Erstellt am 17. Mai 2017, 11:59

von APA Red

Lebensgefährten mit Messer getötet. Eine 40-jährige Frau, die stark betrunken in Linz ihren Freund erstochen haben soll, hat sich am Mittwoch vor Gericht verantworten müssen.

Der Angeklagten wird Mord vorgeworfen  |  APA

Die Staatsanwaltschaft wirft ihr Mord vor, der Verteidiger sieht fahrlässige Tötung. Die Angeklagte selbst will sich nur teilweise erinnern können. Sie vermute, dass sie sich selbst verletzten wollte und der Mann versucht hat, ihr das Messer abzunehmen.

Das bisherige Leben der Angeklagten war geprägt von Gewalt und Sucht: Schwere häusliche Gewalt durch den Vater sowie ihre bisherigen Partner, Alkoholkonsum seit sie 13 Jahre alt ist, Tablettensucht, phasenweise auch andere Drogen, unerfüllter Kinderwunsch und eine schwere Krankheit, immer wieder Selbstverletzungen. 2012 lernte sie in einem Entzugsprogramm das spätere Opfer kennen und lieben - der erste Mann, der sie nicht geschlagen hat und sich um sie kümmerte. Auch er hatte allerdings Alkoholprobleme.

Am 1. Juli des Vorjahres erhielt der 53-Jährige die Kündigung seines Dienstgebers. Er sei niedergeschlagen gewesen, sie habe aber versucht, ihn aufzubauen, berichtete die Frau. Dann wurde den Tag und den Abend über jede Menge getrunken. Kurz vor 3.00 Uhr soll sie ihm ein Küchenmesser mit 15 Zentimeter langer Klinge, mit dem sie zuvor Käse geschnitten hatten, in die Brust gestoßen haben. Anschließend rief sie Polizei und Rettung. Der Mann verblutete, die Frau ließ sich widerstandlos festnehmen. Es gab nur einen einzigen Stich. Keiner der beiden wies Abwehrverletzungen auf. Die Angeklagte hatte 1,96 Promille und große Mengen an Medikamenten bis hin zu Opiaten intus, das Opfer 2,82 Promille.

Die Angeklagte, die laut psychiatrischer Sachverständiger zurechnungsfähig ist, habe nicht planmäßig gehandelt, sondern eine Impuls-Tat gesetzt, so die Staatsanwältin. Sie könne zur Zeit vor und nach der Tat detaillierte Angaben machen, aber an den Messerstich selbst wolle sie sich nicht erinnern können.

Die Angeklagte tischte dann vor Gericht eine neue Version auf. Sie habe zuletzt "Flashbacks" gehabt und könne sich an Teile erinnern, an andere nicht. Sie erklärte die Tat folgendermaßen: Aufgrund ihrer Gewalterfahrungen ritzt sie sich seit Jahren. Der 53-Jährige habe immer wieder versucht, sie davon abzuhalten. So dürfte es auch in der Tatnacht gewesen sein, vermutet sie. Sie habe das Messer an ihrem Knöchel angesetzt, daran könne sie sich erinnern. Sie gehe davon aus, dass er es ihr entwenden wollte und bei dem Gerangel den Messerstich abbekommen habe.