Erstellt am 22. Oktober 2015, 16:47

von APA/Red

Absperrungen in Spielfelder Flüchtlingssammelstelle geöffnet. Der Druck von rund 2.000 Flüchtlingen in der Spielfelder Sammelstelle ist am Donnerstag - wie schon Mittwoch - zu groß geworden.

Tausende Warten in Slowenien auf Grenzübertritt nach Österreich  |  NOEN, APA (AFP)

In der Früh musste die Polizei die Absperrungen aus Sicherheitsgründen öffnen, weil die Menschen gegen sie drängten. "Verletzungen sollen vermieden werden", erklärte Polizeisprecher Fritz Grundnig. Viele machten sich unvorbereitet auf den Weg nach Deutschland.

Nachdem die Absperrungen der Sammelstelle Spielfeld geöffnet wurden, irrten Hunderte Flüchtlinge auf der B67, der Grazer Straße, herum. Sie riefen "We want to go Germany" und fragten, wie weit es sei und wie lange man dafür brauche. Immer wieder kamen auch Taxis mit Grazer Kennzeichen, die Migranten als Kunden mitnahmen. Um sie bildeten sich regelmäßig Menschentrauben. Zumindest 30 Taxis wurden am Vormittag gezählt, die über die Autobahn kamen und die Flüchtlinge mitnahmen.

Manche der Migranten kehrten aber auch zur Sammelstelle zurück. Einsatzkräfte versuchten ihnen in englischer Sprache und mit Dolmetschern zu erklären, dass Deutschland Hunderte Kilometer entfernt sei und sie noch Tage oder Wochen lang gehen müssten. Einige Migranten wollten mit dem Zug weiterreisen und suchten den Bahnhof Spielfeld. Die Exekutive bat die Menschen, zumindest am Vorplatz der Grenze zu warten.

Laut APA-Reportern ist die Polizei am Donnerstag besser auf den Durchbruch der Flüchtlinge vorbereitet gewesen. Sie wurden schon nach wenigen Hundert Metern bei einem Kreisverkehr zum Umkehren aufgefordert. Doch nicht alle hielten sich daran. Inoffiziellen Schätzungen der Einsatzkräfte zufolge hielten sich 3.000 bis 4.000 Flüchtlinge außerhalb der Sammelstelle auf. Bei der Sammelstelle standen am Vormittag mehrere Busse für den Weitertransport bereit.

Schützenhöfer: "Situation unannehmbar"

Der steirische Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP) machte sich selbst ein Bild von der Lage in der Flüchtlingssammelstelle in Spielfeld. Er bezeichnete im Pressegespräch vor Ort die Situation der vergangenen Stunden als "unannehmbar". Er habe mit Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) telefoniert und Polizeiverstärkung gefordert, was sie ihm auch versprochen habe. Er wolle die "Grenzen nicht dicht machen", aber man müsse sie schützen können, meinte der LH weiter. Es stünden so viele Busse wie noch nie zur Verfügung, mehr als in Nickelsdorf. Dennoch befanden sich gegen Mittag laut Polizei "Tausende Menschen" am Grenzübergang, eine nähere Schätzung war nicht möglich.

In Bad Radkersburg dagegen sei die Lage ruhig. Dort waren am Vormittag rund 500 Flüchtlinge. Sie sollten bald mit Bussen in Notquartiere gebracht werden. Auch in Spielfeld waren bereits wieder Weitertransporte angelaufen, dennoch hatte sich die Lage nicht entspannt. Seit den Abendstunden war die Stimmung laut Rotem Kreuz "aufgeheizt".

Im Laufe des Tages sollen in Spielfeld zwei weitere Zelte aufgestellt werden, die zusätzlich für mehr als 1.000 Personen Platz bieten sollen. In Bad Radkersburg ist die Sammelstelle derzeit leer, rund 1.000 Neuankünfte werden aber im Laufe des Tages erwartet.

Zugstrecke Sentilj-Spielfeld-Leibnitz eingestellt

Die Zugstrecke Sentilj-Spielfeld-Leibnitz musste am Vormittag eingestellt werden, da sich Flüchtlinge auch in den Gleisbereichen bewegten, erklärte ÖBB-Sprecher Christoph Posch. Ein Schienenersatzverkehr für Nah- und Fernreisende wurde eingerichtet. Wie lange die Züge nicht fahren werden, war am Vormittag nicht abschätzbar. Auf den Straßen in der Südsteiermark mussten Autofahrer immer wieder mit Flüchtlingen rechnen, daher sei erhöhte Vorsicht geboten, so die Einsatzkräfte.

In der Stadt Salzburg musste am Mittwochabend eine der drei Notunterkünfte für Flüchtlinge teilweise geräumt werden. Ein großer Teil der alten Asfinag-Autobahnmeisterei in Salzburg-Liefering kann wegen grober Baumängel der Gebäudedecken nicht länger genutzt werden. Das ergab die Überprüfung durch Bautechniker des Landes und die Baupolizei. Bereits am Donnerstag wurde deshalb dort mit der Errichtung von zwei großen, beheizbaren Zelten begonnen, teilte die Stadt mit.

Jedes Zelt bietet Platz für rund 300 Betten. Zusätzlich werden zwei kleine Versorgungszelte aufgestellt. In einer bestehenden Halle mit fester Betondecke können weitere 200 Betten untergebracht werden. Der Aufbau der Zelte erfolgt so rasch wie möglich durch die städtische Berufsfeuerwehr.

Für das Areal brauche es jetzt ein neues Nutzungskonzept, das Strom, Wärme, Sanitäranlagen, medizinische Versorgung, Verpflegung etc. berücksichtige. Darauf wurde in der routinemäßigen Lagebesprechung Donnerstagmittag hingewiesen. Angesichts des herannahenden Winters können die Zelte nur eine provisorische Notlösung sein.