Erstellt am 03. Juli 2016, 18:42

von APA Red und APA/Red

Polizeischüler unter Angeschossenen. Bei den beiden Polizisten, die am Samstagabend nach einem gescheiterten Überfall auf einen Supermarkt in Wien-Penzing vom Täter angeschossen und schwer verletzt worden sind, handelt es sich nach Informationen der APA um junge Beamte, die noch in Ausbildung standen bzw. diese erst vor wenigen Wochen abgeschlossen hatten. Letzterer kämpfte am Sonntagnachmittag im Wiener AKH ums Überleben.

Der mit einer Pistole bewaffnete Täter hatte sich kurz vor Geschäftsschluss in die auf der Hütteldorfer Straße gelegene Filiale begeben. Dass es sich bei dem 49-Jährigen um keinen Gelegenheitskriminellen gehandelt haben dürfte, untermauert der Umstand, dass er seine Schusswaffe mit einem - hierzulande verbotenen - Schalldämpfer versehen hatte.

Als der Supermarkt um 18.00 Uhr geschlossen wurde, ließ sich der Mann einsperren, verbarg sich vor den Angestellten und trat auf den Plan, nachdem diese sich vom Verkaufsbereich in die Büro- und Lagerräumlichkeiten begeben hatten. Dort bedrohte er dann die drei Angestellten - zwei Frauen und einen 18-jährigen Burschen -, forderte das Geld aus dem Tresor und fesselte die Mitarbeiter mit Kabelbindern. Dem jungen Mann gelang es allerdings noch, für den Täter unbemerkt Alarm auszulösen.

Insgesamt drei Funkstreifen machten sich umgehend auf den Weg zu dem Supermarkt. Die erste Besatzung, die den Tatort erreichte, versuchte, über den Hintereingang in das geschlossene Geschäft zu gelangen. Die Tür war abgesperrt, worauf die Beamten klopften und sich als Polizisten zu erkennen gaben.

Der Räuber reagierte kaltblütig und war keineswegs zur Aufgabe bereit. "Er hat eine Mitarbeiterin gezwungen, zur Tür zu gehen und zu sagen, dass alles in Ordnung ist", berichtete Paul Eidenberger, der Sprecher der Landespolizeidirektion. Den insgesamt drei Polizisten kam die Situation jedoch eigenartig vor. Sie misstrauten der Angestellten, die - wie ihr befohlen - vorgab, es liege ein Fehlalarm vor. Laut Eidenberger forderten sie die Frau auf, aus dem Geschäft zu kommen.

Daraufhin zeigte sich der bewaffnete Räuber, der sich bis dahin in einer für die Polizisten nicht einsehbaren Ecke befunden hatte. Er stürmte zur Glastür und gab - wie Eidenberger betonte - unverzüglich Schüsse auf die Polizisten ab. Neben den beiden jungen Beamten wurde auch eine Polizistin verletzt, allerdings infolge eines Sturzes. Sie kam vergleichsweise glimpflich davon. Zumindest einem der Beamten gelang es, von seiner Dienstwaffe Gebrauch zu machen - der Räuber wurde von einem Projektil getroffen, was ihn aber nicht daran hinderte, seine Fluchtbemühungen fortzusetzen.

Über ein unmittelbar neben dem Lagerraum gelegenes Stiegenhaus lief der 49-Jährige in dem Gebäude-Komplex, in dem der Supermarkt untergebracht ist, in den zweiten Stock. "Dort ist er in eine Wohnung eingebrochen, die zu diesem Zeitpunkt zum Glück leer war", gab Eidenberger bekannt.

Der Räuber durchwühlte die Räumlichkeiten, ehe er durch ein Fenster auf ein einen Stock tiefer gelegenes, Richtung Innenhof ausgerichtetes Vordach sprang. Bei der Landung verletzte sich der 49-Jährige jedoch am Bein und war nicht mehr in der Lage, die Flucht fortzusetzen. Er verschanzte sich auf dem Dach hinter einer Mauer. Mittlerweile war ein Großaufgebot der WEGA (Wiener Einsatzgruppe Alarmabteilung) eingetroffen, Hubschrauber und ein Räumungspanzer wurden eingesetzt, die Umgebung großräumig abgesperrt.

Mithilfe eines Polizeihubschraubers konnte der Räuber schließlich in seinem Versteck aufgespürt werden. Eine im Hubschrauber befindliche Spezialkamera erfasste den Täter, der Standort wurde umgehend den WEGA-Beamten kommuniziert, die - wie Eidenberger darlegte - ohne diese Unterstützung kaum eine Chance gehabt hätten, den Täter rasch ausfindig zu machen. Auf Zuruf der Einsatzkräfte zückte der 49-Jährige neuerlich seine Pistole und schoss. Die WEGA-Beamten entgegneten das Feuer, der Räuber wurde mehrfach getroffen und tödlich verletzt. Eine Obduktion wurde angeordnet.

Die Polizei vermutet, dass es sich bei dem gebürtigen, aber in Wien gemeldeten Bosnier um einen Serien-Täter gehandelt haben könnte, der in der jüngeren Vergangenheit ähnliche Überfälle begangen hat. "Der Modus Operandi passt zu anderen, bisher nicht geklärten Raubüberfällen. Wir gehen davon aus, dass das eher kein Zufall sein kann", meinte Polizeisprecher Eidenberger. Offiziell scheinen gegen den 49-Jährigen zwar keine Vormerkungen auf. Die Polizei hält es aber für möglich, dass der Mann eine Namensänderung vornehmen hat lassen. "Das wird derzeit überprüft", sagte Eidenberger.

Vor allem in sozialen Medien kursierende Meldungen, denen zufolge der lebensgefährlich verletzte Polizist bereits in den Nachtstunden im AKH verstorben sein soll, wies die Landespolizeidirektion am Sonntagnachmittag auf neuerliche APA-Nachfrage als unrichtig zurück. Der Zustand des Beamten sei "äußerst kritisch", räumte Eidenberger ein: "Er liegt auf der Intensivstation und kämpft ums Überleben." Der angeschossene Polizeischüler war am Sonntag demgegenüber bereits wieder ansprechbar. Offizielle Angaben zum Alter und Dienstgrad der angeschossenen Kollegen machte die Polizei weiter keine.

Die Angehörigen und die an der Amtshandlung beteiligten Beamten wurden vom Psychologischen Dienst des Innenministeriums betreut. Die drei Supermarkt-Angestellten überstanden den Raubüberfall körperlich unversehrt, waren aber schwer geschockt. Ihrer nahm sich ein Kriseninterventionsteam der Gemeinde Wien an.

Bestürzt und betroffen auf die Schießerei und ihre Folgen reagierten Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) und der Wiener Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ).