Erstellt am 18. Juli 2016, 16:23

von APA Red

Prozess gegen Familienvater. Gegen einen 41-Jährigen, der im Februar in Leonding (Bezirk Linz-Land) ein Nachbarehepaar getötet haben soll, ist am Montag im Landesgericht Linz der Prozess eröffnet worden. Das öffentliche Interesse an der für zwei Tage anberaumten Verhandlung war groß, der Schwurgerichtssaal bis auf den letzten Zuschauerplatz belegt. Die Staatsanwaltschaft spricht von Doppelmord, die Verteidigung von Totschlag.

Der Angeklagte ging auf seine Nachbarn los  |  APA (fotokerschi.at)

Die Tat habe ein Ausmaß an Brutalität, das "bemerkenswert und grausam ist" und für den Ankläger nicht als "Kurzschlussreaktion" zu sehen ist. Der Nachbarschaftsstreit sei auch keineswegs so dramatisch-bedrohlich gewesen, wie bisher kommuniziert, erklärte der Staatsanwalt weiter.

Vielmehr habe der Gesundheitszustand der Frau den Angeklagten belastet, führte er ins Treffen. Die unter Phobien und Ängsten leidende Ehefrau empfand die Situation mit den Nachbarn als unerträglich. Sie habe Druck auf den Mann ausgeübt, wegzuziehen, die Scheidung in den Raum gestellt.

Ganz anders die Sichtweise von Verteidiger Andreas Mauhart, der den Mandanten seit der gemeinsamen HTL-Zeit persönlich kennt. Er sprach sehr wohl davon, dass die Getöteten dem unbescholtenen Mann seit Jahren das Leben mehr als schwer machten.

Jahrelanger Nachbarschaftsstreit als Auslöser

Der eigentliche "Horror" habe begonnen, als der Vater für sein erstgeborenes Kind eine Sandkiste im Garten aufstellte. Wenn der Bub darin spielte, standen die Nachbarn häufig am Zaun und hätten sich gut hörbar über den Nachwuchs und die als labil geltende Mutter abfällig geäußert. Systematisch sei die junge Familie niedergemacht worden, so der Verteidiger.

Am 13. Februar kam es dann zum "Knock-out", meinte Mauhart. Dass der gelernte Ingenieur dann getötet habe, stritten weder er noch sein Mandant ab. "Natürlich muss sich der Mann, der leidenschaftlicher Fischer ist, aber den Fisch bis heute nicht umbringen kann, jeden Tag seine Hände anschauen, die getötet haben", meinte der Jurist.

Der Angeklagte erklärte sich wegen Totschlags für schuldig. Er berichtete auf Nachfrage von Richterin Petra Oberhuber über jahrelange Probleme mit dem Nachbarn. So stand die Polizei mehrmals vor der Tür, weil die Nachbarn ihn wegen Ruhestörung angezeigt hatten, wenn er im Garten mit Freunden grillte. Zudem fühlte er sich immer von ihnen beobachtet, was er reaktionslos hingenommen habe.

Drei Worte brachten das Fass zum Überlaufen

Für seine Frau spitzte sich die Lage nach der Geburt des zweiten Kindes ab 2013 derart zu, dass sie mit Sohn und Tochter ausziehen wollte. "Immer wieder habe ich sie davon zu überzeugen versucht, die Vorteile von einem eigenen Haus mit Garten zu sehen", so der Vater vor Gericht. Er sah auch ihre Angst um das Leben der Kinder als übertrieben an. "Erst heute weiß ich, dass meine Frau damals therapeutische Hilfe benötigt hätte", meinte er.

Doch auch in ihm dürfte sich über all die Jahre "einiges aufgestaut haben". Denn im Februar reichten drei Wörter der Nachbarin auf der Straße und "mich hat der Blitz getroffen", sagte der Mann mit fester Stimme. "Ich kann nicht immer nur einstecken, ich muss mich wehren", gab er seine Gefühle wieder. Danach schlug er zu.

Die Tochter der Opfer hat sich als Privatbeteiligte dem Prozess angeschlossen und verlangt einen Teilschadenersatz von 53.000 Euro. Insgesamt sind für den Prozess 17 Zeugen geladen, ein Urteil wird für Dienstag erwartet.