Erstellt am 09. August 2016, 09:34

von APA Red

Erdogan reist zu Putin nach St. Petersburg. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan reist am Dienstag zu Gesprächen mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin nach St. Petersburg. Das Treffen soll eine monatelange schwere Krise zwischen den Ländern endgültig beenden.

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Die Türkei hatte Ende November ein russisches Kampfflugzeug im Grenzgebiet zu Syrien abgeschossen. Moskau verhängte daraufhin Sanktionen etwa in der Tourismusbranche gegen Ankara. Ende Juni hatte Erdogan in einem Brief sein Bedauern über den Abschuss bekräftigt. Bei dem Treffen wollen Putin und Erdogan auch über milliardenschwere Energieprojekte sprechen. Für den türkischen Präsidenten ist es die erste Auslandsreise seit dem Putschversuch vom 15. Juli, der ihn entmachten sollte.

Nach Ansicht des Historikers Michael Wolffsohn will Putin einen Keil zwischen die Türkei und den Westen treiben. Durch die angestrebte Annäherung zwischen Moskau und Ankara wolle Putin "natürlich" die EU und die NATO schwächen, hob der Publizist und Nahostexperte hervor. Allerdings hält Wolffsohn den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan nicht für einen langfristig verlässlichen Partner für Moskau.

Erdogans "Zick-Zack-Kurs" zum Machterhalt

Der türkische Staatschef fahre eine "Zick-Zack-Linie", urteilte Wolffsohn. "Bei Erdogan ist nichts dauerhaft, nur das Ziel, seine persönliche Macht zu erhalten und auszubauen." Putin hingegen habe eine klare Strategie. "Weil aber Erdogan heute hü und morgen hott sagt, ist er für Putin nur von Fall zu Fall ein interessanter Partner", fügte der Publizist hinzu. Einer dauerhaften Allianz gibt Wolffsohn daher keine Chance: "Allianzen schließt man für längere Zeit."

Als Beispiele für die Unstetigkeit des türkischen Präsidenten nannte Wolffsohn vor allem den Umgang mit autokratischen Staatsführern. So habe Erdogan Syriens Präsidenten Bashar al-Assad sowie den libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi und auch Ägyptens Staatschef Hosni Mubarak zuerst "umgarnt" - um sich dann von ihnen abzuwenden. Auch im Umgang mit Israel sei Erdogan mal auf Kooperation und dann auf Konfrontation aus. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) habe Erdogan ebenfalls erst "gewähren" lassen, um sie nun "an die Leine" zu nehmen.

Syrien-Konflikt als großes Hindernis

Der Syrien-Konflikt ist für den Historiker Wolffsohn ohnehin ein großes Hindernis für eine ernsthafte Annäherung zwischen Russland und der Türkei. Putin sei der wichtigste Verbündete Assads - "den bekriegt aber Erdogan". Zwischen Ankara und Moskau werde es daher nur eine taktische und keine strategische Zusammenarbeit geben, erklärte der Experte.

Die Türkei sei ihrerseits auf Gelder und Investitionen der EU sowie auf westliche Touristen angewiesen. Außerdem habe der türkische Staatschef zuletzt mehrfach um NATO-Hilfe gebeten und diese auch bekommen. "Russland hat ihm weniger zu bieten", erklärte Wolffsohn. "Ohne EU und NATO käme die Türkei in Teufels Küche."

Der Experte ist unter anderem Autor des Buches "Zum Weltfrieden". Wolffsohn lehrte mehrere Jahrzehnte lang Geschichte an der Universität der Bundeswehr München.