Erstellt am 20. Oktober 2016, 11:48

Mit zehn Jahren entscheidet sich das Leben. In Österreich wird seit vielen Jahren über die Einführung der Gesamtschule diskutiert. Weltweit entscheidet sich das "Bildungsschicksal" der Kinder aber bereits mit zehn Jahren. Da endet für viele die Chance auf Ausbildung.

Wohin die Reise einmal geht, entscheidet sich im Kindesalter  |  APA (dpa)

Besonders benachteiligt sind die Mädchen. Das geht aus dem neuen Weltbevölkerungsbericht des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) hervor.

"Der Fokus des Berichts liegt in diesem Jahr auf den zehnjährigen Mädchen. Weltweit leben rund 60 Millionen zehnjährige Mädchen, die meisten davon in weniger entwickelten Ländern. Das ist ein spannendes und schwieriges Alter", sagte SPÖ-Kinder- und Jugendsprecherin Katharina Kucharowits bei der Präsentation des Reports. Für diese Kinder sei die geschlechtsspezifische Diskriminierung in vielen Weltregionen besonders schwerwiegend. "Das Recht auf Bildung geht oft verloren. Sie werden Opfer von Gewalt, sie werden zwangsverheiratet oder es werden Sex-Geschäfte mit ihnen gemacht."

Weltweit gehen 62 Millionen heranwachsende Mädchen nicht zur Schule, davon allein 32 Millionen im Grundschulalter. Berivan Aslan, Frauensprecherin der Grünen, zeigte sich erschüttert über die Zahlen aus dem Report: "Mir ist beim Lesen schlecht geworden." Jeden Tag werden weltweit rund 47.000 Mädchen unter 18 Jahren verheiratet. In den Entwicklungsländern ist jede dritte junge Frau bei der Eheschließung unter 18 Jahre alt. Die weltweit häufigste Todesursache bei Mädchen und Frauen zwischen zehn und 19 Jahren ist Aids. Alle zehn Minuten stirbt ein Mädchen durch Gewalteinwirkung.

NEOS-Außenpolitiksprecher Christoph Vavrik verwies auf die entscheidende Bedeutung des Alters rund um zehn Jahre für das weitere Leben der Heranwachsenden: "Der Wendepunkt ist mit zehn Jahren. Dort entscheidet sich, ob der Bildungsweg weiter beschritten wird oder die Betroffenen in die Armut abgleiten. Es ist erschütternd." Österreich hätte die das UNFPA-Programm ehemals mit 1,2 Millionen Euro unterstützt, im neuen Budgetvoranschlag von Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) sei der Posten gar nicht mehr auffindbar. Dies wurde auch von Katharina Kucharowits bestätigt.

Bei den in den Report zitierten Bildungsdaten zeigt sich für die weniger entwickelten Staaten, dass zwischen 77 und 95 Prozent der Buben in eine Primärschule kommen, ebenso zwischen 68 bis 95 Prozent der Mädchen. Katastrophal ist hier die Situation in West- und Zentralafrika (77 Prozent der Buben und 68 Prozent der Mädchen). Mit zehn Jahren aber ist für die meisten Schluss mit jeder Bildung. In Afrika gehen dann nur 34 bis 38 Prozent der Buben weiter in eine Schule der Sekundärstufe, bei den Mädchen sind es zwischen 32 und 31 Prozent. Frühe Verheiratung und dann sehr schnelle und viele Schwangerschaften schneiden den jungen Frauen jede Chance auf ein Fortkommen in der Gesellschaft ab.