Erstellt am 01. Oktober 2015, 13:25

von APA/Red

Frau sprang mit Kind aus dem Fenster: Einweisung in Anstalt. Eine 43-Jährige ist im November vergangenen Jahres in Graz mit ihrer kleinen Tochter aus einem Fenster im dritten Stock gesprungen.

 |  NOEN, Erwin Wodicka / wodicka@aon.at

Beide überlebten, und am Donnerstag stand die Frau für diese Tat vor Gericht. Da sie als nicht zurechnungsfähig eingestuft wurde, wurde vom Geschworenensenat nur die Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher verfügt.

Die Frau hat vier Kinder, von denen eines beim Vater in Oberösterreich ist. Zwei fast erwachsene Buben - Zwillinge - sowie ein sechsjähriges Mädchen lebten bei ihr in Graz. Sie fühlte sich immer stärker von ihrem Ex-Partner in Steyr bedroht. "Er hat immer wieder versucht, mir zu schaden", meinte die Frau vor Gericht unter Tränen. Was er genau gemacht haben soll, konnte sie aber nicht formulieren. Nur, dass er "Leute beauftragt" habe, herauszufinden, von wem die jüngste Tochter sei und in welchen Kindergarten sie gehe. "Ich habe gedacht, er will sie entführen."

Die Wahnvorstellungen bedrückten sie immer mehr, und als eines Tages einer der Söhne an der Eingangstüre rüttelte, weil er seinen Schlüssel vergessen hatte, drehte sie in ihrer Panik durch. Sie sprang mit der damals Fünfjährigen aus dem Fenster zwölfeinhalb Meter in die Tiefe und landete auf einem kleinen Rasenstück. Sie selbst wurde schwer verletzt, das Kind erlitt Frakturen der Augenhöhle, von Ober- und Unterkiefer, einen Becken-, einen Fuß- und Oberschenkelbruch sowie eine Schädelblutung. "Die Brüche sind glatt verheilt, die Kopfverletzung kann noch nachwirken", erläuterte die medizinische Sachverständige Regina Gatternig.

"Was ist da passiert, warum sind Sie gesprungen?", wollte Richterin Michaela Lapanje wissen. "Weiß ich nicht", antwortete die Befragte, die sich nach eigenen Angaben an nichts erinnern konnte. Sie wusste nur noch, dass sie die Polizeinummer in ihr Telefon eingetippt, aber nicht angerufen hatte - dann setze die Erinnerung erst Tage später im Krankenhaus wieder ein.

Gerichtspsychiater Manred Walzl hielt einen beabsichtigten "Mitnahmesuizid" durchaus für möglich. Er erklärte, die Frau habe auch jetzt nach fast einjähriger Behandlung in der Nervenklinik "nach wie vor Wahnideen". Sie sei "psychisch schwer krank" und leide unter anderem an einem "sensitiven Beziehungswahn". Es sei nicht auszuschließen, dass sie erneut eine ähnliche Tat begehen würde, so Walzl.

Die Geschworenen folgten dem psychiatrischen Gutachten und verfügten einstimmig eine Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher. Die Entscheidung ist nicht rechtskräftig.