Erstellt am 14. Juni 2016, 11:43

Politik und Bauern suchen bei Milchgipfel Weg aus der Krise. Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter (ÖVP) hat für Dienstagvormittag zu einem Milchgipfel ins Parlament geladen, um die dramatische Lage der Milchbauern zu diskutieren.

 |  NOEN, APA

Mit dabei sind Vertreter der politischen Parteien und Bauern, Sozialpartner, Milchverarbeiter und Lebensmittelhändler sowie Experten. Beim sogenannten "Milchdialog" sollen Maßnahmen für die Milchwirtschaft erarbeitet werden.

Bauern erhalten heute für konventionell erzeugte Milch um 30 Prozent weniger als noch vor zwei Jahren. Bei Heu- und Biomilch - rund ein Fünftel der Milchproduktion - ist die Lage entspannter, weil die Milchbauern dafür noch deutlich mehr Geld erhalten. Anfang April 2015 sind die Milch-Produktionsbeschränkungen in der EU aufgehoben worden. Seitdem liefern die Bauern deutlich mehr Milch an die Molkereien.

Beim heutigen "Milchdialog" im Parlament gehe es einerseits um "kurzfristige Unterstützung" für die Bauern, andererseits um "mittel- und langfristige Zukunftsperspektiven", sagte Rupprechter vor Beginn des Gipfels. Den Vorschlag des Bauernbundes die Sozialversicherungsbeiträge für die Bauern für ein Quartal zu erlassen, bezeichnete Rupprechter als "sehr guten Vorschlag". Auf europäischer Ebene plädiert der Landwirtschaftsminister für einen Lieferverzicht, um die Überproduktion zu reduzieren. Langfristig seien die Marktaussichten für die Milchbauern in Europa und international aber "nicht schlecht", so Rupprechter.

Hoffen auf "Strategie für einen besseren Milchpreis"

Für Bauernbund-Chef Jakob Auer würden eine Stundung der Agrarinvestitionskredite, ein kurzfristiger Erlass der Sozialversicherungsbeiträge und Maßnahmen bei Milch-Transportzuschüssen die Lage der Milchbauern verbessern. Die Molkereien sollten auch mit den Milchbauern gemeinsam eine "Mengenregulierung" vereinbaren, um eine Überproduktion zu verhindern. Vom Gipfel erhofft sich Auer eine "Strategie für einen besseren Milchpreis".

Der Landwirtschaftssprecher der Grünen, Wolfgang Pirklhuber, forderte vor Beginn des Milchgipfels die Einführung eines Bonus-Malus-Systems, um Milchbauern zu belohnen, die freiwillig weniger produzieren. Betriebe mit "Turbokühen" müssten hingegen Strafzahlungen (Malus) leisten. Den Erlass der Sozialversicherungsbeiträge für ein Quartal bezeichnete Pirklhuber als "Not-Not-Maßnahme" und als "Almosen". Es sei "keine Lösung des Milchmarkt-Dilemmas" und "Ausdruck einer schlechten Agrarpolitik".

Der heimische Molkereiverband kann sich zur Stabilisierung des Milchpreises nur ein Mengendeckelungssystem auf europäischer Ebene vorstellen. Eine Begrenzung nur in Österreich mache keinen Sinn, weil Österreich nur zwei Prozent der Milchmenge in der EU produzierte, so Helmut Petschar, Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter (VÖM), am Rande des Milchgipfels im Parlament.

Wenn die Molkereien in Österreich weniger Milch verarbeiteten, dann würden ausländische Molkereien verstärkt die österreichische Nahrungsmittelindustrie beliefern, so der VÖM-Präsident und Direktor der Kärntner Milch. Petschar verteidigt die Kostenstruktur der heimischen Molkereien und sieht keinen Handlungsbedarf. Weil die Milch auch von Bauern mit 10 Kühen abgeholt werde und gentechnikfreie Fütterung garantiert sei, habe man höhere Kosten. "Die Milch nicht mehr abzuholen, wäre eine Katastrophe."

Die verhältnismäßig kleine Gmundner Molkerei hat im Frühjahr eine Milchmengenbegrenzung eingeführt: Sie nimmt die im Vorjahr von den Bauern angelieferte Jahresgesamtmenge her und dividiert diese durch zwölf. Dann wird darauf aufbauend ein Bonus-Malus-System angewendet. Je nachdem, wie viel der einzelne Bauer im Zwölftel-Vergleich anliefert bekommt er je Liter Milch einen Bonus oder Malus.