Erstellt am 12. April 2016, 10:42

von APA/Red

ÖH und uniko fordern "genaue Zahlen". Universitätenkonferenz (uniko) und Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) fordern in der Diskussion um den Abgleich von Studien zwischen Unis und Fachhochschulen (FH) eine Offenlegung der FH-Finanzierung.

 |  NOEN, APA (Hochmuth)

Derzeit werde behauptet, dass FH billiger seien. "Diese Zahlen würde ich gerne genau ansehen", so ÖH-Chef Philip Flacke in einem APA-Doppelinterview mit uniko-Präsidentin Sonja Hammerschmid.

"Natürlich macht es für den Bund Sinn, Studien an FH abzuschieben", betonte Flacke. "Die FH-Finanzierung liegt nicht allein beim Bund, es sind viele Ländermittel dabei." Wenn man nur die Bundesmittel über die Normkostenfinanzierung betrachte, stimme die Rechnung über die billigeren FH wohl. "Wenn man die Gesamtfinanzierung betrachtet, wäre ich da nicht so sicher."

Hammerschmid hat auch bereits an das Wissenschaftsministerium geschrieben, um diese Daten einzufordern. "Ich fürchte nur, dass auch dort die vollständigen Zahlen nicht verfügbar sind." Die Problematik gehe aber weit über die Finanzierungsfrage hinaus. "Es fehlen etwa auch Informationen, wie viele Bewerber es für die Studienplätze gibt. Wir wissen ja auch, dass nicht alle FH ihre Studienplätze vollständig füllen."

Verlagerung von Unis an FH

Die uniko-Präsidentin stört auch, dass man derzeit eine Detailfrage wie den Fächerabgleich zwischen den einzelnen Hochschulen herausgreife, ohne zuvor eine Strategie für den gesamten Hochschulraum zu erarbeiten.

Darüber hinaus müsse es vorgeschaltet auch das Commitment des Ministeriums zu einer kapazitätsorientierten Studienplatzfinanzierung verbunden mit Aufnahmeregelungen geben.

Abgesehen von den von der ÖH abgelehnten Aufnahmeregelungen sieht auch Flacke dasselbe Problem: "Die Diskussion ist derzeit nicht zu 100 Prozent ergebnisoffen. Im Hintergrund schwingt mit: Es soll eine Verlagerung von Unis an FH im Umfang X geben. Das ist für mich keine Diskussion. Die Frage muss doch sein: Wie kann der Hochschulstandort künftig aufgestellt sein - und nicht: Wie kann ich möglichst effizient Leute von A nach B schieben."

Unterschiedliche Ausbildungsstrategie

Die Abgrenzung zwischen Unis und FH zog Hammerschmid bei der Art der Ausbildung: "Wir Unis bilden forschungsbasiert für die Zukunft aus, denn unsere Absolventinnen und Absolventen müssen den Herausforderungen von morgen gewachsen sein." Die FH dagegen hätten die Aufgabe, sehr praktisch orientiert für die aktuellen Bedürfnisse der Wirtschaft auszubilden.

"In vielen Fächern kann man Themen finden, die an FH besser aufgehoben sind und andere Themen an den Unis", meinte Hammerschmid. "Alles, wo man auf Basis von grundlagen- bzw. angewandter Forschung agiert sowie eine breite und interdisziplinäre Bildung im Auge hat, hat an der Universität zu bleiben. Alles andere, wo klar die Industrie die Fragestellung formuliert, passt zum Profil der FH."

"Ich halte das für einen Grundfehler."

Flacke ortete derzeit eine negative Entwicklung in beiden Hochschultypen: "Ich habe den Eindruck, dass aufgrund der Forderungen aus der Wirtschaft, welche dann schlussendlich leider zu solchen der Politik werden, eine Entwicklung eintritt, die ich schade finde: Unis entwickeln sich zu eher schlechten FH und FH zu eher schlechten Unis. Das liegt daran, dass beide aus ihren Kernkompetenzen herausgehen und bestimmte Gruppen bedienen wollen, um auch bei diesen etwas zu erreichen. Ich halte das für einen Grundfehler."

Eindeutig ist für Hammerschmid die Lage bei der Doktoratsausbildung: "Das Doktorat ist klar an den Universitäten zu sehen", betonte die uniko-Präsidentin. "Man muss aber natürlich schauen, dass es vernünftige Kooperationsmöglichkeiten gibt, um den wenigen FH-Studenten, die ein Doktorat anstreben und eine solide wissenschaftliche Ausbildung haben, ein solches zu ermöglichen."

"Über Kooperationen nachdenken"

In Bayern habe man etwa Anfang des Jahres ein Programm geschaffen, wo klare Spielregeln dafür definiert worden seien, so Hammerschmid. Für Philip Flacke scheitert diese Durchlässigkeit derzeit aber noch oft an den unterschiedlichen Zugängen von Unis und FH und einer beideseitigen Vorurteilshaltung.

"Wenn man da nachbessert, kann das Doktorat wunderbar an den Universitäten bleiben - vor allem wenn wir über Kooperationen nachdenken, es gibt ja durchaus auch forschungsstarke FH."

Hammerschmid will beim Doktorat auch den Prestigegedanken nach hinten rücken: "Man muss endlich wegkommen vom Denken: Ich mache mein Doktorat für mein Türschild. Das Doktorat ist dazu da, um den wissenschaftlichen Nachwuchs auszubilden. Das sind zehn bis 15 Prozent der Absolventen."

Mitterlehner: "Ich will Taten sehen."

Im Mittelpunkt müsse dabei das eigenständige wissenschaftliche Arbeiten stehen. Daneben solle es aber auch begleitend eine strukturierte Ausbildung vor allem im Soft-Skill-Bereich geben. Die Unis würden auch eine Anstellung dieser jungen wissenschaftlichen Mitarbeiter anstreben.

Das begrüßte auch Flacke. Allerdings habe man zuletzt festgestellt, dass aufgrund knapper Budgetmittel zwar zunächst angestellt werde, dann aber für das Verfassen der wissenschaftlichen Arbeiten eine Bildungskarenz angestrebt werde.

Hier müsse das Ministerium budgetmäßig nachbessern. "Wenn ich mitspielen will im Konzert der Großen - und Minister Mitterlehner hat ja zuletzt gesagt, dass dies intellektuell begriffen wurde -, dann will ich intellektuell auch Taten sehen."

"Es gibt viele Beispiele."

Das Thema Fächerabgleich zwischen Hochschulen sehen sowohl Hammerschmid als auch Flacke größtenteils unaufgeregt."Es gibt ja schon viele Beispiele, wo das stattgefunden hat", so Hammerschmid. Das sehe man etwa bei den Natur- und Geowissenschaften an der Universität Graz bzw. Technischen Universität Graz.

"Dort schafft man schon gemeinsame Angebote, indem man Curricula zusammenlegt, erweitert und erneuert." Natürlich müssten sich Studierende und Lehrende von einem Ort zum anderen bewegen, das könne man aber lösen. "Ich scheue mich aber nicht davor zu sagen: Vielleicht muss man irgendwo einmal was einstellen."

Weitere Beispiele für Kooperationen seien das Messerli Forschungsinstitut der Veterinärmedizinischen Universität, der Medizin-Universität und der Universität Wien oder die Max Perutz Laboratories der beiden letztgenannten Universitäten.

"Konstrukte wie Lehramtstudium neu"

"Was halt nicht dabei rauskommen darf, sind solche Konstrukte wie das Lehramtsstudium neu", schränkte Flacke ein. "Diese Clusterlösung ist eine Katastrophe, weil einfach viel zu groß. Aber wenn Fächer etwa bei standortnahen Unis zusammenarbeiten, ist das nichts Ungewöhnliches."

Es gebe genug Beispiele von bestehenden einzelnen Unis, die ihre Institute innerhalb der Stadt verteilt hätten. "In Deutschland sind Studierende zum Teil die ganze Zeit am Hin- und Herfahren zwischen Institutsgebäuden. Man muss halt die Rahmenbedingungen dafür schaffen. Wir fordern ja nicht umsonst ein österreichweites Studierendenticket."

Gleichzeitig müsse man schauen, wo eine Zusammenarbeit Sinn macht: "Bei Unis in Salzburg und Wien ist es trotz gut ausgebauter Westbahnstrecke wohl klar übertrieben."