Erstellt am 28. Oktober 2015, 15:39

von APA/Red

Pensionist in Innsbruck erstochen: 20 Jahre Haft für Tiroler. Der Prozess im Fall eines in seiner Innsbrucker Wohnung erstochenen Pensionisten (63) im November des vergangenen Jahres ist am Mittwoch mit einem Schuldspruch zu Ende gegangen.

 |  NOEN, APA (Archiv/Pfarrhofer)

Der 45-jährige Nachbar des Getöteten fasste wegen Mordes und Brandstiftung 20 Jahre Freiheitsstrafe aus. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Staatsanwaltschaft und Verteidigung gaben keine Erklärung ab.

Das Urteil der Geschworenen fiel einstimmig aus. Sie bekannten den Angeklagten für schuldig und zurechnungsfähig. Der 45-Jährige soll nun in eine Anstalt für geistigabnorme Rechtsbrecher eingewiesen werden, da Psychiater Reinhard Haller in seinem Gutachten von einer negativen Zukunftsprognose für den 45-Jährigen gesprochen hatte und er mit hoher Wahrscheinlichkeit in Zukunft ähnliche Taten begehen könnte.

Der Angeklagte hatte sich am ersten Verhandlungstag vergangenen Mittwoch vor Richter Andreas Mair schuldig bekannt. Unter Tränen hatte der Beschuldigte den Tathergang geschildert. Er habe seinen Nachbarn, den Hausmeister der Wohnanlage, besucht, um mit ihm über einen Brand in der Tiefgarage zu reden, der wenige Tage zuvor gelegt worden war.

"Ich weiß nicht mehr, warum ich zugestochen habe", hatte der Angeklagte gesagt. Er erinnere sich nicht mehr an die Tat. Als er den leblosen Körper seines Nachbars gesehen habe, sei er jedoch in Panik geraten und habe versucht, die Spuren zu verwischen, indem er ein Feuer legte.

Sowohl in seinem Eröffnungs-, als auch in seinem Schlussplädoyer zeichnete Verteidiger Markus Abwerzger ein Bild eines schwer alkohol- und tablettenabhängigen Mannes. "Zum Tatzeitpunkt hatte mein Mandant rund 1,5 Promille", sagte Abwerzger. Außerdem habe er vor der Tat sehr viele Tabletten eingenommen.

Psychiater Reinhard Haller stellte in seinem Gutachten jedoch klar, dass der Angeklagte sehr wohl zurechnungsfähig gewesen sei. Er habe zwar eine höhergradige Persönlichkeitsstörung und ein Suchtproblem, weise aber trotzdem keine Geisteskrankheit auf, so Haller. Der 45-Jährige sei jedoch süchtig nach einem Beruhigungsmittel, das gleichzeitig auch Ängste nehme. "Er hat von diesem Medikament 100 und mehr Stück pro Tag genommen, eine Dosis, die jeden normalen Menschen töten würde", erklärte der Psychiater.

Der Pensionist starb laut einem gerichtsmedizinischen Gutachten an erheblichem Blutverlust. Die Leiche des Getöteten habe insgesamt 13 Schnitt- und Stichverletzungen am Rücken und am Hals aufgewiesen. Den Brand, den der 45-jährige Beschuldigte nach der Tat entfacht hatte, habe das Opfer nicht mehr erlebt, meinte der Gutachter.

Der 63-jährige Pensionist war am 14. November 2014 im Zuge der Löscharbeiten tot in der Wohnung in der Reichenauer Straße gefunden worden. In der folgenden Nacht war der 45-Jährige in einer Pizzeria nahe dem Wohnhaus festgenommen worden.