Erstellt am 01. Dezember 2016, 11:56

von APA Red

Temperaturen boten 2016 erneut Extreme. Es wird immer wärmer: Das Jahr 2016 bricht aller Wahrscheinlichkeit nach erneut weltweite Temperaturrekorde.

Weltweite Erwärmung führt zu mehr Hurrikans  |  APA/dpa

Und übertrifft dabei noch seine beiden Vorgänger als wärmstes Jahr seit dem Beginn exakter Aufzeichnungen im Jahr 1880. Auch in Österreich setzte sich der Trend zu einem wärmeren Klima laut Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) fort.

Im Durchschnitt habe die Temperatur über den Land- und Ozeanflächen unseres Planeten von Jänner bis Oktober bei 15,08 Grad Celsius gelegen, berichtete die US-Klimabehörde NOAA Mitte November. Das ist noch einmal 0,1 Grad Celsius mehr als im Vorjahreszeitraum. Auch die Weltwetterorganisation WMO hält es für wahrscheinlich, dass 2016 das heißeste bisher erfasste Jahr wird. Nach vorläufigen Daten werde es 1,2 Grad wärmer als die vorindustriellen Jahre.

September und Oktober waren nach einer langen Folge von 16 Rekordmonaten die ersten, die "nur" zweit- und dritthöchste Werte erreichten. Das ist nach Angaben der NOAA-Forscher vor allem auf den Einfluss des gerade beginnenden Klimaphänomens La Nina zurückzuführen. La Nina löst den vorausgegangenen El Nino ab und kühlt das Oberflächenwasser im Ostpazifik.

Während es in weiten Teilen Asiens zuletzt deutlich kühler war als im Mittel, überwiegen die roten, erwärmten Teile der Temperaturweltkarte bei weitem. Das gilt etwa auch für Alaska, den schnee- und eisreichen nördlichsten der US-Bundesstaaten. "Die Durchschnittstemperaturen in Alaska sind seit den 1980er-Jahren um zehn Grad Fahrenheit (5,56 Grad Celsius) gestiegen", sagte NOAA-Experte Rick Thoman.

Was den Forschern auch Sorgen macht: Das arktische Eis wächst erneut deutlich langsamer als für die Jahreszeit normal. Im Oktober waren auf der nördlichen Halbkugel nur rund drei Viertel der Meeresoberfläche mit Eis bedeckt wie verglichen mit dem 30-Jahres-Mittel üblich. Deutlich weniger noch als 2015. Das sei die kleinste arktische Eisfläche in einem Oktober seit Beginn dieser Aufzeichnungen 1979, schreibt die NOAA. "Es fehlt eine Eisfläche von der Größe Alaskas und Texas' zusammen." In der Antarktis war die Eisfläche im Oktober vier Prozent kleiner als üblich.

Ohne Eisschicht, die die Sonnenstrahlen reflektiert, steigen jedoch die Meerestemperaturen verstärkt. "Die Ozeane spielen verrückt", resümierte die NOAA mit Blick auf arktische Regionen und starke Stürme in der Beringsee. Auch Hurrikans wie Matthew, der im Oktober weite Teile Haitis und den Südosten der USA verwüstete, werden durch steigende Meerestemperaturen angeheizt.

In Österreich lagen bis Dezember nur zwei Monate (Mai und Oktober) unter dem vieljährigen Mittel (1981-2010). Neun Monate waren hingegen wärmer als das Mittel, einige sogar sehr deutlich. So erlebte Österreich 2016 den zweitwärmsten Februar der 250-jährigen Messgeschichte und den fünftwärmsten September. Juni und Juli lagen unter den 20 wärmsten Monaten der jeweiligen Messreihe seit 1767.

"2016 wird mit großer Wahrscheinlichkeit eines der wärmsten Jahre der Messgeschichte. So extrem wie 2014 und 2015, die aktuellen Rekordjahre, wird 2016 nicht ausfallen, aber es zeichnet sich ein Platz unter den zehn wärmsten Jahren der Messgeschichte ab", sagte Alexander Orlik, Klimatologe der ZAMG, auf Anfrage der APA.