Erstellt am 14. Juni 2016, 08:33

von APA Red

Pariser Polizistenmörder war vorbestraft. Nach der Tötung eines französischen Polizisten und dessen Frau werden immer mehr Details über den Täter bekannt.

 |  NOEN, APA (AFP)

Das berichtete der als Jihadismus-Experte geltende Journalist David Thomson. Der Attentäter namens Larossi Abballa soll auch Fotos seiner Opfer gepostet haben. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es nicht, der Facebook-Account wurde inzwischen gelöscht. 

Der nach Medienberichten wegen Terrorismus vorbestrafte 25-jährige Mann, der sich zur Terrormiliz Islamischer Staat bekannte, hatte am Montagabend zunächst den 42 Jahre alten Kriminalkommissar vor dessen Haus erstochen und sich dann im Gebäude verschanzt. Als Spezialkräfte das Haus stürmten und den Mann erschossen, fanden sie die Leiche der Lebensgefährtin des Polizisten, die als Sekretärin in einem Kommissariat arbeitete. Der dreijährige Sohn des Paares blieb unversehrt, stand aber unter Schock.

Nach Angaben von Thomson veröffentlichte der Täter auch eine Aufforderung, Polizisten, Gefängniswärter, Journalisten und Rap-Musiker zu töten. Dabei habe er zahlreiche Namen genannt. Das Kind sei auf einem Sofa zu erkennen gewesen. Der Attentäter habe gesagt, er wisse noch nicht, was er mit dem Kind machen solle.

Abballa ist gebürtiger Franzose mit marokkanischen Wurzeln und stand als Terrorhelfer bis zuletzt im Visier der Sicherheitskräfte. Der 25-Jährige wurde 2013 zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, wie aus Polizei- und Sicherheitskreisen verlautete. Er hatte Islamisten bei der Ausreise nach Pakistan geholfen. Sein Vorstrafenregister ist jedoch noch länger - unter anderem wegen schweren Diebstahls und Fahrens ohne Führerschein. Wie aus Polizeikreisen weiter verlautete, stand er auch in jüngster Zeit unter Beobachtung. Die Telefonüberwachung habe jedoch keine verwertbaren Ergebnisse erbracht.

Zuletzt stand er nach Angaben aus Ermittlerkreisen wieder im Visier der Ermittler, diesmal wegen einer Gruppe mit Verbindungen nach Syrien. Zwei Menschen, die nach Angaben aus Polizeikreisen mit Abballa "in Verbindung" standen, wurden am Dienstag in Gewahrsam genommen.

Die Pariser Staatsanwaltschaft übernahm noch in der Nacht die Ermittlungen. Der für Terrorermittlungen verantwortliche Staatsanwalt François Molins kündigte für Dienstagnachmittag eine Pressekonferenz an.

Präsident Hollande hielt bereits in der Früh eine Krisensitzung mit Premier Manuel Valls und wichtigen Ministern und Beratern ab. Die "feige" Attacke habe "zweifellos" einen terroristischen Hintergrund, sagte Hollande. Nicht nur der Angreifer selbst habe gewollt, dass seine Tat als terroristischer Akt erkennbar sei, auch die Organisation, zu der er sich bekannt habe, habe die Verantwortung für die Tat übernommen.

Hinweise auf ein islamistisches Motiv hatte es schon sehr schnell gegeben: Während der Geiselnahme bekannte sich Abballa, der aus der angrenzenden Gemeinde Mantes-la-Jolie stammt, in Verhandlungen mit der Polizei zur IS-Miliz.

Auch der IS erklärte, die Tat sei von einem seiner Kämpfer verübt worden. "Kämpfer des Islamischen Staates tötet Vizechef der Polizeistation von Les Mureaux und seine Frau mit Stichwaffen nahe Paris", verkündete das IS-Sprachrohr Amaq.

In Frankreich herrscht seit den islamistischen Anschlägen vom 13. November mit 130 Toten der Ausnahmezustand. Insbesondere während der Fußball-EM wurden weitere Attacken von Islamisten befürchtet.