Erstellt am 15. Oktober 2015, 13:28

ÖSV sieht im Generationswechsel Chance für Junge. Trotz der vielen Rücktritte im Sommer blickt die Alpinabteilung des Österreichischen Skiverbands dem neuen Winter mit Zuversicht entgegen.

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Und das nicht nur weil man mit Anna Fenninger und Marcel Hirscher nach wie vor die Titelverteidiger im Weltcup in den Reihen hat, die neuerlich auf die großen Trophäen losgehen, sondern weil Generationswechsel oftmals durchaus auch Positives bewirken können.

Nach Marlies Schild (nun Raich) 2014 traten heuer deren Ehemann Benjamin Raich, Slalom-Ass Mario Matt, die Dauerbrenner Nicole Hosp und Kathrin Zettel sowie Andrea Fischbacher, Regina Sterz und Alexandra Daum zurück. "Das wird sicher keine leichte Saison. Aber es ist eine Chance und eine Möglichkeit für die Jungen. Und es sind ja noch Erfahrene mit dabei, an denen können sich die Jungen orientieren. Wir geben ihnen die Zeit, sich zu etablieren", sagte ÖSV-Sportdirektor Hans Pum Mittwochabend bei einem Medientermin in Wien.

Der Fokus liege im Zwischenjahr, in dem weder WM noch Olympia auf dem Programm stehen, auf den Weltcupkugeln. "Anna hat die Chance, den Weltcup ein drittes Mal zu holen. Marcel kann mit dem fünften Mal Geschichte schreiben. Das wäre ganz was Besonderes", meinte Pum.

Sein Präsident Peter Schröcksnadel steigt schon einmal vorsorglich auf die Euphoriebremse. "Die Wahrscheinlichkeit, dass die zwei das wieder gewinnen, ist nicht sehr groß. Die Möglichkeit ist da, aber nach der Wahrscheinlichkeitsrechnung darf man nicht zu viel erwarten. Schaffen können sie es. Aber es ist gegen die Statistik."

Das Team sieht er grundsätzlich schlagkräftig, Ausnahme bildet der Technikbereich der Herren. "Das ist der einzige Punkt, wo ich sage, da sind wir nicht sehr gut aufgestellt. Aber wir haben sehr gute Junge, die nun in einem früheren Alter die Möglichkeit bekommen, reinzufahren. Weil es ein Zwischenjahr ist, schraube ich die Erwartungshaltung herunter."

Vom vielen Abschiednehmen im Sommer hat sich Schröcksnadel übrigens nicht anstecken lassen. "Ich habe noch Feuer. Gott sei Dank brauche ich nicht so viel Kondition wie die Rennläufer, und vielleicht nicht so viel Überwindung", sagte der 74-Jährige. "Es gibt verschiedene Gründe aufzuhören. Entweder du wirst aufgehört, aber wir sind ordentliche Leute, da passiert gar nichts. Oder es freut dich nicht mehr. Oder eben man findet jemanden, der geeignet ist, den Job zu machen. Das ist das Schwierigste. Ich suche seit längerem."

Die nächste Gelegenheit für viele intensive Gespräche gibt es bereits am nächsten Wochenende beim Weltcup-Auftakt in Sölden, wo je ein Riesentorlauf für Damen (24.10.) und Herren (25.10.) auf dem Programm stehen. Als Vorjahressieger gehen ex aequo Fenninger und die US-Amerikanerin Mikaela Shiffrin sowie Hirscher an den Start. Die beiden Salzburger werden danach am 29. Oktober im Austria Center Vienna zur Galanacht des Sports erwartet. Beide gelten als Topfavoriten auf die Auszeichnung Sportler bzw. Sportlerin des Jahres.

Für Fenninger wäre es die dritte Trophäe en suite, für Hirscher die zweite nach 2012. 2013 und 2014 erhielt Fußball-Star David Alaba den Vorzug, voriges Jahr musste sich der Skirennläufer nur um einen Punkt geschlagen geben. Die Skiverbandspitze rümpfte darüber ein wenig die Nase, stellte der ÖSV mit Mario Matt und Matthias Mayer doch auch zwei Olympiasieger. Hirscher nahm es gelassen. "Ich sehe das easy und gratuliere David."

Alle Wogen sind geglättet. "Der ÖSV hat dem Minister (Sportminister Gerald Klug) und Herrn Dr. Stoss (ÖOC-Präsident Karl Stoss) zugesagt, dass wir kommen werden", sagte Schröcksnadel. Dem Wahlausgang blickt er entspannt entgegen. "Es gibt ja nur einen, der viermal den Weltcup gewonnen hat." Gratulationen gab es aber in Richtung ÖFB-Team nach erfolgreicher WM-Qualifikation. "Ich freue mich, dass die Fußballer so gut spielen. Ich gratuliere Herrn Koller." Das Fußball-Nationalteam war zuletzt 1997 "Mannschaft des Jahres" in Österreich.