Erstellt am 13. Juni 2017, 13:55

von APA Red

Wiesberger: "Kein Zuckerschlecken". Erstmals finden die US Open und damit das zweite der vier Golf-Majors in Wisconsin statt. Erin Hills am Lake Michigan ist ab Donnerstag Schauplatz des seit 1895 ausgetragenen Turniers, das traditionell als eines der schwierigsten des Jahres gilt.

Bernd Wiesberger freut sich auf das US Open!  |  APA (EXPA/JFK)

Titelverteidiger ist Dustin Johnson (USA), bei 12 Mio. Dollar Dotation kassiert der Sieger erstmals über zwei Mio. Dollar Preisgeld. Im Vorjahr hatte Johnson in Oakmond für seinen ersten ganz großen Sieg im Profigolfsport 1,8 Millionen kassiert. Inzwischen ist der 32-jährige Longhitter aus den USA die Nummer eins der Welt.

Ein neuerlicher Sieg würde den Schwiegersohn von Eishockey-Legende Wayne Gretzky doppelt freuen. Denn der Schlusstag der US Open ist traditionell der amerikanische Vatertag und seine Verlobte Paulina Gretzky brachte unmittelbar vor dem Turnier per Kaiserschnitt den zweiten gemeinsamen Sohn zur Welt.

Johnson ist freilich die Schlussrunde des Vorjahres unvergessen geblieben, weil man "DJ" dabei viel zu spät darüber informiert hatte, dass eventuell ein Strafschlag droht. Johnson blieb cool und holte mit drei Schlägen Vorsprung seinen ersten Major-Titel.

"Das wird sicher die schwierigste Golfwoche des Jahres"

Die Regeldiskussionen haben danach angehalten. Mehrfach wurde vor allem über Strafen diskutiert, die erst dank hochauflösender TV-Bilder ausgesprochen werden konnten. Dem versuchen die Regelhüter nun nicht nur in den USA entgegen zu wirken, indem man sich - wie im Golf eigentlich üblich - künftig wieder vermehrt an dem orientiert, was mit freiem Auge zu sehen ist.

Der über 7.100 Meter lange Par-72 Kurs in Erin Hills ist für alle Spieler Neuland. Die USGA hat wieder einen Platz bereitgestellt, der es in sich hat. Bei den US Open werden die besten Profis der Welt traditionell mit den schwierigsten Bedingungen des Jahres konfrontiert.

Auch deshalb sind die US Open nach wie vor das einzige Major, bei dem Bernd Wiesberger noch nie den Cut geschafft hat. Österreichs Nummer eins weiß daher, was beim vierten Anlauf zu erwarten ist. "Das wird sicher die schwierigste Golfwoche des Jahres, in der man Birdies an einer Hand abzählen kann. Also definitiv kein Zuckerschlecken", hatte der Burgenländer vor seinem Abflug in die USA gemeint.

Exaktes Spiel vom Abschlag entscheidend

Wiesberger hatte die heimischen Lyoness Open als Generalprobe auserkoren gehabt, war nach Platz 15 in Atzenbrugg aber nicht wirklich zufrieden. "Nur die ersten zwei Runden waren so, wie ich auch bei den Open spielen sollte", lautete die Erkenntnis des Weltranglisten-30.

Auch in Erin Hills wird der Platz hart und schnell sein. "Ich muss daher schauen, dass meine Fehlschläge nicht so gravierend sind wie in Atzenbrugg und dass ich vom Tee stärker und schärfer bin", so Wiesberger, der Donnerstag um 21.20 Uhr MESZ (live Sky) abschlägt. In der Tat wird bei den US Open traditionell vor allem des exakte Spiel vom Abschlag belohnt. Deshalb sind die Scores dort meist relativ hoch.

"Es heißt daher, den Fokus eng und die Erwartungshaltung niedrig zu halten", warnte der Österreicher. "Man wird ein Par als gutes Ergebnis akzeptieren, manchmal sogar um Bogeys kämpfen und trotzdem positiv bleiben müssen. Und, man darf sich nie gehen lassen."

"Zum Glück fang man auch im Golf immer wieder bei Null an"

Auf den 31-jährigen Oberwarter kommt also ein weiterer Charaktertest zu, nachdem schon in Atzenbrugg sein großer Kampfgeist nicht belohnt worden ist. Wiesberger: "Zum Glück fang man auch im Golf immer wieder bei Null an."

In Erin Hills ist fast alles am Start, was im Profigolfsport Rang und Namen hat. Deshalb werden auch 35.000 Zuschauer täglich erwartet. Ein ganz heißer Tipp auf den Sieg ist Jon Rahm.

Der Spanier ist Aufsteiger des Jahres und ein Jahr nach seinem Profi-Debüt bereits in den Top Ten der Weltrangliste zu finden. Im Vorjahr wurde der 22-jährige Shooting Star noch als Amateur 23. Rahm wäre nach Jason Day (PGA 2015), Danny Willett (Masters 2016), Dustin Johnson (US Open 2016), Henrik Stenson (British Open 2016), Jimmy Walker (PGA 2016) und Landsmann Sergio Garcia (Masters 2017) der sechste Major-Premierensieger in Serie.

Parallel zu den US Open kämpft der Österreicher Sepp Straka diese Woche wieder auf der unterklassigen Web.com-Tour um die Chance, nächstes Jahr ebenfalls auf der PGA-Tour spielen zu können. Wie das geht, hat gerade Stephan Jäger gezeigt. Mit dem zweiten Sieg in Folge auf der Web.com hat der Deutsche seinen Platz bereits sicher und spielt diese Woche auch bei den US Open. Jäger war davor durch eine äußerst seltene 58er-Runde bekannt geworden.