Erstellt am 22. April 2017, 15:27

von APA Red

Hunderte Teilnehmer beim "March for Science". Regen Zulauf hat es am Samstagnachmittag beim "March for Science" in Wien gegeben.

Dass manche Plakate kaum lesbar waren, tat der guten Stimmung keinen Abbruch  |  APA/ag.

Um ein Zeichen gegen Wissenschaftsfeindlichkeit und drohende Einschränkungen der akademischen Freiheit zu setzen, zogen Hunderte Forscher durch die Wiener Innenstadt. Die Demo in Wien ist eine von mehr als 500 in aller Welt, um auf die Bedeutung der Wissenschaft hinzuweisen.

Ausgangspunkt der weltweiten "March for Science"-Bewegung war die Wahl des als wissenschaftskritisch geltenden Donald Trump zum US-Präsidenten. Zentrale Veranstaltung am Samstag - der 22. April wird alljährlich als "Tag der Erde" zur Wertschätzung der Umwelt begangen - ist der "March for Science" in der US-Hauptstadt Washington DC.

Beim Wiener "March for Science" gab es zum Auftakt ein "Science Picnic" im Sigmund-Freud-Park in Wien-Währing. Forscher und Wissenschaftsvermittler präsentierten dort verschiedene Experimente und machten mit Transparenten auf ihre Anliegen aufmerksam. "There are no alternative facts", "Wissenschaft ist keine Meinung", "Make Facts Great Again" oder "Science works, bitches" war da etwa zu lesen, auch "Pastafaris", Anhänger der "Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters", eine Gegenbewegung gegen das Vordringen von Kreationismus und Intelligent Design, waren zu sehen. Die Veranstalter zeigten sich zufrieden über die Teilnahme, "wir haben zumindest einen Demonstranten für jede Stadt weltweit mit einem 'March for Science", so Oliver Lehmann.

Auch wenn die Veranstalter betonten, mit dem "March for Science" nicht gegen jemanden, sondern "für" die Wissenschaft zu demonstrieren, wiesen verschiedene Transparente auf den politischen Hintergrund hin: "Send Trump down to wormhole" oder "Solidarität mit der CEU", der von der Schließung bedrohten Central European University in Budapest, waren etwa zu lesen, auch eine Abordnung der "Democrats abroad" machte auf sich aufmerksam.

"Es ist wichtig, für die Freiheit der Wissenschaft zu demonstrieren, wenn die Politik das freie Denken nicht schätzt", sagte der Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), Christoph Badelt, zur APA. Er war ebenso bei der Demo wie der Präsident des Wissenschaftsfonds FWF, Klement Tockner. Für den ist eine "freie Wissenschaft so wichtig wie Presse- und Meinungsfreiheit, das ist ein Grundpfeiler unserer Gesellschaft". Staatssekretär Harald Mahrer (ÖVP) bezeichnete seine Demo-Teilnahme als "klares Bekenntnis zu noch mehr Evidenzbasiertheit in der öffentlichen Debatte". Die Hochschulen und die Wissenschaft hätten dabei eine wichtige Position, "die sie noch mehr wahrnehmen sollten". Helga Nowotny, Ex-Präsidentin des Europäischen Forschungsrats (ERC), stellt sich nicht nur auf einen "March", sondern auf einen "Marathon for Science" ein, "dafür brauchen wir Ausdauer und Mut, aber das Ziel lohnt - das Ziel ist, Wissenschaft in der Gesellschaft so zu verankern, dass beide wissen, dass sie zusammengehören".

Die Demonstration unter dem Motto "Gemeinsam für die Wissenschaft" zog dann über Freyung, Stephansplatz, Wollzeile, Albertina und den Heldenplatz zum Maria-Theresien-Platz, wo ab 16.00 Uhr das Abschlussfest stattfinden wird. Die "Science Busters" Elisabeth Oberzaucher und Martin Puntigam führen dabei durch das Programm, als Redner sind die Vizepräsidentin der Universitätenkonferenz und Rektorin der Wirtschaftsuni Wien, Edeltraud Hanappi-Egger, der Politikwissenschafter Anton Pelinka von der von der Schließung bedrohten Central European University in Budapest und Helga Nowotny, ehemalige Präsidentin des Europäischen Forschungsrats (ERC) geplant.

Zur Teilnahme am Wiener "March for Science" haben u.a. die "Allianz österreichischer Wissenschaftsorganisationen" und das Wissenschaftsministerium aufgerufen. Aus der Steiermark, wo die Steirische Hochschulkonferenz mit ihren neun Hochschulen die Veranstaltung unterstützt hat, kam eine Delegation, auch Teilnehmer des kommende Woche in Wien stattfindenden Jahreskongresses der European Geoscience Union kamen zu der Veranstaltung.

Weltweit demonstrierten am Samstag mit Protestmärschen Tausende Menschen für die Bedeutung der Wissenschaft und gegen US-Präsident Donald Trump. Zu den ersten Demonstranten beim "March for Science" gehörten am Samstag Hunderte Wissenschaftler und ihre Unterstützer in Neuseeland.

Vor allem der Klimaschutz war ein großes Thema bei den Teilnehmern in Wellington, Dunedin, Queenstown, Christchurch, Palmerston North und Auckland. "Der Klimawandel ist seit vielen Jahren das Zentrum für alternative Fakten", sagte der Klimaforscher James Renwick bei einem Protestmarsch in der Hauptstadt Wellington. "Gute Politik muss von guter Wissenschaft beeinflusst werden."

Die Kursänderung beim Klimaschutz in den USA und anderswo habe die Wissenschaftlergemeinde in Unruhe versetzt, sagten die Organisatoren des "March for Science" in Neuseeland.

Auch in Australien demonstrierten Tausende auf den Straßen von Sydney, Melbourne, Hobart, Perth, Brisbane und Townsville, wie der Sender ABC berichtete. Slogans wie "Die Wissenschaft hat keine Agenda" und "Schützt die Stimme der unabhängigen Forschung" waren auf den Postern von Demonstranten in Perth zu lesen.

"Wir rufen die Politiker dazu auf, Gesetze zu machen, die auf wissenschaftlichen Beweisen basieren", zitierte der Sender den Wissenschaftler Stuart Khan, der die Demonstration in Sydney mitorganisiert hatte.

Der Hauptprotestzug des "March for Science" sollte direkt am Weißen Haus in Washington vorbeiziehen. Weltweit wollen sich mehr als 600 Städte an der Aktion beteiligen. Dem Netz von Aktivisten geht es darum, die Freiheit von Wissenschaft und Forschung zu erhalten. Der Protest wurde absichtlich auf den Termin des alljährlichen "Earth Day" (Tag der Erde) zur Stärkung der Wertschätzung von Umwelt und Natur gelegt.

Unter anderem sind in Argentinien, Brasilien, Kanada, Kolumbien, Costa Rica, Dänemark, Island, Indien, Japan, Mexiko, Neuseeland, Panama, Norwegen, Portugal, Südafrika, Südkorea, Uganda, Deutschland und der Schweiz Proteste geplant.

Der Geophysikprofessor Peter Schlosser von der New Yorker Columbia Universität äußerte die Hoffnung, dass der "March for Science" ein Bewusstsein für die Bedeutung der Forschung für die Gesellschaft schaffe. Die von der US-Regierung geplanten Budgetkürzungen würden die Klima-, Umwelt- und Gesundheitsforschung gravierend treffen, warnte der Leiter der Umweltfakultät am Samstag im Deutschlandradio Kultur. So sollten die Mittel für die Umweltbehörde um 31 Prozent sinken. "Man kann in sehr kurzer Zeit recht lang anhaltende Schwächungen durchsetzen", erklärte der Geophysiker, der zur Rolle der Ozeane für das Klima forscht.