Erstellt am 25. Juli 2016, 13:40

Polizei hob internationalen Schlepper-Ring aus. Die Salzburger Polizei hat gemeinsam mit dem Bundeskriminalamt und Kollegen aus Polen, Deutschland und Ungarn einen internationalen Schlepper-Ring ausgehoben.

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Die Bande schmuggelte nachweislich rund 200 Migranten, soll aber nach Berechnungen der Polizei im vergangen Jahr mehr als 1.000 Menschen illegal über die Grenze gebracht haben. Seit September 2015 wurden insgesamt 17 Verdächtige verhaftet.

Wie die Polizei am Montag bei einem Mediengespräch mitteilte, wurden die Flüchtlinge per Pkw in Kleingruppen von drei bis vier Personen transportiert. Österreich war zum Großteil Transitland, die meisten illegalen beförderten Menschen wurden von Ungarn weiter nach Deutschland und in weitere EU-Länder befördert. Die Migranten kamen vorwiegend aus Syrien, Afghanistan, dem Irak und dem Iran. In den vergangenen zehn Monaten haben sich die Ermittler Stück für Stück zum Kern der Gruppe vorgearbeitet. Für die Hintermänner klickten am vergangenen Donnerstag die Handschellen, die Polizei schloss weitere Festnahmen nicht aus.

Der Auftakt zum aktuellen Schlag gegen die Bande war ein Zugriff der Schengenfahnder am 5. September 2015 in der Stadt Salzburg. Die Polizei nahm damals auf einem Parkplatz eines Supermarktes einen polnischen Schlepper und 17 illegale Migranten fest. Einem zweiten Pkw mit polnischem Kennzeichen gelang die Flucht. Als Beamte Fotos aus Radaranlagen entlang des vermuteten Festwegs abglichen, stellten sie fest, dass ein Konvoi aus vier Fahrzeugen mit Flüchtlingen unterwegs gewesen ist.

Bei den Fahrern der Autos handelte es sich um Polen, ergaben die Ermittlungen. Die Salzburger Polizei schaltete ihre Kollegen in Polen ein, die am 11. Mai 2016 die drei noch flüchtigen Schlepper festnahmen und einen weiteren Polen (39) inhaftierten. "Wir haben rasch festgestellt, dass das keine lokale Gruppe ist, sondern ein internationaler Zusammenhang besteht", sagte Gerald Tatzgern, der Leiter der zentralen Schlepperbekämpfung beim Bundeskriminalamt.

Denn der 39-Jährige war Bindeglied zu einer Schlepper-Organisation fast ausschließlich in Österreich lebender Tschetschenen und warb in Polen für "Flüchtlingstransporte" und für die Strecke Budapest-Wien gezielt Fahrer an. Dabei stelle er Lenkern eine Bezahlung von 700 Euro in Aussicht, wobei 200 Euro im Voraus als "Benzingeld" bezahlt wurden. Die zentrale Figur der österreichischen Bande war ein 39-jähriger Tschetschene, der selbst als Chauffeur tätig war und von den Flüchtlingen direkt vor Fahrtantritt in Budapest den Fuhrlohn kassierte.e, der selbst als Chauffeur tätig war und von den Flüchtlingen direkt vor Fahrtantritt in Budapest den Fuhrlohn kassierte.

Für die Fahrt nach Wien zahlten Migranten 300 Euro pro Person, von Ungarn nach Deutschland zwischen 700 und 800 Euro, von Wien nach Frankreich waren etwa 2.400 Euro fällig. "Das Schleppen ist in den vergangenen Monaten nicht billiger und nicht teurer geworden", erklärte Tatzgern. "Es handelt sich nach wie vor um ein sehr einträgliches Geschäft."

Bei der Organisation der Fahrten bediente sich die Gruppe gewisser Codes. Wurden Erwachsene geschleust, war von "Paletten" die Rede, Kinder hießen "kleinere Paletten". Ging es um Geld, wurde von "Papieren" gesprochen. Einzelne Transportfahrten galten als "Fleischlieferung".

Gemeinsam mit den Polizeibehörden in Ungarn gelang es schließlich, einen weiteren Hintermann zu identifizieren - einen 44-jährigen Syrer, der meist von einem Hotel in Budapest aus die Fäden zog. "Er hat Mittelsmänner, Fahrer und Migranten gesucht. Und er machte den Tschetschenen den hohen Profit beim Schleppen schmackhaft", berichtete Tatzgern. "Er sagte, die Arbeit sei gefahrlos, die Chance von der Polizei erwischt zu werden gering."

Schließlich entschloss sich die Polizei, am 7. Juli gezielt einen Schlepper-Konvoi aus fünf Fahrzeugen aus dem Verkehr zu ziehen. "Wir haben die Fahrzeuge unauffällig nach und nach gestoppt", erklärte Tatzgern. Nach dem Grenzübertritt nach Österreich wurden zwei Autos in Niederösterreich, zwei in Salzburg und ein Fahrzeug in Bayern aus dem Verkehr gezogen. Die Lenker - drei Tschetschenen und zwei Deutsche im Alter von 27 bis 42 Jahren - sitzen seit dem in Salzburg und Bayern in U-Haft.

Der entscheidende Schlag gelang aber am 21. Juli. In einem akkordierten mehrstündigen Zugriff mit mehr als 100 Beamten und Einsatzkräften der Cobra in Österreich, Budapest und Berlin nahm die Polizei weitere sieben Personen fest - darunter der 44-jährige Syrer und der 39-jährige Tschetschene. Außerdem wurden bei zwölf Hausdurchsuchungen unzählige Mobiltelefone, Schusswaffen, Bargeld, Schmuck und eine Maske sichergestellt.

"Wir prüfen derzeit, ob die Bande auch für andere Straftaten infrage kommt", sagte der Salzburger Polizeidirektor Franz Ruf. "Derzeit werden auch die Telefone forensisch ausgewertet." Möglicherweise lassen sich so Hinweise finden, die zu weiteren Schleppern führen. Die Polizei erhofft sich etwa Rückschlüsse auf eine Banden-Zwischenhierarchie, die vermutlich am ganzen Balkan tätig ist.