Erstellt am 09. November 2015, 15:23

von APA/Red

Österreichischer Maler Ernst Fuchs 85-jährig gestorben. Der österreichische Maler Ernst Fuchs ist Montagfrüh im Alter von 85 Jahren gestorben.

 |  NOEN, APA (Schlager)

Das bestätigte sein Sohn Tillmann Fuchs gegenüber der APA. Der Künstler mit dem Vollbart und dem markanten Käppchen galt mit seinen Studienkollegen Anton Lehmden, Arik Brauer, Wolfgang Hutter sowie Rudolf Hausner als Mitbegründer der Wiener Schule des Phantastischen Realismus. Ernst Fuchs verstarb laut einer Aussendung seiner Familie im Wiener Sophienspital an Altersschwäche. Engste Familienmitglieder seien anwesend gewesen, als der Künstler "friedlich einschlafen konnte". Seinem Wunsch gemäß werde Fuchs auf dem Hütteldorfer Friedhof bestattet - der Termin werde bekannt gegeben, sobald er feststeht.

Fuchs hinterlasse 15 Kinder und "ein großes künstlerisches Werk als Maler, Bildhauer, Dichter, Designer und Komponist", würdigte ihn seine Familie. "Sein Optimismus, seine Spontanität und Großzügigkeit hat Generationen von Künstlern und Freunden inspiriert und wird uns immer in Erinnerung bleiben."

Es gab unter den Zeitgenossen kaum einen Künstler, auf den der Begriff des "Malerfürsten" besser passte: Sein obligates Käppchen gehörte ebenso zu den Markenzeichen von Ernst Fuchs wie sein Vollbart. Der Lebenskünstler verkörperte in gewissem Sinn selbst das Gesamtkunstwerk, für das er so leidenschaftlich eintrat.

Fuchs war Mitbegründer der Wiener Schule des Phantastischen Realismus. Am 13. Februar 1930 in Wien als einziges Kind eines jüdischen Altwarenhändlers und einer katholischen Näherin geboren, begann er mit 15 als "Wunderkind" sein Studium an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Albert Paris Gütersloh. Inspiriert von der altmeisterlichen Malerei, dem Jugendstil und den Surrealisten schuf er von religiösen und mythologischen Motiven dominierte Traumlandschaften und Visionen.

Begründer der Wiener Schule

1948 gründete Fuchs mit seinen Studienkollegen Anton Lehmden, Arik Brauer und Güterslohs Sohn Wolfgang Hutter sowie dem knapp 15 Jahre älteren Rudolf Hausner die Wiener Schule des Phantastischen Realismus. Im selben Jahr reiste er erstmals nach Paris, wohin er 1950 für zwölf Jahre übersiedelte. In dieser Zeit unternahm Fuchs zahlreiche Reisen nach Italien, Spanien, England und in die USA und lernte Künstler wie Salvador Dali, Giorgio de Chirico und Jean Cocteau kennen. Er etablierte sich als herausragender Grafiker und entdeckte den Zyklus als Form.

Auf der Suche nach archetypischen Urbildern - dem "verschollenen Stil" - experimentierte er auch mit verschiedenen Drogen. 1957 zog er sich für Monate in das Kloster "Dormitio" bei Jerusalem zurück und begann eine monumentale "Abendmahl"-Darstellung, an der er jahrzehntelang arbeitete. 1966 veröffentlichte er das Buch "Architectura Caelestis. Die Bilder des verschollenen Stils", eine der wichtigsten programmatischen Schriften aus dem Kreis der Phantasten, worin er gegen die "Pest des Rationalismus und des Konstruktivismus" anschrieb. Ziel sei "all der herrliche Kitsch, den die Maschinenpuritaner verboten haben".

In den 1970er Jahren begann Fuchs auch im Bereich Innenarchitektur und Design sowie für Film und Bühne (Opern- und Ballettausstattungen) zu arbeiten. 1972 kaufte er eine von Otto Wagner entworfene Villa in Wien-Hütteldorf, die er restaurierte und aufwendig umgestaltete. 1988 wurde die Villa als Privatmuseum und Sammlung Ernst Fuchs eröffnet, heute ist sie auch Sitz der Ernst Fuchs-Privatstiftung. Seit damals lebte er in Monte Carlo und wohnte, wenn er zu Besuch in Wien weilte, im Hotel.

Weltweite Anerkennung

Einzelausstellungen in aller Welt zählte der geschäftstüchtige Künstlerfürst weit über 100. Er beschäftigte sich neben seinen Gemälden, Skulpturen, Grafiken, Gedichten, Liedern und Buchillustrationen auch mit zahlreichen Architektur- und Skulpturprojekten für den öffentlichen Raum, etwa die Apokalypse-Kapelle in der Stadtpfarrkirche St. Aegyd in Klagenfurt, ein monumentales Werk, an dem er über 20 Jahre arbeitete.

2000 wurde Fuchs der französische Orden eines "Officier dans l'Ordre des Arts et des Lettres" verliehen, 2009 das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse, 2010 folgte das Goldene Verdienstzeichen der Stadt Wien. Unter dem Titel "Phantastisches Leben - Erinnerungen" hatte Fuchs bereits 2001 seine Memoiren veröffentlicht. Zu seinem 80. Geburtstag war sein Werk in der Schau "Die phantastische Sammlung" im Wiener Palais Palffy zu sehen. Dort eröffnete der Künstler 2013 auch die "Akademie für visionäre Kunst" - eine private Kunstschule, die mit "kontemporären Trends" der Kunstausbildung brechen und zu "klassischen akademischen Malmethoden" und altmeisterlichen Techniken zurückkehren will.

Zuletzt geriet Fuchs durch seine Scheidung von seiner seit 30 Jahren getrennt lebenden Ehefrau Eva und der anschließenden Verlobung mit seiner Muse Uta Saabel sowie einen Kunstdiebstahl aus einem Depot in die Schlagzeilen.

Als "Universalkünstler, wie er im Buche steht" bezeichnete Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) Ernst Fuchs. "Er brillierte in unterschiedlichen Bereichen, als Maler, Bühnenbildner, Architekt und Grafiker sowie als Komponist und Schriftsteller." Fuchs habe nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges Hervorragendes für die Entwicklung der Malerei und der Kunst in Österreich geleistet.

"Ernst Fuchs war und bleibt national und international einer der bedeutendsten bildenden Künstler Österreichs", meinte ÖVP-Kultursprecherin Maria Fekter. Sein Tod reiße eine tiefe Lücke in das heimische Kunstschaffen. "Ernst Fuchs war ein Künstler und Mensch mit Tiefgang und Seele. Er war gebildet, belesen, kunstsinnig, vielseitig, kreativ, ungeheuer phantasievoll und zugleich zutiefst menschlich."

Tief betroffen zeigte sich FPÖ-Bundesparteiobmann Heinz-Christian Strache. "Österreich verliert mit Ernst Fuchs einen seiner herausragendsten Künstler, der Maßstäbe gesetzt und Generationen von Kunstschaffenden geprägt und inspiriert hat. Ernst Fuchs war ein großartiger Mensch, der auch mehrmals seine Werke bei Vernissagen im Freiheitlichen Parlamentsklub präsentiert hat, wo ich ihn auch persönlich kennenlernen durfte. Meine ganze Anteilnahme gilt seiner Familie", so Strache.

"Mit seinem mythischen, oft surrealistischen Lebenswerk war Ernst Fuchs eine der bekanntesten Künstlerpersönlichkeiten Wiens der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts", zollte Beate Meinl-Reisinger, designierte Klubobfrau von NEOS Wien, dem Verstorbenen ihren Respekt. "Mit seiner Arbeit und seinem internationalen Netzwerk hatte er starken Anteil daran, dass Wien sich nach dem Zweiten Weltkrieg auch wieder als Kunststadt einen Namen machen konnte." Team-Stronach-Kultursprecherin Ulla Weigerstorfer sprach den Angehörigen ihr Mitgefühl aus. "Mit Ernst Fuchs ist einer der größten Maler und Bildhauer Österreichs von uns gegangen."

Die internationale Bedeutung des Werks von Fuchs und seine Stellung als Vertreter des Phantastischen Realismus strich Belvedere-Direktorin Agnes Husslein-Arco hervor. "Es war allein sein Verdienst, eine von großem interdisziplinären Wissen und interkulturellen Visionen durchdrungene österreichische Kunstrichtung in der internationalen Kunstgeschichtsschreibung fest zu verankern und er setzte unermüdlich, bis zu seinem Tode, wesentliche Zeichen für diese."