Erstellt am 17. Dezember 2015, 16:28

von APA/Red

Universität widerrief Ehrendoktorat von Konrad Lorenz. Wegen aktiver Verbreitung nationalsozialistischer Ideologie hat die Universität Salzburg die im Jahr 1983 verliehenen Ehrendoktorate an den österreichischen Verhaltensforscher und Nobelpreisträger Konrad Lorenz sowie an den deutschen Wirtschaftsrechtler Wolfgang Hefermehl widerrufen.

Das gab die Universität Salzburg am Donnerstag bekannt.

Der Beschluss des Universitätssenats über die Aberkennungen erging am 15. Dezember im Einvernehmen mit dem Rektorat. Diese Entscheidung schließt an den bereits im Oktober 2014 ausgesprochenen Widerruf des Ehrendoktorats des früheren Leiter des Hauses der Natur in Salzburg, Eduard Paul Tratz, wegen dessen nationalsozialistischer Vergangenheit an.

Die Universität Salzburg habe als erste österreichische Universität im Jahr 2014 eine gründliche Untersuchung ihrer Ehrungspraxis hinsichtlich möglicher nationalsozialistischer Belastungen geehrter Persönlichkeiten eingeleitet. Der Überprüfungsprozess der "Tabula Honorum" soll im Jahr 2016 abgeschlossen werden, wie Rektor Heinrich Schmidinger und Senatsvorsitzender Stefan Griller informierten.

Sowohl bei dem in Wien geborenen Lorenz (7.11.1903 - 27.2.1989) als auch bei dem in Berlin geborenen Hefermehl (18.9.1906 - 29.10.2001) sei die aktive Verbreitung nationalsozialistischer Ideologie im Verfahren zur Verleihung des Ehrendoktorates verschwiegen worden. Lorenz habe sich in seinem Aufnahmegesuch an die NSDAP vom 28. Juni 1938 als besonders engagierter Nationalsozialist dargestellt, konstatierte das Gremium und zitierte daraus Angaben des Verhaltensforschers: "Ich war als Deutschdenkender und Naturwissenschaftler selbstverständlich immer Nationalsozialist und aus weltanschaulichen Gründen erbitterter Feind des schwarzen Regimes (nie gespendet oder geflaggt) und hatte wegen dieser auch aus meinen Arbeiten hervorgehenden Einstellung Schwierigkeiten mit der Erlangung der Dozentur."

Weiters schrieb der Mediziner und Zoologe: "Ich habe unter Wissenschaftlern und vor allem Studenten eine wirklich erfolgreiche Werbetätigkeit entfaltet, schon lange vor dem Umbruch war es mir gelungen, sozialistischen Studenten die biologische Unmöglichkeit des Marxismus zu beweisen und sie zum Nationalsozialismus zu bekehren (...) Schließlich darf ich wohl sagen, daß meine ganze wissenschaftliche Lebensarbeit, in der stammesgeschichtliche, rassenkundliche und sozialpsychologische Fragen im Vordergrund stehen, im Dienste nationalsozialistischen Denkens steht." Dazu die Universität Salzburg: "Seine Angaben im Aufnahmeantrag zur NSDAP mögen übertrieben sein. Im Kontext machen sie aber mindestens das Bemühen um eine wirksame Verbreitung nationalsozialistischen Gedankenguts deutlich."

Die Universität stellte zudem fest, dass Lorenz "durch die Hervorhebung der 'Ausmerzung' bzw. 'Auslese' als wesentlicher Maßnahme für das Überleben der Menschheit und ihrer Verbindung mit dem Rassismus und der 'nordischen Bewegung' als Grundlage des Staates wesentliche Elemente der rassistischen Ideologie des Nationalsozialismus verbreitet". Verwiesen wurde auf eine umfangreichen Publikation von Lorenz aus dem Jahr 1940 unter dem Titel "Durch Domestikation verursachte Störungen arteigenen Verhaltens" in der Zeitschrift für angewandte Psychologie und Charakterkunde.

Der deutsche Jurist Wolfgang Hefermehl - er war Professor an der Universität Heidelberg und galt als einer der bedeutendsten Vertreter des deutschen Wirtschaftsrechtes des 20. Jahrhunderts - trat laut den Erkenntnissen der Universität Salzburg der SS bei und war ab 1934 auch SS-Sturmführer. Er sei wiederholt vom Reichjustizministerium zu Parteiveranstaltungen sowie zur Unterstützung der Partei beurlaubt worden, unter anderem zum Reichsparteitag 1935 und 1936 sowie zur Betreuung ausländischer Gäste bei den Olympischen Winterspielen in Garmisch-Partenkirchen. "Seit 1941 war er SS-Obersturmführer, 1942 erfolgte die Einberufung zur Waffen-SS."

Literarisch habe sich Hefermehl durch die Verbreitung und Erläuterung, und dadurch mindestens durch Affirmation von Kernelementen der nationalsozialistischen Arisierungsgesetzgebung, führend beteiligt, hieß es. An der Formulierung dieser Vorschriften habe Hefermehl als Landgerichtsrat im Justizministerium mitgewirkt.

Als Beispiel für die Verbreitung nationalsozialistischer Ideologie hob die Universität Salzburg den Aufsatz des Juristen über "Die Entjudung der deutschen Wirtschaft" in der Zeitschrift Deutsche Justiz 1938 hervor. "Die ergangenen Verordnungen verfügten unter anderem Berufsverbote für Juden sowie Zwangsarisierungen. Hefermehl stellte sie mit dem Bemerken vor, sie 'verfolgen den Zweck, den jüdischen Einfluss auf die deutsche Wirtschaft völlig zu brechen und damit die Judenfrage auf wirtschaftlichem Gebiet endgültig zu lösen. Sie stellen zugleich den Abschluß eines im ganzen betrachtet einheitlichen und planmäßigen Gesetzgebungswerks mit dem Ziel der Gesamtentjudung der deutschen Wirtschaft dar'." In seinem späteren Literaturverzeichnis fehlen diese Arbeiten.