Update am 08. April 2017, 14:00

von APA Red

Mann nach Lkw-Anschlag unter Terrorverdacht. Der nach dem Anschlag in Stockholm festgenommene Mann steht unter Terror- und Mordverdacht.

Mit diesem Truck fuhr der Täter in die Menschenmenge  |  APA/ag.

Die schwedische Polizei geht davon aus, dass bei dem Lkw-Anschlag in Stockholm ein wegen Terrorverdachts festgenommener Mann den Lastwagen steuerte. "Wir haben den Verdacht, dass der Mann, der festgenommen wurde, der Angreifer ist", sagte Polizeisprecher Lars Byström. Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Karin Rosander, teilte mit, dem Mann würden "terroristische Tötungen" zur Last gelegt.

Sie führte aus, dass das schwedische Strafrecht mehrere Verdachtsstufen vorsehe und dass für den Verdächtigen die höchste Verdachtsstufe gelte. Zur Identität des Verdächtigen wollte sich die Staatsanwaltschaft nicht äußern.

Nach dem Anschlag vom Freitag waren insgesamt zwei Männer festgenommen worden. Bei einem von ihnen handelt es sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft um einen am Freitagabend in Märsta, einer Kleinstadt im Norden von Stockholm, festgesetzten Mann, der wegen des Verdachts eines "Terroraktes" in Gewahrsam genommen wurde. Dieser Mann soll nach Aussage des Polizeisprechers die Tat begangen haben. Ein weiterer Mann war im Stockholmer Vorort Hjulsta festgenommen worden. Die Ermittler wollten sich aber nicht dazu äußern, ob die Festnahme im Zusammenhang mit dem Anschlag stehe.

Am Samstag sagte Polizeisprecher Byström, der in Märsta gefasste Mann sei zum jetzigen Zeitpunkt der einzige, der offiziell beschuldigt werde. Nach Informationen mehrerer schwedischer Medien handelt es sich um einen 39-jährigen Usbeken, der ein Anhänger der Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) sein soll.

Laut einem TV-Bericht haben die Ermittler nach dem Anschlag in dem Tatfahrzeug Sprengstoff gefunden. Dieser sei in einer Tasche entdeckt worden, berichtete der staatliche Sender SVT am Samstag unter Berufung auf Polizeikreise. Der Chef der schwedischen Sicherheitspolizei sagte dazu dem Sender TV4, er könne das nicht bestätigen.

Im Zentrum von Stockholm war am Freitagnachmittag ein Angreifer mit einem gestohlenen Lkw durch eine Einkaufsstraße gerast und hatte vier Menschen getötet, 15 weitere wurden verletzt. Unter den Verletzten sind nach Behördenangaben auch Kinder sowie neun Schwerverletzte. Der Anschlag ereignete sich gegen 15.00 Uhr an der Drottninggatan, der wichtigsten Einkaufsmeile Stockholms. Der Lkw raste die Fußgängerzone entlang und krachte schließlich in das Kaufhaus "Ahlens". In der Nacht auf Samstag ließ die Polizei den Lkw abtransportieren, hieß es.

Am Samstag herrschte in Stockholm Trauer. Die Flaggen am Königspalast, am Regierungssitz, am schwedischen Parlament und am Stockholmer Rathaus wurden auf halbmast gesetzt. Auf den Straßen im Stadtzentrum waren in der Früh kaum Menschen zu sehen. "Der Terror hat im Herzen der Stadt zugeschlagen", titelte am Tag nach dem Anschlag die Zeitung "Dagens Nyheter". Der schwedische Regierungschef Stefan Löfven hatte noch am Freitagabend Blumen am Anschlagsort niedergelegt.

Am Samstag besuchte auch des schwedische Kronprinzenpaar den Anschlagsort. Kronprinzessin Victoria (39) und ihr Mann Prinz Daniel (43) legten dabei rote Rosen nieder. "Ich fühle große Trauer und Leere", sagte die Thronfolgerin laut der Boulevardzeitung "Aftonbladet". "Aber ich fühle trotzdem eine Stärke, denn die Gesellschaft hat mit enormer Kraft gezeigt, dass wir uns dem hier entgegensetzen," fügte sie hinzu. Auf die Frage eines Reporters, wie das Land durch diese schwere Zeit kommen solle, antwortete Victoria demnach: "Zusammen. Zuvor hatte ihre jüngere Schwester Prinzessin Madeleine (34) auf Facebook geschrieben: "Meine Gedanken sind bei meinem geliebten Stockholm und den Betroffenen und ihren Familien." Madeleine lebt mit ihrem Mann Chris O'Neill und ihren beiden Kindern in London.

Für die Opfer soll es am Sonntag eine Gedenkfeier und eine landesweite Schweigeminute geben, kündigte Löfven am Samstag an. "Heute ist ein Tag der Trauer", sagte Löfven. Jetzt müssten er und seine Landsleute versuchen, ihre Wut in etwas Konstruktives zu verwandeln. "Wir sind eine offene, demokratische Gesellschaft, und das werden wir auch bleiben." Zuvor hatte das schwedische Kronprinzenpaar einen Platz in der Nähe der zentralen Einkaufsstraße besucht, in der ein Lastwagen am Freitag in eine Menschenmenge gerast war und vier Menschen getötet hatte. Ein Mann, den die Polizei nach der Tat festgenommen hatte, steht unter Terrorverdacht.

Die britische Premierministerin Theresa May sprach Löfven am Telefon ihr Mitgefühl aus. "Das Vereinigte Königreich steht fest an Schwedens Seite", sagte May am Samstag laut einer Mitteilung ihres Büros. Sie sei mit Löfven einig, dass man gegen solche Bedrohungen, "denen wir alle weiterhin gegenüberstehen", gemeinsam vorgehen müsse. Erst vor gut zwei Wochen, am 22. März, hatte ein Terrorist bei einem Anschlag in London fünf Menschen getötet und Dutzende verletzt.