Oberwart

Erstellt am 23. April 2017, 05:40

von Vanessa Bruckner

Auszeichnung für Kristina Schranz: Was ist eine Grenze?. Die Oberwarterin Kristina Schranz hat mit „Spielfeld“ bei der Grazer Diagonale den Preis für den besten Kurzdokumentarfilm gewonnen. Die BVZ bat zum Gespräch.

Bei den Dreharbeiten. Filmemacherinnen Caroline Spreitzenbart (links) und Kristina Schranz knieten sich wortwörtlich in die Dreharbeiten rein. Foto: zVg  |  zVg

Kreativer Kopf. Die Oberwarterin Kristina Schranz zeigt sich bei „Spielfeld“ für Buch und Regie verantwortlich. Foto: zVg  |  zVg

Den steirischen Grenzort Spielfeld kennt man. Spätestens seit der großen Flüchtlingswelle. 1.000 Einwohner stehen plötzlich tausenden Flüchtlingen gegenüber. Und Zäunen. Und einer vollkommen neuen Situation. Die Oberwarter Filmemacherin Kristina Schranz schildert in ihrem gleichnamigen Film „Spielfeld“ in lakonischen Bildern die Situation des kleinen Ortes, nachdem im März 2016 der Flüchtlingsstrom versiegt war - und wurde dafür ausgezeichnet.

BVZ: Warum einen Dokumentarfilm über Spielfeld? Hast du einen persönlichen Bezug zur Thematik?
Kristina Schranz: Begonnen hat alles sehr theoretisch, wenn man das so sagen will. Da waren der Grundgedanke und die Frage „Was ist eine Grenze? Was bedeuten heutzutage Grenzen für Europa?“. Dann ging es mit der Recherche los. In den Weihnachtsferien 2015 bin ich einfach nach Spielfeld gefahren, habe mich in die Cafés und Restaurants gesetzt und mit den BewohnerInnen gesprochen. Das eine ergab das andere und so bin ich auf immer mehr Protagonisten gestoßen.

Wie nähert man sich dem Ganzen dann künstlerisch? Also wie bist du das „angegangen“?
Mein erster Schritt ist immer, viel zu lesen. Unser Film ist ein atmosphärischer mehrschichtiger Film, er ist keine informative TV-Doku, trotzdem ist es natürlich wichtig, dass man über die Faktenlage recherchiert. Ich habe viele Nachrichtenartikel und Sachbücher gelesen, mit viel mehr Leuten vor Ort gesprochen, die nicht im Film vorkommen. Wie beispielsweise dem Bürgermeister oder dem Supermarkt-Eigentümer. Es ist mir wichtig, im Vorfeld des Drehs ein breites Bild von Spielfeld und der Situation zu bekommen, um im weiteren Schritt kanalisieren zu können: Welche Geschichte möchte ich wirklich erzählen? Welchen Fokus finde ich? Ein Film ist immer ein Ausschnitt der Wirklichkeit. Mir war wichtig, das Gebiet und die Bewohner rund um das Grenzmanagement zu zeigen. Und ich wollte immer einen Gegenentwurf zu den anderen Nachrichten zeigen – etwas Langsames, Unaufgeregtes erzählen, das in diesem Ort passiert und nicht die überfüllten Zelte in Griechenland. Genau diese Leere zeigt die Absurdität, und, dass ein Staat alleine keine Lösungen finden kann. Im Team haben wir uns dann eine Dramaturgie und ein Bildkonzept überlegt und sind insgesamt drei Mal drehen gewesen. Zuletzt war ich nur mehr mit Kamerafrau Caroline Spreitzenbart vor Ort und habe selbst auch den Ton gemacht.

Wochen oder Jahre? Wie lange bist du denn an der Verwirklichung von Buch und Film „gesessen“?
Ich habe in den Weihnachtsferien 2015 in Spielfeld zu recherchieren begonnen, die Bewohner kennengelernt, viel zugehört und Fragen gestellt. Gedreht haben wir im Frühjahr und Sommer, insgesamt rund drei Wochen lang. Danach folgten Schnitt, Colorgrading und Mischung in München. Im Oktober 2016 waren wir fertig, heißt also in Summe zehn Monate Arbeit.

Was hatten denn die ersten Stimmen zu deinem Film zu sagen? Das Thema „Flüchtlinge“ ist ja kein einfaches.
Alle fanden die Bewohner von Spielfeld sehr spannend und „gut ausgewählt“, sie konnten sich in ihre Situation hineinversetzen und haben sich gefragt: Wie würde ich damit umgehen, wenn in meinem Heimatdorf plötzlich Weltgeschehen passiert? Welche Haltung entwickle ich? Wie stehe ich zur „Flüchtlingsthematik“? Würde ich helfen? Mich ärgern? Demonstrieren? Mich informieren? Es ignorieren? Und natürlich führt der Film bei vielen zur großen Frage: Wie wird es weitergehen? Wie kann Europa gemeinsam Lösungen und Entscheidungen finden? In Deutschland war die Thematik Spielfeld zum Beispiel nicht so sehr bekannt, daher war das Interesse an den Geschehnissen dort besonders groß.

Wie siehst du der Filmpräsentation in Oberwart entgegen?
Ich freue mich riesig! Und natürlich ist es etwas ganz Besonderes, den Film in meiner Heimatstadt zu zeigen und zu sehen, wie alle auf den Film reagieren werden. Denn nach dem Film wird das anwesende Team vorgestellt und jeder aus dem Publikum kann Fragen stellen.

Am 5. Mai um 19 Uhr wird „Spielfeld“ im Dieselkino Oberwart gezeigt. Wer noch Karten haben möchte, sollte schnell sein, ein Großteil des Kontingentes ist bereits erschöpft. Karten online unter www.dieselkino.at