Erstellt am 11. Dezember 2015, 20:32

Tote bei Taliban-Angriff in Kabul. Bei einem Angriff der Taliban auf ein internationales Gästehaus in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind mindestens vier Menschen ums Leben gekommen, darunter zwei der Angreifer. Die Gefechte dauerten am Freitagabend noch an.

Erst am Dienstag hatten Taliban-Kämpfer den Flughafen der südafghanischen Stadt Kandahar angegriffen. Bei den 27-stündigen Gefechten waren mindestens 61 Menschen getötet worden, darunter auch die elf Angreifer. Gleichzeitig hatten Taliban in der Provinz Helmand einen ganzen Distrikt unter ihre Kontrolle gebracht.

Laut einem Augenzeugenbericht zündeten die Talibankämpfer am Freitagabend gegen 18.00 Uhr (Ortszeit) zunächst eine Autobombe vor dem Tor des Gästehauses im zentralen Stadtteil Sherpur. Dabei sei ein afghanischer Wachmann ums Leben gekommen, sagte ein Sicherheitsmann des benachbarten Hauses.

Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy teilte später mit, ein spanischer Polizist sei tödlich verletzt worden. Details gab er zunächst nicht bekannt. Der stellvertretende afghanische Innenminister Ayoub Salangi teilte nach fünfstündigem Einsatz gegen die Angreifer via Twitter mit, zwei Taliban seien getötet worden. Die Operation dauere jedoch an. Wie viele Angreifer in das Haus eingedrungen waren, blieb zunächst unklar.

Verwirrung gab es auch um das Ziel der Attacke. Zunächst hatte das Außenministerium in Madrid bestätigt, dass der Angriff der Botschaft gegolten habe. Später dementierte Ministerpräsident Rajoy mit den Worten: "Der Anschlag von Kabul galt nicht der spanischen Botschaft in Afghanistan." Die spanische Botschaft arbeitet in Sherpur in mehreren Gebäuden, von denen einige auch als Gästehäuser dienen.

Taliban-Sprecher Zabiullah Mujahid teilte über Twitter mit: "Selbstmordattentäter sind in ein Gästehaus ausländischer Besatzer eingedrungen."

Das zentrale Kabuler Viertel Sherpur war am Abend zunächst von einer schweren Explosion erschüttert worden. Der Sprecher des Innenministeriums, Sediq Sediqqi, sagte: "Ich kann bestätigen, dass ein Gästehaus von Ausländern in der Gegend Sherpur in Kabul mit einer Autobombe angegriffen wurde. Bisher kennen wir die Anzahl der Opfer nicht." Afghanische Spezialkräfte seien in der Gegend.

Das Emergency-Hospital, ein Krankenhaus am Rande Sherpurs, teilte über Twitter mit, dort seien sieben verletzte Afghanen aufgenommen worden. Mehrere internationale Organisationen haben Gästehäuser in Sherpur. Auch viele hochrangige afghanische Politiker leben in dem wohlhabenden Viertel. Anwohner berichteten, das Viertel sei nach der Detonation abgeriegelt worden.