Erstellt am 19. April 2017, 09:52

von APA Red

Neuschnee in Österreich sorgt für erhöhte Lawinengefahr. Der Wintereinbruch hat in der Nacht auf Mittwoch in weiten Teilen Österreichs Neuschnee bis in die Täler gebracht.

Neuschnee in weiten Teilen des Landes  |  APA (dpa)

Die Experten des Lawinenwarndienstes sprachen von einer "kritischen" Lawinensituation in Tirol. Sie stuften die Gefahr oberhalb von etwa 2.000 Metern verbreitet mit "erheblich", also Stufe 3 der fünfteiligen Skala, ein. In Vorarlberg wurde sogar Stufe vier erreicht.

Die Hauptgefahr gehe dabei von frischen, aber auch älteren Triebschneeansammlungen aus, die sich noch nicht ausreichend verfestigen konnten. Eine Lawinenauslösung sei zumeist schon bei geringer Zusatzbelastung möglich, also schon durch das Gewicht eines einzelnen Wintersportlers. Gefahrenstellen liegen vor allem in steilen, schattseitigen Hängen sowie Kammlagen aller Expositionen. Anzahl und Verbreitung der Gefahrenstellen nehmen dabei mit der Seehöhe zu, so die Experten in Tirol. Aus steilen Einzugsgebieten sei zudem auf einzelne Selbstauslösungen oberflächlicher Lockerschneelawinen zu achten.

In den vergangenen 24 Stunden habe es im Raum Arlberg/Außerfern, entlang der Nordalpen und in den Kitzbüheler Alpen erneut 30 bis 50 Zentimeter Neuschnee gegeben. In den vergangenen drei Tagen sei somit bis zu einem Meter Schnee gefallen.

Auch in Vorarlberg ist die Lawinengefahr am Mittwoch noch einmal angestiegen. Nach den Schneefällen der vergangenen Tage wurde sie im Norden des Landes oberhalb von 2.000 Metern als "groß" (Stufe 4 auf der fünfteiligen Gefahrenskala) beurteilt, in den anderen Landesteilen als "erheblich" (Stufe 3). In den Nordstaulagen fielen seit Samstag 150 Zentimeter Neuschnee, im Süden 70 bis 90 Zentimeter.

Als Gefahrenstellen in den höheren Lagen nannte Herbert Knünz von der Landeswarnzentrale eingewehte Kammlagen, Rinnen und Mulden sowie die Bereiche hinter Geländekanten. Spontanabgänge von kleineren und mittleren Lawinen seien möglich. In tieferen Lagen bestand die Gefahr von Gleit- und Nassschneerutschen, vor allem an steilen Wiesenhängen. "Wenn Lawinen bis in Basisschichten durchbrechen, können sie auch größere Ausmaße annehmen", so Knünz. Die Lawinensituation bleibe angespannt.

Der Wintereinbruch hat unterdessen in Oberösterreich bereits zu etlichen Unfällen im Straßenverkehr geführt. Zweimal krachte es am Dienstag noch im Mühlviertel. Die Lawinengefahr wurde vom Amt der Landesregierung am Mittwoch weiterhin als erheblich eingestuft. Es sei im Bergland dicht bewölkt und schneie bis in die tiefen Lagen. Die Feuerwehr berichtete von mehreren Ausrutschern auf den Straßen.

In St. Oswald (Bezirk Freistadt) ist am Dienstag gegen 12.30 Uhr ein 33-Jähriger mit seinem Pkw auf der mit Schneematsch bedeckten Nordkamm Landesstraße ins Schleudern gekommen und in den Gegenverkehr gekracht. Infolge wurde eine 52-jährige Autofahrerin verletzt und ins Krankenhaus gebracht. Der Unfalllenker und seine Frau sowie der einjährige Sohn blieben unverletzt, teilte die oö. Polizei mit.

Wenig später kam es auf der Böhmerwaldstraße in Oberrauchenödt (Bezirk Freistadt) aus ungeklärter Ursache zu einem Frontalzusammenstoß zweier Pkw, wobei es zum Unfallzeitpunkt schneite und die Straße mit Schneematsch bedeckt war. Die beiden Fahrer, ein 44-Jähriger und eine 43-Jährige, sowie die beiden Kinder der Frau mussten verletzt ins Spital gebracht werden. An beiden Autos waren Winterreifen montiert.