir müssen sehen, dass Terroristen jederzeit zuschlagen können. Wir hatten Sorge wegen der EM, jetzt ist die Sorge noch größer", sagte der Präsident des französischen Verbandes, Noel Le Graet, laut Medienberichten mit Blick auf das Turnier vom 10. Juni bis 10. Juli 2016 in neun französischen Städten von Lille bis Toulouse.

Bereits vor einigen Wochen hatte der Chef des Organisationskomitees, Jacques Lambert, betont: "Von Beginn an wussten wir, dass die Sicherheitsfrage der Schlüssel für ein erfolgreiches Turnier sein wird." Angesichts der Anschläge auf die Redaktion des Satiremagazins "Charlie Hebdo" im Jänner dieses Jahres hatte Lambert angemerkt, Terrorismus sei kein theoretisches Risiko mehr, sondern ein mögliches. Das wurde nun auf fürchterliche Weise belegt.

Terrorismus hat auch Fußball erreicht

Schon in ihrer EM-Bewerbung hatten die Franzosen die Sicherheitslage als eines von zwölf Risiken benannt. Nun ist tatsächlich das Stade de France als Eröffnungs- und Endspielarena zum Ziel einer Attacke geworden. Näher kam der Terrorismus dem Fußball bisher nicht.

Die Sorgen für die UEFA, die durch die Korruptionsaffären im Weltfußball ohne ihren derzeit suspendierten Präsidenten Michel Platini dasteht, sind nun ganz konkret. In genau vier Wochen, am 12. Dezember, ist im riesigen Le Palais de Congres de Paris an der Porte de Maillot im Westen der Stadt die feierliche Auslosung der EM-Gruppen terminiert. Die Fußball-Prominenz des ganzen Kontinents wird erwartet. Überlegungen, die Veranstaltungen abzusagen, gibt es kurz nach den Schock-Ereignissen in Paris offenbar nicht.

Sicherheitsmeeting für ÖFB-Duell mit Schweiz

Nach der Serie von Terroranschlägen in Paris wird es vor dem für Dienstag (20.45 Uhr) angesetzten Länderspiel der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft gegen die Schweiz am Sonntag in Wien ein Sicherheitsmeeting geben. "Dabei wird man sehen, ob es noch Adaptierungsbedarf gibt", erklärte ein ÖFB-Sprecher am Samstag im Trainingslager des Nationalteams in Orihuela in Spanien.

Für das letzte Länderspiel des Jahres im Ernst-Happel-Stadion waren bis Samstagmittag 25.000 Karten verkauft. Bei dem Meeting werden Vertreter des Innenministeriums (BMI), der Wiener Polizei, des privaten Sicherheitsdienstes sowie des Schweizerischen Fußballverbandes (SFV) und des Österreichischen Fußball-Bundes (ÖFB) anwesend sein. Für denÖFB nehmen Organisationsdirektor Bernhard Neuhold sowie der Stadien- und Sicherheitsbeauftragte Heimo Kraus daran teil.

Reaktionen der Sportwelt auf die Terror-Anschläge:

Christian Fuchs (ÖFB-Teamkapitän): "Es ist unfassbar. Unsere Gedanken sind bei den Leuten, bei den Familien, die das erleben mussten. Ich habe einen Videoclip gesehen, in dem die Explosion zu hören ist. Das geht unter die Haut. Angst lassen wir keine aufkommen. Aber man macht sich natürlich Gedanken, wenn man in einem halben Jahr auch dort ist bei der EM. Ich denke, dass diejenigen Personen die richtigen Maßnahmen treffen werden. Wir konzentrieren uns auf unseren Fußball. Wir müssen weiter unseren Job machen. Es wäre das falsche Zeichen, alles abzusagen. Es ist das richtige, weiterzumachen."

David Alaba (ÖFB-Mittelfeldspieler): "Worte können diese furchtbare Tragödie nicht beschreiben. Ich bin noch immer geschockt."

Gyuri Garics (ÖFB-Verteidiger): "Es ist erschütternd. Unser Wohnzimmer ist das Stadion, deswegen betrifft es uns diesmal vielleicht ein bisschen mehr. Man merkt, wie unbedeutend für manche Leute Menschenleben sind. Diese Leute haben wieder gezeigt, dass sie überall zuschlagen können. Wir haben sofort darüber diskutiert, aber wir haben keine Lösung dafür. Das muss die internationale Politik machen.. Wir dürfen uns nicht zu sehr beängstigen lassen. Das ist das, was diese Leute erreichen wollen: Angst verbreiten. Wenn man nachgibt und nicht mehr nach Frankreich fahren würde, dann lässt man diese Leute gewinnen."

Rubin Okotie (ÖFB-Stürmer): "Es war ein großer Schock für uns alle. Wir haben die letzten 20 Minuten des Spiels gesehen und dann die Medienberichte. Ich gehe davon aus, dass die Sicherheitsmaßnahmen verschärft werden, sodass wir bei der EM keine Angst haben müssen."

Markus Suttner (ÖFB-Verteidiger): "Es rückt alles ein bisschen in den Hintergrund. Wir haben sehr spät am Abend davon erfahren und das heute in der Früh thematisiert. Ich denke aber, dass die Sicherheitsvorkehrungen so getroffen werden, dass es bei der EURO kein Problem gibt. Es ist jetzt nicht so, dass wir in jedes Training oder Spiel gehen und daran denken."

Leo Windtner (ÖFB-Präsident): "Ich kann nur meine tiefe Betroffenheit zum Ausdruck bringen, und vor allem gilt unser Mitgefühl allen von dieser Tat Betroffenen. Dies ist ein schrecklicher Anschlag, der weltweit für Entsetzen und Betroffenheit sorgt. Ich hoffe auf eine rasche Aufklärung dieser Tat, ich bin aber auch überzeugt, dass die französischen Behörden alle Sicherheitsvorkehrungen für die bevorstehende Auslosung ebenso wie für die Endrunde treffen werden, um eine sichere Durchführung zu gewährleisten."

Marc Janko (ÖFB-Stürmer via Twitter): "Ich fühle mich hilflos, traurig und geschockt. Was für eine verrückte Welt, in der wir leben."

Lionel Messi (argentinischer Weltfußballer): "All meine Gedanken sind bei den Opfern und ihren Verwandten der gestrigen Tragödie. Wir müssen immer wieder wiederholen, heute öfter denn je, dass es nur einen Weg gibt: Liebe und Frieden zwischen der Menschheit und ein Zusammenschluss der Welt."

Usain Bolt (jamaikanischer Sprintstar): "Es ist so traurig, von der Attacke in Paris zu hören. Meine Gedanken sind bei den Opfern und ihren Geliebten."

Rafael Nadal (spanischer Tennisstar): "Ich bin niedergeschlagen aufgrund der Geschehnisse gestern Abend in Paris. Ich möchte Frankreich und den Parisern all meine Zuwendung und Unterstützung aussprechen."

Lebron James (US-amerikanischer Basketballstar): "Ich kann nicht anders, als an die Tragödie in Paris zu denken. Mein Gott, was ist mit den Menschen los. Meine Gebete gehen an all die Familien."

Thierry Henry (ehemaliger französischer Fußball-Nationalspieler): "Meine Gedanken sind bei den Opfern und den trauernden Angehörigen."