Erstellt am 17. Februar 2016, 08:45

Syrer wollen sich durch Sprache und Arbeit integrieren. Arbeiten, dadurch die Sprache und die österreichische Kultur kennenlernen und sich auf diese Weise integrieren - das wünscht sich der Asylbewerber Ammaar Zammar.

 |  NOEN, APA

"Es geht dabei nicht um Geld, sondern darum, eine Beschäftigung zu haben und an der Gesellschaft teilzuhaben", sagte der Syrer am Dienstagabend am Rande einer Veranstaltung des Wiener Bruno Kreisky Forums im APA-Interview.

Seit viereinhalb Monaten ist Zammar in Österreich, sein Asylverfahren läuft. "Man wartet die ganze Zeit, aber man braucht einfach Aufgaben", sagte er. In seiner Heimat arbeitete der junge Mann als Vertriebskoordinator und PR-Manager in einer Baufirma. "Der Krieg hat alles zerstört. Meine Heimat, meine Karriere, meine Zukunft. Dabei habe ich so hart für das alles gearbeitet", erzählte er.

Schon während seiner Flucht habe er sich gewünscht, in Österreich einen Asylantrag stellen zu können. "Ich glaube, dass die Menschen hier sehr fleißig sind und gerne arbeiten. Das ist wie in Syrien." Derzeit gäbe es für ihn keine gesetzliche Regelung, die den Zugang zum Arbeitsmarkt ermöglicht. Er vertraue aber darauf, dass sich das bald ändern wird.

"Wenn man arbeiten darf, findet man automatisch Kontakt zu den Österreichern. Man lernt die Sprache leichter und integriert sich zugleich", ist der Syrer überzeugt. Das sei vor allem für die vielen gut ausgebildeten Menschen in Erstaufnahmezentren wichtig. "Wenn man dort zu lange sein muss, verliert man die Motivation", ist Zammar überzeugt.

Auch Ohla Ibrahim ist aus Syrien geflohen, seit neun Monaten ist die junge Frau in Österreich. Während der Flucht brach sie sich in der Türkei ein Bein und drei Finger. Selbst als sie im Erstaufnahmezentrum Traiskirchen ankam, nahm sie keine medizinische Versorgung in Anspruch. "Ich hatte Angst, dass ich dann dort bleiben muss. Ich wollte stark sein", erklärte sie. Erst später habe sie sich getraut, einen Arzt aufzusuchen.

In Österreich fühle sie sich willkommen. "Die Menschen sind wunderbar. Sie haben mir sehr viel geholfen", sagte sie. Der Neuanfang falle dennoch nicht leicht. "In Syrien habe ich studiert, hier muss ich das ABC wieder lernen", erzählt sie. Aber sie mache gute Fortschritte. "Schritt für Schritt", betonte sie auf Deutsch. Nun hofft sie darauf, ihre Familie bald wieder zu sehen.

"Bevor ich nach Österreich geflohen bin, hätte ich lernen sollen, wie ich ohne sie leben kann. Es ist hart", berichtete die junge Frau. Der Syrer Ammaar Zammar wünscht sich für seine Zukunft vor allem eines: "Ich würde einfach gerne wissen, was als nächstes mit mir passieren wird. Aber diese Frage kann mir niemand beantworten."