Erstellt am 25. Februar 2016, 09:32

von APA Red

Tuberkulose-Fälle stiegen trotz mehr Asylwerbern nicht. Auch wenn es immer wieder behauptet wird, eine Gefahr für die österreichische Bevölkerung durch importierte infektiöse Erkrankungen via Asylsuchende ist in Österreich derzeit nachweislich nicht vorhanden.

 |  NOEN, APA (Archiv)

Die Zahl aller Tuberkuloseerkrankungen ist im vergangenen Jahr laut vorläufigen Zahlen sogar neuerlich gesunken, teilte das Gesundheitsministerium mit.

Team Stronach-Abgeordnete hatten eine entsprechende parlamentarische Anfrage an das Gesundheitsministerium gestellt. Seit 22. September vergangenen Jahres überwacht die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit für das Ressort die Situation betreffend Infektionskrankheiten zusätzlich zum bestehenden nationalen Infektionsüberwachungssystem auch im Rahmen eines "Syndrombasierten Surveillance-Systems" gemäß den Empfehlungen des Europäischen Zentrums für Krankheitskontrolle.

In Sachen Infektionskrankheiten sieht die Situation demnach "ruhig" aus. Bis Ende 2015 wurden in Österreich bei rund einer Million durchreisender Flüchtlinge und 90.000 Menschen mit Asylanträgen in der Alpenrepublik - das sind dreimal mehr als 2014 - 24 Fälle von Shigellen-Durchfallinfektionen ("Ruhr") registriert. Hinzu kamen noch zwölf Hepatitis A-Erkrankungen ("Reisehepatitis"). Bei 16 Personen wurde mit Malaria eine jene Reiserkrankungen (so wie Hepatitis A etc.) diagnostiziert, die regelmäßig auch österreichische Touristen "importieren". Knapp 1.000 Personen litten an banalen Infektionen der Atemwege, 14 an Influenza.

Schließlich wurde 2015 noch bei 104 Flüchtlingen eine Tuberkulose diagnostiziert. Die TBC ist weltweit "die" Krankheit der Armen, der Kriegsopfer, der Migranten und der Flüchtlinge. Je früher sie entdeckt wird, desto besser ist sie behandelbar. Das heilt die direkt Betroffenen und grenzt auch eine grundsätzlich geringe Übertragungsgefahr auf andere Personen weiter ein.

Die Tuberkulose ist in diesem Zusammenhang derzeit kein großes Problem für Österreich. "Wir hatten im Jahr 2014 insgesamt 541 Tuberkulose-Fälle in Österreich. Laut den vorläufigen Zahlen waren es 2015 bisher 524 Erkrankungen. Da kann noch etwas hinzukommen, weil verzögerte Meldungen möglich sind. In Österreich wurden im Jahr 201 rund 30.000 Asylanträge gestellt, vergangenes Jahr waren es rund dreimal so viele. Und dazu kamen noch fast eine Million Flüchtlinge, die durch Österreich durchgereist sind", sagte die Sektionsleiterin für Öffentliche Gesundheit im Gesundheitsministerium, Pamela Rendi-Wagner, gegenüber der APA.

Die Zahlen belegten jedenfalls, dass die "Infektionsängste", die immer wieder im Zusammenhang mit Flüchtlingen in der Öffentlichkeit hochkommen, unbegründet sind. Mehr noch, so Pamela Rendi-Wagner: "Die Schweiz sieht sich unser neues Überwachungssystem derzeit an, um es eventuell ebenfalls anzuwenden."Je intensiver man kontrolliere, desto mehr Erkrankungen finde man - daher wird die verstärkte Infektionskontrolle weiterhin aufrechterhalten, hieß es dazu im Gesundheitsministerium.