Erstellt am 19. September 2015, 10:01

Slowenien zur Aufnahme von bis zu 10.000 Flüchtlingen bereit. Slowenien ist laut seiner Botschafterin in Deutschland zur Aufnahme von bis zu 10.000 Flüchtlingen bereit. "Wenn die Flüchtlinge bei uns Asyl beantragen, nehmen wir sie auf und schützen sie", sagte Marta Kos Marko der "Rheinischen Post". In Südostslowenien wurden unterdessen bis Freitag Mitternacht laut offiziellen Angaben insgesamt 1.100 Flüchtlinge von der Polizei aufgegriffen.

 |  NOEN, APA (epa)

Slowenien habe Kapazitäten für "bis zu 10.000 Flüchtlinge", so die Botschafterin. Wenn mehr Menschen aufgenommen werden sollten, müsse Slowenien aber um europäische Hilfe bitten. Seit Ungarn seine Grenze zu Serbien vor einigen Tagen komplett dicht gemacht hatte, versuchen tausende Flüchtlinge in Serbien, durch Kroatien weiter Richtung Nordwesten zu gelangen. Damit wird auch Slowenien verstärkt zum Transitland. Am Freitag registrierten die slowenischen Behörden etwa tausend Flüchtlinge, Hunderte weitere warteten noch am kroatisch-slowenischen Grenzübergang Obrezje nahe Zagreb.

Die slowenische Botschafterin versicherte im Gespräch mit der "Rheinischen Post", ihr Land werde "nach den Regeln der Abkommen von Schengen und Dublin handeln". Auch Slowenien habe zu Kriegszeiten "Solidarität erfahren". Im Jahr 1991 seien Österreich und Italien zur sofortigen Hilfe bereit gewesen. Daher habe ihr Land eine "moralische Pflicht", nun ebenfalls zu helfen, sagte die slowenische Diplomatin.

In Südostslowenien, wo der Druck auf die grüne Grenze aus Kroatien am stärksten ist, wurden unterdessen bis Freitag Mitternacht laut offiziellen Angaben insgesamt 1.100 Flüchtlinge von der Polizei aufgegriffen. Nach ihrer Registrierung wurden sie in Aufnahmezentren im ganzen Land verteilt, hieß es aus der Polizeibehörde Novo mesto Samstag früh. Unklar bleibt vorerst, wie viele noch an den für sie dichtgemachten Grenzübergängen festsitzen.

Wie sich bei einem APA-Lokalaugenschein zeigte, verbrachten in Obrezje bis zu 1.000 Flüchtlinge die Nacht unter freiem Himmel an einem Lkw-Terminal, wo die Polizei den Eingang in das Land mit Zaun und Bereitschaftspolizei versperrte. Zuvor hatte die Polizeisprecherin Alenka Drenik am Abend die Zahl der Wartenden mit 600 bis 700 Menschen beziffert.

Der Übergang, der am Freitagabend geschlossen wurde, weil die Flüchtlinge entlang der Autobahn marschierten, wurde wieder für den Verkehr geöffnet. Der Lkw-Verkehr wurde lahmgelegt. Auch die Sperre für die Züge aus Kroatien bleibt weiterhin aufrecht.

Auch am kleinem Grenzübergang Rigonce mussten bis zu 300 Menschen im Freien übernachten, nachdem der aufgestellte Polizeikordon dicht blieb. Laut Augenzeugenberichten protestierten dort Samstagfrüh rund 70 Flüchtlinge dafür, ins Land eingelassen zu werden.

In Rigonce war es am Freitagabend zur Eskalation gekommen, als die Polizei Tränengas gegen die demonstrierenden Flüchtlinge und Aktivisten aus Slowenien und Kroatien einsetzte. Die Polizei erklärte im Nachhinein, dass das Tränengas nicht gegen die Flüchtlinge eingesetzt wurde, sondern gegen gewalttätige Aktivisten, die versucht hätten, die aufgestellten Bereitschaftspolizisten zurückzudrängen. Die Aktivisten hätten die Polizeibeamten mit Stöcken und Plastikflaschen beworfen, hieß es.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker bot indessen Kroatien Hilfe in der Flüchtlingskrise an. Wie die EU-Kommission am späten Freitagabend mitteilte, sicherte Juncker in einem Telefongespräch dem kroatischen Ministerpräsidenten Zoran Milanovic technische und logistische Unterstützung der EU zu. Juncker und Milanovic hätten die Notwendigkeit unterstrichen, die EU-Außengrenzen besser zu schützen. Beide hoffen zudem auf rasche Fortschritte in der Frage der Solidarität zwischen den EU-Mitgliedsstaaten bei der Bewältigung der Krise, die am kommenden Dienstag auf der Tagesordnung der Sitzung der EU-Innenminister steht.

Unterdessen knirscht es zwischen den EU-Mitgliedern Kroatien und Ungarn in der Flüchtlingsfrage. Die Flüchtlingstransporte von Kroatien nach Ungarn sind offensichtlich nicht zwischen den Nachbarn koordiniert. "Ohne jegliche Absprache sind 1.000 Migranten mit dem Zug nach Magyarboly gebracht worden", sagte Ungarns Regierungssprecher Zoltan Kovacs am späten Freitagabend im ungarischen Grenzort Beremend. Die 40 kroatischen Polizisten, die den Zug begleiteten, seien entwaffnet, der Lokführer festgenommen worden, fügte der Sprecher hinzu. Eine kroatische Polizeisprecherin dementierte dies jedoch.

Kroatien hatte am Freitag erklärt, den Flüchtlingsandrang nicht mehr bewältigen zu können. Ungarn hatte am letzten Dienstag seine Grenze zu Serbien für Flüchtlinge abgeschottet. Seitdem kamen aus Serbien mehr als 15.000 Menschen nach Kroatien, um von dort weiter nach Westeuropa zu gelangen.

Die deutsche Bundespolizei hat am Freitag an der deutsch-österreichischen Grenze rund 2.000 ankommende Flüchtlinge gezählt. Das waren rund 1.700 Menschen weniger als am Donnerstag; bereits am Mittwoch war die Zahl der Migranten deutlich zurückgegangen. Zudem wurden am Freitag drei Schlepper festgenommen, wie ein Sprecher der Bundespolizei Rosenheim am Samstag sagte.

Am Hauptbahnhof in München war es am Samstag zunächst ruhig. Für den Vormittag rechnete eine Sprecherin der Bundespolizei mit bis zu 150 ankommenden Flüchtlingen. Da zugleich zum Auftakt des Oktoberfestes zahlreiche auswärtige Besucher erwartet werden, wollen die Behörden die Züge mit Flüchtlingen um München herumleiten.