Erstellt am 09. Mai 2016, 12:57

von APA/Red

Platini trat nach "Ungerechtigkeit" als UEFA-Chef zurück. Europas Fußball-Union ist auf der Suche nach einem neuen Präsidenten.

Platini hofft, dass sein Einspruch angenommen wird.  |  NOEN, APA (AFP)

Michel Platini hat sein Amt am Montag zurückgelegt. Vorausgegangen war dem eine Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshofs CAS im Einspruchsverfahren des Franzosen. Dieser reduzierte die vom Fußball-Weltverband (FIFA) verhängte Sperre um zwei auf vier Jahre. Für Platini zu wenig, um in sein Amt zurückzukehren.

Der einstige Weltklassespieler war vom Weltverband ebenso wie der frühere FIFA-Chef Joseph Blatter für sechs Jahre gesperrt worden. Hintergrund ist eine dubiose Zahlung in Höhe von zwei Millionen Franken von Blatter an Platini im Jahr 2011. Wie der CAS nun meinte, sei die Sanktion "zu hart" ausgefallen. Blatters Fall soll zu einem späteren Zeitpunkt in diesem Monat in Lausanne verhandelt werden.

Für Platini war mit dem Spruch des CAS das Ende der Karriere als Fußball-Funktionär besiegelt. Er kündigte an, vor Schweizer Zivilgerichten gegen die Entscheidung, die Sperre gegen ihn im Kern zu bestätigen, vorgehen zu wollen. "Ich nehme die Entscheidung des CAS zur Kenntnis, halte sie aber für eine gravierende Ungerechtigkeit", hieß es in der Stellungnahme.

Brisante Causa verhandelt

Mehrere Stunden hatten die CAS-Richter am 29. April getagt, um die brisante Causa zu verhandeln. "Ich habe die Wahrheit erklärt. Es gibt nichts, was ich mir vorwerfen müsste", hatte Platini nach der Anhörung gesagt. Das beteuert der Franzose seit dem 8. Oktober, damals wurden Verfahren der Ethikkommission gegen ihn und Blatter eingeleitet.

Laut des Funktionärs-Duos war die Zahlung verspätetes Gehalt für Platinis Dienste um die Jahrtausendwende. Verbucht wurde die Summe in den FIFA-Büchern aber nicht. Die durch die Ethikkommission des Weltverbands ausgesprochene Sperre von acht Jahren wurde durch die Berufungskammer auf sechs Jahre reduziert.

In einem Urteilsspruch bestätigte der CAS, von der Rechtmäßigkeit der Zahlung von Blatter an Platini "nicht überzeugt" zu sein. Zudem soll Platini von der Verlängerung eines Altersvorsorge-Plans profitiert haben, "zu der er nicht berechtigt war". Die Kammer halte eine lange Sperre "im Lichte der Spitzenfunktion von Herrn Platini, der Abwesenheit jeglicher Reue und des Einflusses dieser Sache auf den Ruf der FIFA" für gerechtfertigt. Die Entscheidung der Richter sei einstimmig erfolgt.

Sperre auf vier Jahre reduzieren

"Auf der Grundlage dieser Ergebnisse befand die CAS-Kammer die Sperre, die von der FIFA gegen Mr. Platini verhängt worden war, dennoch für zu hart und entschied daher, diese Sperre auf vier Jahre zu reduzieren", hieß es weiter. Dies stehe in Einklang mit der Dauer der Amtszeit eines Präsidenten.

Für Platini hätte sich nur bei einer deutlicheren Reduktion der Sperre die Chance auf eine Rückkehr in den Chefsessel der UEFA ergeben. Für den 18. Mai hat Europas Kontinentalverband eine Sondersitzung seines Exekutivkomitees anberaumt. Dort wird wohl auch über das Prozedere der Präsidentenneuwahl beratschlagt.

Die UEFA wird vorerst keinen Interimschef ernennen. Das Exekutivkomitee der UEFA werde sich am 18. Mai in Basel treffen, um über die nächsten Schritte und den Zeitplan für einen Wahlkongress zu beraten. Das teilte die UEFA am Montag mit.