Erstellt am 14. Juni 2016, 14:55

von APA/Red

Strache-Fans drohten Kern mit "9mm" und "schneller Kugel". Im Internet brechen weiter alle Dämme bezüglich Hasspostings gegen Politiker.

Christian Kern  |  NOEN, APA

Jüngster Betroffener ist Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ): Auf der Seite von FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache drohten ihm User in Kommentaren mit einer "9mm" bzw. einer "schnellen Kugel". Das Bundeskanzleramt hat die mittlerweile gelöschten Postings den Behörden gemeldet. Die FPÖ verurteilte die Gewaltaufrufe.

Strache hatte sich auf Facebook über eine "ungeheuerliche Entgleisung von SPÖ-Kern" beschwert. Die Frage in einem Interview der Tageszeitung "Österreich", ob man aufgrund der Wahlanfechtung durch die FPÖ nun als "Bananenrepublik" dastehe, bejahte der Kanzler. Straches Fans zeigten sich in Massen empört. Ein User postete: "früher haben wir einen kern mit einem stein aufgeschlagen das kann man heute auch noch aber eine schnelle kugel ist besser für den neuen judas von österreich !!!", schrieb er wörtlich.

Ein weiterer Strache-Fan fasste sich kürzer, wenn auch nicht weniger bedrohlich: "9 mm !" schrieb er. Der Mann dürfte laut seinem Facebook-Profil der Neonazi-Szene angehören. In der FPÖ-Zentrale betonte man, die Postings auf Straches Seite laufend zu beobachten und "untragbare" Kommentare - also Gewalt und Hass betreffend - sofort zu löschen. Täglich würde ein Mitarbeiter-Stab bis zu 10.000 Meldungen, in Wahlkampfzeiten sogar mehr als 20.000, durchforsten.

Die FPÖ distanzierte sich von den Gewaltaufrufen gegen den Bundeskanzler. Gleichzeitig betonte Generalsekretär Herbert Kickl, dass man die Sorgfaltspflichten in sozialen Netzwerken wahr nehme und Hasspostings sofort gelöscht würden. Strache rief seine Fans auf Facebook abermals zur Sachlichkeit auf.

Kickl wünschte sich, dass medial auch entsprechendes Augenmerk auf jene Drohungen gelegt wird, mit denen FPÖ-Bundesparteiobmann HC Strache wiederholt konfrontiert sei. Von einem "Strache-Fan" könne man zudem erst dann sprechen, wenn die Urheberschaft der Postings eindeutig geklärt sei.

Strache selbst wies auf Facebook "ein weiteres Mal darauf hin, dass ich auf meiner Facebook-Seite keine Beschimpfungen, Drohungen und Gewaltaufrufe dulde". Selbstverständlich gebe es etwa an der Arbeit der Bundesregierung viel zu kritisieren, "aber als Freiheitliche tun wir das auf einer sachlichen Ebene und nicht mit persönlichen Angriffen". Wer Hass- und Gewaltpostings verbreitet, mache sich strafbar und diskreditiere zudem "unsere gesamte freiheitliche Gemeinschaft und hat auf dieser Seite nichts verloren".