Erstellt am 06. April 2016, 10:46

"Panama Papers" bei Hackerangriff erbeutet. Die durch die sogenannten Panama Papers ins Visier geratene panamesische Anwaltskanzlei Mossack Fonseca ist nach eigenen Angaben Opfer eines Hacker-Angriffs geworden.

Ramon Fonseca bezeichnet alle Aktivitäten als legal  |  NOEN, APA (AFP)

Die mehr als elf Millionen Dokumente über ein Geflecht von Briefkastenfirmen für Prominente, die seit Tagen weltweit für Aufsehen sorgen, seien durch einen Angriff von außen erbeutet worden, so Mitgründer Ramon Fonseca.

Die Firma habe deswegen eine Strafanzeige gestellt. Fonseca ergänzte, die Kanzlei, die die Briefkastenfirmen aufsetze, habe nicht gegen Gesetze verstoßen. Alle Aktivitäten seien legal. Mossack Fonseca helfe nicht bei Steuerhinterziehung oder Geldwäsche. Es seien auch keine Dokumente vernichtet worden. Veröffentlichte E-Mails der Firma seien aus dem Zusammenhang gerissen worden.

Zahlreiche Politiker, Sportler und Manager stehen wegen Verbindungen zu Briefkastenfirmen jetzt unter Druck. Für EU-Parlamentspräsident Martin Schulz ist die Dimension der Enthüllungen "schockierend". Allerdings sei das grundsätzliche Problem bereits seit Jahren bekannt gewesen, sagte er im Interview der "Passauer Neuen Presse". In den vergangenen Jahrzehnten habe sich auf legale Weise durch "zügellose Liberalisierung" ein professionelles System der Steuervermeidung, der Geldwäsche und Steuerhinterziehung gebildet. "Da müssen wir entschlossener ran", sagte der deutsche Sozialdemokrat.

Er forderte einen entschlossenen Kampf gegen Steuervermeidung und Steuerbetrug innerhalb der EU. "Es geht nicht, dass beispielsweise die USA, nur weil sie energischer Druck machen, sowohl EU-Mitgliedstaaten als auch Drittstaaten zwingen können, wichtige Kontendaten den Behörden zugänglich zu machen, um so für mehr Steuertransparenz und -gerechtigkeit zu sorgen, während wir das innerhalb der EU nicht hinbekommen, weil einige Mitgliedstaaten das hintertreiben." Die Steuerausfälle durch diese Praktiken würden europaweit auf eine Billion Euro pro Jahr geschätzt.

"Je suis Panama" - Die französische Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" titelt nach den Berichten zu Offshore-Geschäften in Panama mit einer Karikatur empörter Reicher. Unter der Überschrift "Steuer-Terrorismus" lässt das Blatt auf der Titelseite der am Mittwoch veröffentlichten Ausgabe Zigarre rauchende Vermögende gegen das Datenleck zu Finanzgeschäften mit Briefkastenfirmen demonstrieren.

Sie tragen Schilder mit den Parolen "Ich bin Panama", "Keine Angst" und "Sie werden unseren Lebensstil nicht ändern" - Schlagworte, die an die Solidaritätsbekundungen nach dem Mordanschlag auf "Charlie Hebdo" erinnern. Islamistische Terroristen hatten Anfang des vergangenen Jahres beim Angriff auf die Redaktion von "Charlie Hebdo" und bei ihrer anschließenden Flucht zwölf Menschen erschossen. Auch die prominentesten Karikaturisten des Blattes wurden ermordet. Der Slogan "Je suis Charlie" ("Ich bin Charlie") wurde anschließend international zu einem Zeichen der Solidarität.