Erstellt am 16. Juli 2016, 12:23

von APA Red

Terrormiliz IS bekannte sich zu Anschlag. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat den Anschlag in Nizza mit mindestens 84 Toten für sich beansprucht.

 |  APA/dpa/ag.

Die Miliz erklärte am Samstag über ihr Sprachrohr Amak, der Täter sei ein "Soldat des Islamischen Staats". Eine unabhängige Bestätigung dafür gab es nicht. Die französischen Behörden haben bisher keinen Hinweis auf eine Radikalisierung des 31-jährigen Tunesiers.

Als Täter von Nizza wurde der Tunesier Mohamed Lahouaiej-Bouhlel identifiziert. Den französischen Geheimdiensten war er nicht als Gefährder bekannt. Justizminister Jean-Jacques Urvoas sagte am Samstag dem Sender RTL, nichts in den Polizeiakten des Täters habe auf den Anschlag schließen lassen. Er sei bisher lediglich im Zusammenhang mit Kleinkriminalität in Erscheinung getreten.

Auch das Innenministerium in Paris hat bisher nach eigenen Angaben keine Erkenntnisse für einen dschihadistischen Hintergrund der Tat. Premierminister Manuel Valls sagte dagegen dem Sender France 2: "Es handelt sich ohne Zweifel um einen Terroristen, der Verbindungen zum radikalen Islamismus hat."

Attentäter von Nizza litt unter Depressionen

Nach Angaben seines Vaters litt der Attentäter von Nizza unter Depressionen. Mit Religion habe sein Sohn nichts zu tun gehabt, sagte Mohamed Mondher Lahouaiej-Bouhlel am Freitag der Nachrichtenagentur AFP in der Stadt Msaken im Osten Tunesiens.

Sein Sohn habe von 2002 bis 2004 "Probleme" gehabt, die zu einem "Nervenzusammenbruch" geführt hätten. Er sei dann "wütend" geworden, habe geschrien und Sachen kaputt gemacht, berichtete der Vater. Er betonte, dass sein Sohn "keine Verbindungen zur Religion" gehabt habe. "Er hat nicht gebetet, er hat nicht gefastet, er hat Alkohol und sogar Drogen genommen", sagte Mohamed Mondher Lahouaiej-Bouhlel. Auch die Familie sei "entsetzt" über die Geschehnisse in Nizza.

Lastwagen in die Menschenmenge gelenkt

Der Tunesier mit Wohnsitz in Nizza hatte am Donnerstagabend während der Feiern zum französischen Nationalfeiertag einen Lastwagen in die Menschenmenge gelenkt. Dabei wurden mindestens 84 Menschen getötet und mehr als 200 weitere verletzt, mehr als 50 davon lebensgefährlich.

Nach Angaben einer Krankenhaussprecherin in Nizza konnten 16 der Toten bisher nicht identifiziert werden. Fünf Kinder befinden sich noch in Lebensgefahr, drei von ihnen werden künstlich beatmet. Bei dem Anschlag kamen auch zahlreiche Ausländer ums Leben, darunter drei Deutsche aus Berlin.

Die Polizei nahm nach dem Anschlag vier Männer in Gewahrsam. Sie sollen nach Angaben aus Justizkreisen aus dem persönlichen Umfeld des Täters stammen. Auch die Ex-Frau des Tunesiers wird verhört. Erkenntnisse zu einer möglichen Komplizenschaft gibt es bisher nicht.

In Paris trat zum zweiten Mal seit den Anschlägen das französische Sicherheitskabinett zusammen. An dem Treffen nahmen neben Präsident François Hollande unter anderem Premierminister Valls teil sowie die Minister für Inneres und Verteidigung, Bernard Cazeneuve und Jean-Yves Le Drian, sowie Generalstabschef Pierre de Villiers. Im Anschluss tagte das gesamte französische Kabinett.

Mobilisierung zusätzlicher Kräfte

Aus Regierungskreisen hieß es, im Sicherheitskabinett sei unter anderem Hollandes Vorschlag der Einberufung einer Sicherheitsreserve diskutiert worden. Insgesamt stehen demnach 180.000 Frauen und Männer bereit, um Armee und Gendarmerie im Notfall zu unterstützen. Die Mobilisierung zusätzlicher Kräfte könne den gegenwärtigen "Zustand der Ermüdung" bei Polizei und Militär lindern, hieß es aus den Kreisen unter Verweis auf die kürzlich beendete Fußball-EM.

In Frankreich gilt noch bis einschließlich Montag eine dreitägige Staatstrauer. Für Montagmittag ist eine landesweite Schweigeminute geplant. In Gedenken an die Opfer leuchtete der Pariser Eiffelturm in den Farben der französischen Flagge Blau-Weiß-Rot. Die Beleuchtung werde während der gesamten dreitägigen Staatstrauer anbleiben, wie die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo auf Twitter schrieb.