Erstellt am 10. Oktober 2016, 05:31

von APA Red

Aggressiver Schlagabtausch zwischen Trump und Clinton. In gespannter, teils aggressiver Atmosphäre ist am Sonntag (Ortszeit) die zweite TV-Debatte zwischen den beiden Präsidentschaftskandidaten Donald Trump und Hillary Clinton über die Bühne gegangen.

Immerhin konnte man sich am Ende die Hand reichen  |  APA/dpa/ag.

 Wiederholt warfen einander der Republikanische und die Demokratische Bewerberin vor, Lügen über den jeweils anderen zu verbreiten. Aber auch Entschuldigungen waren einmal mehr von beiden zu hören.

Zu Beginn entschuldigte sich Trump erneut für seine vulgären Äußerungen über Frauen, während Clinton Fehler bezüglich des Umgangs mit dienstlichen E-Mails einräumte. Er schäme sich sehr dafür und entschuldige sich bei seiner Familie und bei der US-Bevölkerung, sagte Trump am Sonntag auf die Frage einer Zuschauerin, ob er ein Vorbild für die US-Jugend sei. Gleichzeitig spielte er die Äußerungen erneut als "Umkleidekabinen-Gespräch" herunter und meinte, Clintons Ehemann Bill habe sich viel schlimmer gegenüber Frauen verhalten.

Clinton konterte, seine sexistischen Äußerungen seien bezeichnend für Trumps Persönlichkeit: "Jedem, der (das Video) gehört hat, ist klar, dass das genau ausmacht, wer er ist." Trump habe Frauen beleidigt und vergewaltigt. Er habe zudem Migranten, Afroamerikaner, Latinos, Behinderte, Muslime und andere verbal ins Visier genommen.

"Es war ein Fehler", sagte Clinton zu ihrer Praxis, dienstliche E-Mails als US-Außenministerin von einem privaten und nicht gesicherten Server zu versenden. Trump hatte zuvor erklärt, sie wäre im Gefängnis, wenn er das Land führen würde.

Trump erklärte auch, jedes Jahr "Hunderte Millionen Dollar" Steuern zu zahlen. Sobald die routinemäßige Überprüfung seiner Steuerunterlagen abgeschlossen sei, werde er seine bisher unter Verschluss gehaltene Steuererklärung veröffentlichen. Clinton entgegnete, dass Trump in etwa 20 Jahren keine Steuern gezahlt habe.

"Donald kümmert sich immer um Donald und Menschen wie er", sagte die ehemalige Außenministerin. Er plane, vor allem reiche Menschen und Unternehmen große Steuererleichterungen zu genehmigen.

Die von Barack Obama eingeführte flächendeckende Krankenversicherung will Trump will im Fall seiner Wahl abschaffen. "Obamacare ist eine totale Katastrophe", sagte er, die Krankenversicherung sei zu teuer und müsse komplett neu geregelt werden. Clinton sagte, dass das Gesetz zur Versicherung überarbeitet werden müsse, die erreichten Erfolge aber nicht verspielt werden dürften.

Während Trump bekräftigte, dass Muslime vor deren Einreise in die USA genau überprüft werden müssten, erklärte Clinton, die USA seien "nicht im Krieg mit dem Islam".

Einen allfälligen Einsatz bewaffneter US-Bodentruppen in Syrien bezeichnete Clinton als "schrecklichen Fehler". Es sei aber sinnvoll, Militärberater (zur Unterstützung der Rebellen) in das Bürgerkriegsland zu schicken, sagte Clinton in der TV-Debatte. Trump bezeichnete die Lage in der umkämpften syrischen Stadt Aleppo als "Katastrophe" und sagte, der Kampf gegen den IS müsse noch verstärkt werden.

Das TV-Duell hatte ohne einen Handschlag der beiden Präsidentschaftskandidaten begonnen, nachdem Trump unmittelbar zuvor mit einer überraschenden Pressekonferenz in die Offensive gegangen war. Er war mit vier Frauen aufgetreten, die Clintons Ehemann, Ex-Präsident Bill Clinton, vorwerfen, sie missbraucht zu haben. Während des Kurzauftritts, der live im Onlinenetzwerk Facebook übertragen wurde, sprachen die Frauen am Sonntagabend (Ortszeit) Trump ihre Unterstützung aus.