Erstellt am 29. Juli 2016, 10:50

Jeder vierte verunglückte Pkw-Lenker jünger als 25. Im Vorjahr verunglückten rund 4.900 Pkw-Lenker in der Altersgruppe der 17 bis 24-jährigen bei Unfällen auf Österreichs Straßen, davon verloren 36 ihr Leben. Eine aktuelle Analyse des ÖAMTC ergab, dass vor allem in den Nachtstunden am Wochenende der Anteil der verunglückten jungen Lenker erhöht ist.

 |  APA (ÖAMTC)

In dieser Zeit ist sogar jeder dritte Getötete ein Jugendlicher. "Erst vergangene Woche starben bei zwei Unfällen mit Beteiligung junger Lenker drei Personen", berichtet ÖAMTC-Verkehrsexperte Felix Etl. Dennoch ist die Entwicklung der Unfallzahlen der letzten Jahre grundsätzlich positiv. Der Anteil der jungen Lenker an allen bei Pkw Unfällen verunglückten Lenkern ist gesunken, denn im Jahr 2000 waren es 34 Prozent, im Jahr 2015 nur noch 26.

Laut ÖAMTC-Unfallforschung spielt bei vielen Unfällen junger Lenker die fehlende Fahrpraxis eine Rolle. "Verkehrssituationen werden oft nicht richtig eingeschätzt und es kommt zu falschen Reaktionen", erklärt Etl. Außerdem wird nicht angepasste Geschwindigkeit bei jungen Lenkern doppelt so oft als Unfallursache vermerkt, als bei älteren Lenkern und sie verunglücken deutlich öfter bei Alleinunfällen. "Viele davon sind Abkommensunfälle, bei denen die Gefahr von folgenschweren Kollisionen mit Bäumen oder festen Bauten sehr hoch ist", erklärt der Verkehrsexperte.

Ablenkungen besonders gefährlich

Die Einführung der Mehrphasenausbildung hat bereits viel bewirkt, denn die Zahl der getöteten jungen Lenker ist zwischen 2003 und 2015 um 70 Prozent gesunken. Zum Vergleich: Die Zahl aller getöteten Lenker ist in diesem Zeitraum um 50 Prozent zurückgegangen. Dennoch fordert der ÖAMTC stärkere Bewusstseinsbildung für die Gefahren von Fehleinschätzungen der gewählten Geschwindigkeiten und riskanten Fahrmanövern. "Darüber hinaus muss bei jüngeren Lenkern auf Ablenkung im Straßenverkehr ebenso wie auf die Gurtpflicht verstärkt hingewiesen werden. Mehr als 30 Prozent der getöteten jungen Lenker waren nicht angeschnallt", so Etl.

Mensch, Fahrzeug und Infrastruktur entscheidend für die Sicherheit

Junge Lenker sind häufiger als andere Verkehrsteilnehmer mit älteren Pkw unterwegs. Laut Unfallstatistik sind die Pkw der jungen Verunglückten im Schnitt über 10 Jahre alt. Diese sind oft nicht am aktuellen Stand der Technik. Der ÖAMTC-Experte rät: "Beim Kauf des ersten Autos sollte gezielt auf aktive und passive Sicherheitseinrichtungen geachtet werden. Aktiv bedeutet unfallvermeidend, also beispielsweise das elektronische Stabilitätsprogramm ESP.

Passiven Schutz bieten unter anderem Front-, Seiten- und Kopfairbags". Damit es aber gar nicht erst zu Unfällen kommt, kann man weiter an seiner Fahrtechnik arbeiten. Neben dem gesetzlich verpflichtenden Fahrsicherheitstraining im Rahmen der Mehrphasenausbildung empfiehlt der Club daher, weitere Fahrtechniktrainings zu besuchen. Dort kann man trainieren, das Fahrzeug besser unter Kontrolle zu halten und in kritischen Situationen richtig zu reagieren.

Auch seitens der Infrastruktur können vergleichsweise geringfügige Maßnahmen zu Verbesserungen beitragen – diese würden sogar allen Verkehrsteilnehmern zu Gute kommen. Oft würden schon vergleichsweise geringfügige Änderungen zur besseren Wahrnehmung des Straßenverlaufes, beispielsweise das Anbringen von Leitwinkel, sowie abgesicherte, hindernisfreie Seitenräume helfen, Unfälle zu vermeiden oder Unfallfolgen zu mindern.