Erstellt am 20. Januar 2016, 22:54

von APA/Red

Österreichischer Filmpreis: "Ich seh Ich seh" räumt ab. Einen klaren Favoritensieg hat es am Mittwochabend bei den 6. Österreichischen Filmpreisen gegeben.

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Der Horrorfilm "Ich seh Ich seh" von Veronika Franz und Severin Fiala konnte fünf seiner sechs Nominierungen in Preise ummünzen, darunter die Königskategorien Bester Film und Beste Regie. Neben der Freude dominierten allerdings gesellschaftskritische Töne die Feier im Auditorium Grafenegg.

Die beiden Regiedebütanten Fiala und Franz bedankten sich auf der Bühne vor allem bei ihrem Produzenten Ulrich Seidl, der das Lob erwiderte. Er sei stolz, "einen mittlerweile ganz großen Film produziert zu haben, der klein angefangen hat". Neben den beiden Hauptkategorien konnte sich "Ich seh Ich seh" auch in den Sparten Kamera, Szenenbild und Maske durchsetzen; einzig in der Drehbuchsparte mussten sich Franz und Fiala Konkurrent Christian Frosch ("Von Jetzt an kein Zurück") beugen.

Bei den Schauspielern konnte Johannes Krisch als Jack Unterweger im dreifach gekürten "Jack" die Trophäe des besten Hauptdarstellers mit nach Hause nehmen und grüßte aus gegebenem Anlass ironisch die "verehrten Neider". Bei den Damen zeigte sich Ulrike Beimpold als mit Gott kommunizierende Supermarktkassierin in "Superwelt" unschlagbar und überwältigt.

In ihrer Dankesrede zitierte sie ihre Großmutter: "Weile braucht das gute Ding. Und jetzt habe ich es, das gute Ding." In der heuer erstmals bedachten Sparte der Nebendarsteller konnten Gerti Drassl ("Ma Folie") und Christopher Schärf ("Einer von uns") die von VALIE EXPORT gestaltete Statuette entgegennehmen. Überraschend erfolglos blieben hingegen der fünffach nominierte Brenner-Film "Das ewige Leben" sowie die vierfach bedachte Literaturverfilmung "Gruber geht". Zumindest zwei Preise räumte Michael Sturmingers "Casanova Variations" ab (Schnitt und Kostümbild).

Vor einem möglichen Oscar-Gewinn konnte Patrick Vollrath aus Deutschland, Absolvent der Wiener Filmakademie, mit "Alles wird gut" noch in der Sparte Kurzfilm beim Österreichischen Filmpreis triumphieren. Auch wenn er bei Fußballweltmeisterschaften das deutsche Trikot trage, könne er heute sagen: "Ich mag den österreichischen Film wahnsinnig gerne und fühle mich seit heute ein bisschen als Teil davon."

Zum besten Dokumentarfilm wurde "Lampedusa im Winter" von Jakob Brossmann gekürt, der mit einer emotionalen Dankesrede die aktuelle Flüchtlingspolitik anklagte und mit Sätzen wie "Die Obergrenze tötet" die Tonalität des Abends vorgab. Auch Schauspielerin Hilde Dalik, die gemeinsam mit jugendlichen Flüchtlingen eine Theatergruppe initiiert hat, die mit einer Tanzeinlage begeisterte, stellte klar: "Die Zeit der Unschuld ist vorbei."

Ganz defätistisch ließ Akademie-Präsident und Oscar-Gewinner Stefan Ruzowitzky das Publikum aber doch nicht zurück. Mit Verweis auf den prämierten Kurzfilm "Alles wird gut" zeigte er sich optimistisch: "Frei nach Patrick Vollrath: Alles wird besser."