Erstellt am 11. November 2015, 10:54

Slowenien beginnt mit Errichtung von Grenzzaun. Slowenien hat am Mittwoch in der Früh damit begonnen, wie angekündigt einen Zaun an der Grenze zu Kroatien zu errichten.

 |  NOEN, APA (AFP)

Stacheldrahtzaun wurde von slowenischen Soldaten zunächst in der südöstlichen Grenzgemeinde Brezice sowie im Nordosten des Landes in der Gemeinde Razkrizje ausgelegt, berichteten lokale Medien.

Die Behörden geben an, mit dem Grenzzaun unkontrollierte Grenzübertritte verhindern zu wollen und den Flüchtlingsstrom auf die vorgesehenen Eintrittspunkte lenken zu wollen. Mit dem Zaun sollen jene kritischen Strecken abgesichert werden, wo in den vergangenen Wochen bereits Flüchtlinge über die Grüne Grenze kamen.

Wie lang der Zaun an der insgesamt 670 Kilometer langen slowenisch-kroatischen Grenze sein soll und wo genau er errichtet wird, wollten die Behörden bisher nicht mitteilen. Früheren Medienberichten zufolge soll Slowenien bisher 125 Kilometer Zaun angeschafft haben.

Der Stacheldrahtzaun wurde am Mittwoch auch rund um den Grenzort Rigonce (Gemeinde Brezice) entlang des Grenzfluss Sotla aufgestellt, berichten die Journalisten vor Ort. Noch vor zwei Wochen kamen dort tausende Flüchtlinge über Felder und Wiesen aus Kroatien an.

Solche zerstreute Übertritte will Ljubljana mit dem Grenzzaun, der von Polizisten und Soldaten auch bewacht wird, verhindern. Man wolle damit Erfahrungen aus den vergangenen Wochen vorbeugen, wo Kroatien die Flüchtlinge über verschiedene, nicht vereinbarte Punkte über die Grenze geschickt habe, hieß es aus Kreisen der Regierung.

Ljubljana beteuert, mit dem Zaun die Grenze nicht dicht zu machen, sondern den Zustrom damit lediglich lenken zu wollen. Die bisherigen vorgesehenen Eintrittspunkte an der Grenze zu Kroatien würden nach wie vor funktionieren, hieß es.

In Slowenien hofft man, dass dieser Schritt auch ähnliche Maßnahmen weiter südlich auf der Balkanroute (in Kroatien, Serbien und Mazedonien) nach sich ziehen wird. Dies würde zu einem besser kontrollierten Flüchtlingsstrom entlang der gesamten Route führen, hieß es.

Inzwischen sind am Mittwoch bis in der Früh rund 2.200 Flüchtlinge nach Slowenien gekommen. Am Dienstag wurden knapp 7.500 Ankünfte gezählt, rund 6.600 Menschen verließen das Land am selben Tag wieder Richtung Österreich.

Kroatien hat auf die Entscheidung Sloweniens, einen Zaun an der Grenze zu Kroatien zu errichten, abwartend reagiert und versucht seine Bürger zu beruhigen. Das Land sei vorbereitet, auf jede Situation zu reagieren, erklärte die kroatische Regierung laut der Nachrichtenagentur Hina in einer Aussendung. Das Land werde "alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um die Staatsinteressen zu schützen".

Die kroatischen Bürger könnten beruhigt sein, hieß es demnach in der Presseerklärung am Dienstagabend. Der kroatische Premier Zoran Milanovic habe am Dienstag mit seinem slowenischen Amtskollegen Miro Cerar über die Entscheidung der Regierung des Nachbarlandes gesprochen. Die beiden Regierungschefs hätten vereinbart, die Kooperation ihrer beiden Staaten bei Aufnahme und Transit der Flüchtlinge fortzusetzen.

Die Stimmung zwischen Kroatien und Slowenien ist wegen des Umgangs mit den Flüchtlingen angespannt. Die Regierung in Ljubljana hat Zagreb wiederholt vorgeworfen, sich nicht an die Absprachen zu halten und unkontrolliert Menschen weiter nach Slowenien zu leiten.