Erstellt am 11. September 2015, 13:07

Ortschef von Nickeldorf rügt Kanzler und Innenministerin. Von einer "Eskalation" in Nickelsdorf sprach am Freitag Ortschef Gerhard Zapfl (SPÖ) in einem Offenen Brief an Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP).

Bürgermeister Gerhard Zapfl mit dem Informationsfolder der Gemeinde zum beschlossenen Schutzzonengebiet. Zedlacher-Fink  |  NOEN, Zedlacher-Fink
Eine "wahre Völkerwanderung" führe im Ort zu "großer Sorge und Angst": "Diese Entwicklung war absehbar", politische Entscheidungsträger auf Bundesebene hätten nichts in der nötigen Form entgegengesetzt.

Der Brief ist auch vom Ortschef der Nachbargemeinde und SPÖ-Landtagsabgeordneten Werner Friedl unterzeichnet. "Die Entwicklung des Flüchtlingsstromes nimmt immer dramatischere Formen an", schrieb Zapfl. Das vergangene Wochenende, an dem rund 13.000 Menschen den Ort "belagert" hätten, sei "von einer Welle der Hilfsbereitschaft von vielen Freiwilligen aus unserem Dorf" geprägt gewesen.

Rasche Maßnahmen gefordert

"Die Situation hat sich nun drastisch verändert. So werden die vielen Menschen, die heute unser Ortsgebiet bevölkern, zu einem ernsthaften Problem", erklärte Zapfl, der darauf hinwies, dass die B10 und die Ostautobahn (A4) gesperrt und der Zugverkehr "massiv beeinträchtigt" seien.

"Heute ab 7.00 Uhr begann eine wahre Völkerwanderung von mehreren Tausend Flüchtlingen - erst zum Bahnhof und als bekannt wurde, dass nun doch keine Züge verkehren, in den Ort hinein, was bei unseren Einwohnern zu großer Sorge und Angst führt. Und der Strom reißt nicht ab!", so Zapfl weiter. In den vergangenen Stunden seien "circa 10.000" nach Nickelsdorf gekommen. Nickelsdorf mit seinen 1.770 Einwohnern sei "mit dieser Menscheninvasion restlos überfordert".

"Entwicklung war absehbar"

"Diese Entwicklung war absehbar, die politischen Entscheidungsträger auf Bundesebene haben dieser leider nichts in der nötigen Form entgegengesetzt", kritisierte der Bürgermeister. Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ) habe schon länger eine Lösung des Problems gefordert, zumal die Hauptroute des Flüchtlingsstromes über die Drehscheibe Nickelsdorf und das Burgenland führe. Es könne "nicht sein, dass das Versagen der zuständigen Politik auf dem Rücken der Nickelsdorfer bzw. der burgenländischen Bevölkerung ausgetragen wird!", meinte Zapfl.

Den Bundeskanzler und die Innenministerin fordern beide Ortschefs "dringend auf, rasch entsprechende Maßnahmen zu setzen, um die Lage zu entschärfen und den sozialen Frieden in Österreich nicht zu gefährden."