Erstellt am 18. September 2015, 18:03

von APA/Red

Ungarn schickt Flüchtlinge in Richtung Österreich. Ungarn hat am Freitagnachmittag seine Grenze zu Kroatien geöffnet. Laut der Nachrichtenagentur MTI ließen die ungarischen Behörden rund 1.500 Flüchtlinge auf ungarisches Gebiet.

 |  NOEN, APA (epa/Symbolbild))

 Hier konnten sie nach Medienberichten 21 Busse besteigen. Diese waren am frühen Abend in Richtung österreichischer Grenze unterwegs. Kroatien ist zunehmend mit dem Flüchtlingsstrom überfordert.
Wie die Sprecherin des ungarischen Polizeipräsidiums auf Anfrage erklärte, würden die illegalen Migranten zu Registrierstellen in den westungarischen Orten Vamosszabadi und Szentgotthard transportiert. Vamosszabadi liegt in der Nähe von Györ und damit unweit von Nickelsdorf, Szentgotthard an der ungarischen Seite des Grenzübergangs in Heiligenkreuz im Lafnitztal.

Die Behörden hoffen, dass die Migranten bei der Registrierung kooperieren. Freilich ist nicht ausgeschlossen, dass sie dies nicht tun und stattdessen die Grenze zu Österreich überqueren.

Tausende Menschen strömten nach Kroatien, obwohl das EU-Land sieben Grenzübergänge zu Serbien dicht machte. Auf der neuen Hauptfluchtroute kamen seit Mittwoch rund 14.000 Migranten in Kroatien an, wie die Polizei am Freitag mitteilte. Ministerpräsident Zoran Milanovic erklärte, das Land schaffe es nicht mehr, alle Flüchtlinge zu registrieren. Daher müsse das Land "neue Methoden" anwenden, die sich aber von jenen Ungarns unterscheiden würden".

 14.000 Menschen in Kroatien 

Ungarn kündigte unterdessen an, nach der Grenze zu Serbien auch seine Grenze zu Kroatien mit einem Zaun zu sichern. Zudem weitete Budapest den Notstand auf vier Gebiete im Süden aus, die an Kroatien, Slowenien und Österreich grenzen. Das berechtigt die Behörden zu besonderen Maßnahmen gegenüber Flüchtlingen. Seit Dienstag gilt der Krisenfall für zwei Bezirke an der Grenze zu Serbien. Der dortige Grenzzaun hatte viele Flüchtlinge veranlasst, eine neue Route in Richtung EU zu nehmen. Allein seit Mittwoch trafen rund 14.000 Menschen in Kroatien ein.

Milanovic kritisierte die Weigerung der beiden Nachbarländer Slowenien und Ungarn, die ankommenden Flüchtlinge durchreisen zu wollen. "Ich verstehe nicht, wo das Problem ist, wenn die Leute durch Slowenien und Ungarn reisen, sind sie nicht sauber genug?", sagte er nach Angaben der slowenischen Nachrichtenagentur STA. "Wenn Deutschland kein Problem darin sieht, die Migranten aufzunehmen, warum machen Ungarn und Slowenien Probleme?"

In der Nacht hatte Zagreb sieben von acht Grenzübergängen zu Serbien geschlossen, um weitere Einwanderer zu stoppen. Die Aufnahmekapazitäten seien erschöpft, begründete Innenminister Ranko Ostojic den Schritt. Alle Flüchtlinge wollten weiter Richtung Mittel- und Nordeuropa. Nur ein Asylantrag sei bisher gestellt worden, bestätigte die kroatische Außenministerin Vesna Pusic am Freitag vor Journalisten. Die einzige Ausnahme sei eine Frau mit einem Kind gewesen.

Flüchtlinge zu Fuß nach Kroatien

Pusic kündigte an, noch am Freitagnachmittag die Lage mit ihrem deutschen Amtskollegen Frank-Walter Steinmeier erörtern zu wollen. Die weitere Vorgangsweise müsse gemeinsam mit Deutschland und Österreich entschieden werden.

Die Lage war chaotisch, viele schlugen sich auf beschwerlichen Wegen zu Fuß nach Kroatien durch. Und der Andrang bleibt: Aus Mazedonien kämen weiter jeden Tag im Schnitt bis zu 2.000 Menschen nach Serbien, berichtete die Zeitung "Danas" in Belgrad unter Berufung auf Helfer.

Slowenien erwartet in den kommenden 24 Stunden die Ankunft von etwa 1.000 Flüchtlingen. Sie werden vermutlich von den Behörden in Grenznähe gebracht, wo sie dann auf eigene Faust den Grenzübertritt versuchen werden, sagte der slowenische Innen-Staatssekretär Bostjan Sefic am Freitag vor Journalisten in Ljubljana. "Wir müssen daher die gesamte Schengen-Grenze sehr intensiv abdecken."

 EU-Kommission kritisiert Kroatien 

Ljubljana sei wegen der kroatischen Politik "äußerst besorgt". Diese sei "inakzeptabel". "Sie versuchen, alle Migranten in Richtung Ungarns umzuleiten, aber ein Teil der Migranten wird sicher auch nach Slowenien kommen." Aktuell würden vor allem Gruppen von 15 bis 20 Personen beim Versuch, die grüne Grenze rund um das ostslowenische Brezice zu überqueren, festgenommen. Im Erstaufnahmezentrum Brezice würden sich aktuell 185 Personen befinden.

Die EU-Kommission kritisierte Kroatien dafür, Tausende Flüchtlinge einfach nach Ungarn umleiten zu wollen. Migranten weiterreisen zu lassen, ohne sie zu registrieren, sei "in der Tat nicht mit den EU-Regeln vereinbar", sagte eine Sprecherin der EU-Kommission am Freitag in Brüssel. Nach den sogenannten Dublin-Regeln ist dasjenige EU-Land für einen Asylbewerber und dessen Asylverfahren zuständig, in dem dieser erstmals europäischen Boden betreten hat. Das Land muss den Flüchtling registrieren und seine Fingerabdrücke nehmen. Die Sprecherin sagte, wenn Flüchtlinge sich weigerten, Asyl zu beantragen, könnte ihnen die Einreise verweigert werden.