Erstellt am 17. August 2016, 19:14

Doppler: "Schulterklopfer wieder da". Mit jedem Tag, der bei den Sommerspielen in Rio de Janeiro ohne österreichische Medaille vergangen war, wurden die kritischen Stimmen lauter. Die Situation erinnerte an jene vor vier Jahren in London.

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Am elften Bewerbstag wurde der Bann in Brasilien mit Bronze durch die Segler Thomas Zajac/Tanja Frank gebrochen. Österreichs Sportler wehren sich gegen die Abkanzelung als "Olympiatourist".

"Es tut weh, das als Sportler zu lesen, einfach weil ich ganz genau weiß, was dahintersteckt. Auch weil ich ganz genau weiß, wie es auf das Momentum ankommt. Wir hätten hier auch mit dem Start, mit der Performance, mit der Leistung von den ganzen Spielen auch Sechster oder Siebenter gesamt werden können, obwohl wir unsere Leistung gebracht haben. Auf dem Level ist das einfach so", meinte Nacra-17-Steuermann Zajac, der den Druck gespürt hatte.

Es kommt aufs Momentum an

"Mein eigener Druck war schon so hoch, dass sich der andere Druck nicht überlagert hat. Aber es hat es natürlich auch nicht besser gemacht", erklärte Zajac. "Österreich hat jetzt auch nicht die mega-vielen Sportler da, dass wir jetzt sagen könnten, wir können uns über die Breite die Erfolge holen. Hut ab vor allen, die sich für die Spiele qualifiziert haben. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie verdammt schwer das ist. Und dann kommt es eben aufs Momentum an. Dieses Mal war es halt auf unserer Seite."

Beach-Volleyballer Alexander Horst merkte in einer Aussendung an, dass man durch die Qualifikation in direkten Duellen gegen viele andere Nationen oder über Zeitlimits zu den Besten der Welt gehöre und es verdient habe, bei den Spielen anzutreten. "Ein frühes Aus ist weder peinlich noch sonst irgendwas. ... Wenn nur noch Sportler mit einer sehr hohen realistischen Medaillenchance als echte Profis bezeichnet werden und bei den Spielen antreten, dann werden bald nur mehr eine Handvoll Athleten starten."

Eine Bronzene, die golden glänzt

Kollege Clemens Doppler konnte sich eine Portion Zynismus nicht verkneifen. "Jetzt haben 'wir' endlich die erhoffte Medaille! Eine Bronzene, die golden glänzt! Freu mich sehr für die beiden!!!! Jetzt sind sie wieder da, die Schulterklopfer, die 'wir haben's schon immer gewusst'-Sager", schrieb er auf Facebook.

Nachsatz: "Was mich aber interessieren würd' - was wär gewesen, hätte man die Bronzene hauchdünn verpasst?! Wär dann plötzlich alles schlecht?!" Hätte dann so manches Qualitätsblatt in Österreich berichtet, dass die Segler die verpasste Medaille mit Gratisessen im Österreichhaus feiern?, fügte er hinzu.

Jeder gibt alles, riskiert alles

Einen Bericht dieser Art gegen den Florettfechter Rene Pranz (Niederlage im ersten Gefecht) hatte sich beispielsweise Ringer Amer Hrustanovic sehr zu Herzen genommen. "Wenn es nach den Leuten geht, sind wir eh nur Touristen. Aber mir egal, was die sagen. Das sind Olympische Spiele, da hat man nicht so ein Los, dass man einfach durchmarschiert. Das ist keine Landesmeisterschaft, jeder Kampf ist schwierig", sagte er nach dem Ausscheiden im Viertelfinale. Jeder gebe alles, riskiere alles, wollte er angemerkt haben.

Peter Schröcksnadel, der Leiter des "Projekt Rio", das den Grundstein für Medaillen legen sollte, sagte, dass man aufpassen müsse, dass man das Geld gezielt dort einsetze, wo Athleten gut sind. "Die den unbedingten Siegeswillen haben. Aber es waren auch ein paar dabei, die den nicht gehabt haben", merkte er ohne ins Detail zu gehen an.