Erstellt am 16. April 2016, 12:57

von APA/Red

Papst Franziskus traf Flüchtlinge auf Ägäis-Insel Lesbos. Unmittelbar nach seiner Ankunft auf der griechischen Insel Lesbos hat Papst Franziskus am Samstag das Aufnahmelager von Moria besucht.

 |  NOEN, APA (AFP)

Er begrüßte Dutzende minderjährige Flüchtlinge, die meist auf eigene Faust die gefährliche Überfahrt aus der Türkei zu den griechischen Inseln gewagt hatten, wie das griechische Fernsehen (ERT) berichtete. 

Im Lager warteten Hunderte Menschen. Viele trugen Plakate mit dem Spruch "Wir wollen Freiheit" und "Du bist unsere Hoffnung". Unter ihnen waren christliche Yeziden (Jesiden), Pakistaner und Kurden. Eine Frau flehte ihn an, er solle sie mitnehmen.

In einem Zelt sprach der Papst mit Flüchtlingsfamilien. Kinder zeigten und schenkten dem Kirchenoberhaupt Zeichnungen aus ihrem Leben. Franziskus begrüßte Frauen nur mit einem freundlichen Kopfnicken, die Hand gab er ihnen wohl aus Rücksicht auf kulturelle Gepflogenheiten in der islamischen Welt nicht. Männern gab er dagegen die Hand.

Lange legte er die Hand auf den Kopf eines weinenden jungen Mannes, der immer wieder auf Englisch sagte "Vater gib mir Deinen Segen". Einige Flüchtlinge schilderten dem Papst schlimme Erfahrungen, die sie vor ihrer Flucht gemacht hätten. Andere sagten, sie säßen auf der Insel fest, während ihre Familien in Deutschland seien. 

Auch der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, das Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie Bartholomäus I., und der Athener Erzbischof und Primas der orthodoxen Kirche von Griechenland, Hieronymos (Hieronymus) II., nahmen an den Treffen teil.

Der Papst sprach im Flüchtlingslager Moria den Schutzsuchenden Mut zu. "Ich will euch sagen, dass ihr nicht allein seid", sagte der 79-Jährige am Samstag im sogenannten Hotspot. "Das ist die Botschaft, die ich euch heute vermitteln will: Verliert nicht die Hoffnung!", appellierte das Kirchenoberhaupt an die Flüchtlinge.

Hilfsorganisationen haben die Zustände in dem Erstaufnahmelager Moria als erbärmlich kritisiert. Vor dem Papstbesuch seien Wände gestrichen, ein Abwassersystem installiert und Dutzende Migranten aus dem überfüllten Lager anderswo untergebracht worden, berichteten Mitarbeiter von Hilfsorganisationen.

Der Papst setzt sich seit seinem Amtsantritt vehement für die Flüchtlinge ein, die aus den Krisengebieten Afrikas und des Nahen Ostens vor allem die Überfahrt nach Italien versuchen. Seine erste Reise als Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche unternahm Franziskus im Juli 2013 nach Lampedusa, wo die meisten Flüchtlinge Italien erreichen.

Im Anschluss unterschrieben Franziskus, Bartholomaios I. und Hieronymus II. auf Lesbos eine Deklaration, die zur Solidarität mit den Flüchtlingen aufruft. Europa stehe vor einer der größten humanitären Krisen seit Ende des Zweiten Weltkriegs, heißt es darin. "Die Welt kann die kolossale humanitäre Krise nicht ignorieren."

Unzählige Menschen würden wegen ihrer Religion oder als ethnische Minderheiten verfolgt; ihre Würde und ihre fundamentalen Rechte würden verletzt. "Wir appellieren an alle politischen Führer, mit allen Mitteln dafür zu sorgen, dass jeder Einzelne und alle Gruppen inklusive der Christen in ihrer Heimat bleiben und in Frieden und Sicherheit leben können."

Dafür seien Hilfsprogramme dringend nötig, heißt es in der Erklärung - um Recht und Gesetz aufrecht zu erhalten, Menschenrechte zu verteidigen, Minderheiten zu schützen, Menschenschmuggler zu bekämpfen und die unsicheren Flüchtlingsrouten etwa über die östliche Ägäis zu eliminieren. Stattdessen sollten sichere Umsiedlungsprogramme entwickelt werden.

Der Papst will von seinem Besuch auf der griechischen Insel Lesbos mehrere Flüchtlinge mit in den Vatikan bringen. Die Flüchtlinge sollten aus den besonders "verletzlichen Gruppen" ausgewählt werden, die vor Inkrafttreten des umstrittenen Flüchtlingspakts der EU mit der Türkei auf der Ägäis-Insel eingetroffen seien, sagte ein Vertreter der griechischen Behörde zur Koordinierung der Flüchtlingshilfe am Samstag. Laut dem Staatssender ERT sollen drei per Los ausgewählte Familien aus dem offenen Flüchtlingslager Kara Tepe vom Vatikan aufgenommen werden.