Erstellt am 28. Februar 2016, 18:04

Tiroler wählten Gemeinderäte und Bürgermeister. In 277 der 279 Tiroler Gemeinden sind am Sonntag die Weichen neu gestellt worden: 489.721 Wahlberechtigte entschieden nicht nur über die Zusammensetzung der Ortsparlamente, sondern wählten auch den Bürgermeister direkt.

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Falls kein Kandidat im ersten Anlauf eine absolute Mehrheit schafft, erfolgt 14 Tage später (13. März) eine Bürgermeisterstichwahl.

Die FPÖ eroberte den Bürgermeistersessel in Jochberg bei Kitzbühel. Günter Resch bekam 53,24 Prozent der Stimmen und kann zudem künftig mit sieben von 13 Mandaten auf eine absolute Mehrheit im Gemeinderat zählen. In der rund 1.500 Einwohner zählenden Gemeinde war SPÖ-Bürgermeister Heinz Leitner nicht mehr angetreten.

Damit können sich die Freiheitlichen auch in Zukunft zumindest wieder mit einem Ortschef schmücken, nachdem sich Ex-FPÖ-Chef, Abg. Gerald Hauser in St. Jakob in Defereggen einer Stichwahl stellen muss. Hauser war bisher einziger FPÖ-Bürgermeister in Tirol.

Hauser hatte nicht auf Anhieb die Titelverteidigung in seiner Heimatgemeinde St. Jakob in Defereggen geschafft. Er kam auf 37,07 Prozent. Damit muss der Ex-FPÖ-Chef am 13. März in die Stichwahl gegen den ÖVP-nahen Ingo Hafele, der 32,07 Prozent erreichte. 2010 hatte Hauser 50,36 Prozent.

Mit seiner Liste "Wir mit Gerald Hauser" kam der Nationalratsabgeordnete auf 33,54 Prozent und landete damit hinter Hafeles Gruppierung "Für St. Jakob". Diese konnte 38,15 Prozent der Wähler hinter sich versammeln. Der frühere ÖVP-Bürgermeister Hubert Jesacher, der erneut kandidierte, fuhr in der Bürgermeisterdirektwahl 30,86 Prozent ein. Hauser ist der derzeit einzige blaue Bürgermeister Tirols.

Die Wahl in der Oberländer Bezirksstadt Imst war indessen eine klare Sache für Bürgermeister und ÖVP-LAbg. Stefan Weirather. Dieser setzte sich in der Bürgermeisterdirektwahl mit 53,22 Prozent gegen fünf Gegenkandidaten durch, darunter Doris Reheis, die Frau von SPÖ-Landtagsklubobmann Gerhard Reheis. Auch bei der Wahl zum Gemeinderat legte Weirathers Liste ordentlich zu und steigerte sich von 22,86 Prozent im Jahr 2010 auf nunmehr 35,93 Prozent. Die Wahl in Imst wies insoweit eine Besonderheit auf, als dass mit zehn Listen die meisten landesweit angetreten waren. Auf einem ohnehin bereits niedrigen Niveau weiter nach unten ging es für die SPÖ - von 11,03 Prozent auf 6,72 Prozent.

Tirols SPÖ-Chef Ingo Mayr hat bei den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen am Sonntag sein Amt als Ortschef in Roppen im Bezirk Imst verteidigen können. Mayr setzte sich gegen seinen Kontrahenten Günter Neururer mit 55,91 Prozent durch. Beim vergangenen Urnengang hatte er noch 79,91 Prozent der Stimmen als Bürgermeister auf sich vereinigen können.

Auch seine Liste musste einen Stimmenverlust verzeichnen. Die SPÖ, die bei der Gemeinderatswahl 2010 noch 41,90 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen konnte, errang diesmal 37,16 Prozent und fünf Mandate. Die Liste von Mayrs Gegenkandidaten Neururer erreichte ebenfalls fünf Mandate und 34,25 Prozent der Stimmen.

In der Landeshauptstadt Innsbruck stehen Gemeinderatswahlen planmäßig erst wieder im Jahr 2018 an. In Gramais (Bezirk Reutte), der kleinsten Gemeinde Österreichs, bleiben vorerst sowohl der amtierende Bürgermeister als auch der aktuelle Gemeinderat im Amt, weil weder ein Bürgermeisterkandidat noch eine Gemeinderatswahlliste gefunden werden konnte.

Insgesamt ritterten 18.436 Kandidaten um 3.689 zu vergebende Mandate. Für die Tiroler Volkspartei, die derzeit 234 Bürgermeister stellt, galt es, ihre Vormachtstellung auf Gemeindeebene zu behaupten. Die SPÖ verteidigte 25 Bürgermeistersitze, die FPÖ einen. Die Grünen wollten die Anzahl ihrer Gemeinderäte von derzeit 43 auf 65 steigern. Gesamtergebnis wird es keines geben, da die Wahlbehörde keines berechnet.